Widerstand

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GFS – Religion
Thema:
Widerstand der Evangelischen Kirche
gegen das Hitlerregime
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Inhaltsverzeichnis:
Kirche und Nationalsozialismus vor 1933 Seite 3
Hitler und die Kirche Seite 3-4
Einfluss von Hitler auf die Kirche Seite 4
Reaktionen der evangelischen Kirche Seite 5-7
Institutioneller Protest Seite 7
Individueller Protest Seite 8
Einzelperson Martin Niemöller Seite 9
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Kirche und Nationalsozialismus vor 1933
Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933, begann in
Deutschland eine Zeit der Tyrannei und Verfolgung. In der Zeit seiner Diktatur
kamen Millionen unschuldiger Menschen ums Leben, weil ein Teil der deutschen
Bevölkerung die Aktionen des NS- Regimes guthießen und ein anderer Teil die
Augen vor dem verschloss, was in Deutschland geschah. Auch die christlichen
Kirchen gehörten zu denjenigen, die entweder nicht eingriffen oder sogar das
NS-Regime unterstützten. In dieser Arbeit soll die Rolle der beiden großen
Kirchen Deutschlands zu Zeiten Hitlers und ihre Haltung gegenüber dem NSRegime
dargestellt werden.
Aus den christlichen Reihen gab es zwar auch Gegner des NS-Regime, die aber
wenige Chancen gegenüber Hitler hatten. Der Großteil der Geistlichen,
vornehmlich evangelischer Religion, sah in Hitler die Bestätigung ihrer eigenen
politischen Denkweise.
Hitler und die Kirche
Hitler zeigte oft im privaten Gespräch, dass er eine anti-christliche Stellung
einnahm. Für ihn haben die Konfessionen keine Zukunft; sein Ziel ist es das
Christentum mit Gewalt in Deutschland auszurotten, denn nach seiner
Vorstellung ist man entweder Christ oder Deutsche. Doch in der Öffentlichkeit
präsentierte sich Hitler als einen gläubigen Christ und ging sogar in die Kirche.
Er wollte damit die Gunst der katholischen und protestantischen Wählerschaft
gewinnen.
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Laut Paragraph 24 des Parteiprogramms der NSDAP von 1920 treten die
Nationalsozialisten für eine freie Religionszugehörigkeit ein. Die NSDAP
vertritt das so genannte „positive Christentum“ ohne sich jedoch an das
christliche Glaubensbekenntnis zu binden.
Insgesamt muss beim Nationalsozialismus und seiner Haltung gegenüber den
Kirchen zwischen den eigentlichen Absichten und den tatsächlichen Vorgehen
unterschieden werden. Ihr Ziel war vor 1933 die NSDAP auch für die
kirchentreue Wählerschaft wählbar zu machen und gleichzeitig zu versuchen das
Christentum der nationalsozialistischen Ideologie anzupassen.
Einfluss von Hitler auf die Kirche
Nach der Reichstagswahl 1930, in der die NSDAP 18,3 % Stimmen erhielt,
versuchte die NSDAP sich den Kirchen zu nähern, indem uniformierte SA
Männer mit der Hakenkreuzfahne die Kirche besuchten oder prominente
Nationalsozialisten wie Goebbels sich kirchlich trauen ließen. Die
Nationalsozialisten präsentierten sich also als Christen, um zu zeigen, dass sich
der Nationalsozialismus und das Christentum nicht ausschließen.
Die NSDAP übte ihren Einfluss bei jeder Kirche verschieden aus. Bei der
evangelischen Kirche versuchte sie direkt auf das kirchliche Geschehen Einfluss
zu nehmen, indem die NSDAP bei den Kirchenwahlen in der evangelischen
Landeskirche von Preußen eine nationalsozialistische Gruppe gründete, die Hitler
„Deutsche Christen“ nannte. So erhielten die „Deutsche Christen“ bei den
Kirchenwahlen 1933, die von Hitler selbst ausgesetzt worden sind, 70 %. Nur
derjenige darf Pfarrer sein, wenn er arischer Abstammung ist und nur mit einer
arischen Frau verheiratet ist. So war es üblich, dass Juden, die zum Christentum
übergetreten waren, aus ihren Ämtern in der Kirche entlassen wurden.
Bereits 1933 lösten sich die „Deutsche Christen“ wieder auf und hatte keinen
Einfluss mehr auf die Kirche.
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Reaktion der evangelischen Kirchen
Der Begründer der protestantischen Kirche Martin Luther galt laut dem
evangelischen Landesbischof Martin Sasse als einer der größten Antisemiten. So
war es eines seiner größten Anliegen die Juden verfolgen, was Luther auch in
seinen Predigten aussprach.
Zur Zeit des Nationalsozialismus beriefen sich die Kirchen immer wieder auf
seine Schriften „Von Juden und ihre Lügen“ vom Jahre 1543, in denen Luther die
Juden als Plage und Unglück darstellt. Mit diesen Schriften wurden die
praktizierten Judenverfolgungen ruhigen Gewissens toleriert, sogar
gerechtfertigt. Aus dieser Überzeugung entstanden die „Deutschen Christen“
1932, eine protestantische Bewegung, die sich auf Luthers Aussagen zu
Judenverfolgung stützte und damit auch mit dem Nationalsozialismus
sympathisierte. Sie akzeptierten nicht nur politisch den Nationalsozialismus,
sondern glichen sich ihm auch theologisch an.
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Sie bekennen sich zum so genannten „positivem Christentum“, laut der NSDAP
bedeutet dies sich zu einem deutschen Gott, dem deutschen Christentum und
der deutschen Kirche zu bekennen, aber sich nicht an das christliche
Glaubensbekenntnis zu binden. Weiter sehen sie es als Gottes Gesetz an die
„deutsche Rasse“ zu erhalten, indem sie der Rassenvermischung entgegentreten.
Deshalb lehnen sie auch das christliche Weltbürgertum ab, da sich aus diesem
die „verderblichen Erscheinungen“ wie Pazifismus, Internationale und
Freimaurertum ergeben. Hieraus werden zum einen der Rassismus und zum
anderen die indirekte Befürwortung des Krieges deutlich.
Demgegenüber gab es auch die Entgegengesetzte Position, die den
Nationalsozialismus eindeutig ablehnt. Sie vertreten die Meinung, dass der
deutsch-idealistische Geist ebenso bekämpft werden müsse wie die jüdischmaterialistische.
Weiter haben sie kein Interesse an dem so genannten
„positiven Christentum“, sondern an dem Evangelium und der Kirche Christus.
Wiederum gab es eine Position, die dem Nationalsozialismus aufgeschlossen war,
jedoch Kritik zu einigen Parteipunkten der NSDAP äußerte. Weite Kreise in der
evangelischen Kirche nahmen eine solche Position ein. So begrüßte man den
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Dienst der Nationalsozialisten am Volk, das heißt sie teilen ihren Willen zur
sozialen Neugestaltung Deutschlands. Auch begrüßten sie, dass die christliche
Kirche als Kulturträger unter dem Schutz des Staates steht, wie es vor der
Weimarer Verfassung üblich war. Denn nachdem Ersten Weltkrieg kam es durch
die Weimarer Verfassung zur Trennung von Kirche und Staat, womit viele
evangelische Christen nicht zurecht kamen. Insgesamt erkannte man die
christliche Lehre an, jedoch bekannte man sich auch zum „positiven
Christentum“, wobei man die Übersteigerung der „arischen Rasse“ nicht teilt.
Auch stand man der Errichtung einer Nationalkirche kritisch gegenüber, da die
Gefahr bestand, dass Kirche und Christentum für national politische Zwecke
ausgenutzt werden würden.
Im Zuge der Weimarer Republik nahmen die Kirchenaustritte zu.
Deshalb richtete sich die NSDAP gegen den atheistischen Kommunismus. Viele
Protestanten erhofften sich vom Anbruch des 3. Reiches eine Rückkehr der
entkirchlichten Massen in die Kirche.
Institutioneller Protest
Institutioneller Protest entstand aus dem Bemühen der Institution Kirche, sich
dem gesellschaftlichen Gleichschaltungsprozess zu entziehen und die eigene
Unabhängigkeit zu wahren. Es handelt sich hier nicht nur um passive
Verweigerung, sondern um organisierte, sich aktiv widersetzende
Protesthandlung und zwar durchaus nicht im privaten Bereich, sondern in der
deutschen Öffentlichkeit. Kirchlicher Protest setzte erst da ein, wo der Staat
in den Bereich der Kirche eingriff. In Alles, was diesen Bereich nicht betraf,
wollte man sich kirchlicherseits bewusst nicht einmischen. Dass diese naive
Trennung von Kirche auf der einen und Staat und Gesellschaft auf der anderen
Seite eine Fiktion war, wurde nicht gesehen. Die Kirche war als gesellschaftliche
Großgruppe so in gesellschaftliche Bindungen verstrickt, dass sie zu politischem
und gesellschaftlichen Problemen nicht schweigen konnte.
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Individueller Protest
Mir dieser Klassifikation sind nicht die Äußerungen und Maßnahmen kirchlicher
legitimierter Leitungsgremien wie Synoden oder führender Repräsentanten
(Bischöfe) sondern die Stellungnahmen und Aktionen von Einzelpersonen,
Gemeinden oder Gruppen, die – der Stimme ihres Gewissens folgend – gegen
Unrecht und Gewalt aktiv wurden. Sicher war in den meisten Fällen die
Motivation zum Protest kirchlich-theologisch, immer aber traf er das Regime
politisch. Die Begründungen auf den Haftbefehlen zeigen das auch:
“staatsfeindliche Äußerungen”, “Judenverhetzung”, “Vergehen gegen das
Heimtückegesetz”, “Ablehnung des Hitlergrußes”, “Wehrkraftzersetzung”,
“Hetze gegen die NSDAP” etc.
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Martin Niemöller – Lebenslauf
14. Januar 1892: Martin Niemöller wird in Lippstadt/Westfalen als Sohn eines
Pfarrers geboren.
1910- 1919: Dienst in der Kaiserlichen Marine.
Im Ersten Weltkrieg Dienst in der U-Bootwaffe. Seit 1918 ist er U-Boot-
Kommandant.
1919: Niemöller weigert sich, U-Boote als Reparation nach England zu überführen
und verlässt die Marine.
Beginn des Studiums der Theologie in Münster.
Heirat mit Else Bremer. Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor.
1933:Im Herbst schließt sich Niemöller mit 70 Pfarrern im “Pfarrernotbund”
zusammen, der sich gegen die Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft aus
dem kirchlichen Leben und gegen die Verfälschung biblischer Lehre durch die
nationalsozialistischen Deutschen Christen wehren soll. Schon bald übernimmt
Niemöller den Vorsitz der neuen Organisation.
1935: Niemöller wird zusammen mit mehreren hundert Pfarrern verhaftet und
kurzzeitig festgehalten.
1. Juli 1937: Niemöller wird erneut verhaftet und schließlich im
Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.
1941- 1945: Niemöller wird 1941 in das Konzentrationslager Dachau verlegt, aus
dem ihn 1945 amerikanische Truppen befreien.
1945: Wahl zum Präsidenten des Kirchlichen Außenamtes.
1964: Nach 17 Jahren tritt Niemöller von seinem Amt als Kirchenpräsident
zurück.
6. März 1984: Martin Niemöller stirbt in Wiesbaden.

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