Evangelisches Seminar Maulbronn

Das Evangelische Seminar Maulbronn ist ein staatliches alt- und neusprachliches Gymnasium für die Klassen 9–12 mit evangelischem Internat in der Tradition der württembergischen Klosterschulen. Die Klostergebäude prägen Schülerinnen und Schüler bereits durch ihre historische architektur und das Erleben eines spirituellen Ortes. Das Seminar wurde 1556 als evangelische Klosterschule durch die Klosterordnung von Herzog Christoph von Württemberg gegründet und im März 1928 in eine von Kirche und Staat gemeinsam getragene Stiftung überführt. Das Evangelische Seminar Maulbronn und Blaubeuren sind die einzigen noch existierenden von ursprünglich 13 Klosterschulen, die Herzog Christoph in allen württembergischen Männerklöstern einrichtete, um begabten Jungen – unabhängig vom Stand und Vermögen der Familie – eine erstklassige Ausbildung zu ermöglichen. Seit 1969 steht die Schule auch Mädchen offen. In den württembergischen Schulen wurde, neben einer gründlichen wissenschaftlichen Ausbildung, die klösterliche Tradition stark betont, etwa durch die Beibehaltung der Stundengebete. Seit dem Jahr 1975 waren die Klassen 9 und 10 im Kloster Maulbronn untergebracht. Die Klassen 11 bis 13 wurden im Kloster Blaubeuren zum Teil in Kooperation mit dem Gymnasium Blaubeuren unterrichtet. An diesem Ortswechsel wurde nach Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) in Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2008/2009 nicht mehr festgehalten. Stattdessen bestehen zwei eigenständige Schulen, die jeweils die Jahrgänge 9 bis 12 unterrichten und jeweils eigenständige Schwerpunkte bilden. Das Landexamen – die Aufnahmeprüfung Das Bestehen des so genannten Landexamens ist seit Gründung des Seminars Voraussetzung für eine reguläre Aufnahme in das Seminar. Am Landexamen teilnehmen und in ein Seminar aufgenommen werden können alle evangelischen Schülerinnen und Schüler der achten Klasse eines Gymnasiums. Voraussetzung ist die Taufe und Konfirmation bzw. die Anmeldung hierfür. Neben der schulischen Prüfung soll beim Landexamen auch die soziale Eignung der Kandidaten für das Seminar festgestellt werden. Geprüft werden schriftlich die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch und mündlich das Fach Evangelische Religion. Außerdem ist eine
Präsentationsprüfung in Latein oder Französisch oder Musik (z.B. Vorspiel) oder einem anderen Fach Bestandteil der Prüfung. Es werden pro Jahrgang 25 Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Mit dem Bestehen des Landexamens können die Seminaristen ein Stipendium des Landes und der Evangelischen Landeskirche erhalten.

Merkmale des heutigen Seminars

  • Orientierung am christlichen Glauben
  • kleine Schülerzahl
  • familiäres Miteinander von Lehrern und Schüler durch örtlich benachbartes Wohnen
  • und Leben
  • vielfältige Möglichkeiten zu anspruchsvoller musikalischer Betätigung
  • alte und neue Sprachen (Latein, Griechisch, Englisch, Französisch)
  • Theologie
  • Musik

Das Internat

Alle Schülerinnen und Schüler des Seminars leben im Internat. Es gibt keine externen Schüler.
Jedes zweite Wochenende fahren die Schüler nach Hause, ebenso in den Ferien. Im Seminar
besteht ein bewusstes geistliches und ein umfangreiches musikalisches Leben, sowie zahlreiche
Arbeitsgemeinschaften. Es werden jährlich mehrere zum Teil mehrtägige Exkursionen
veranstaltet.

Die Schule

Das Seminar ist ein staatliches Gymnasium des Landes Baden-Württemberg. Die Stundentafel
und die Bildungspläne entsprechen den Vorgaben des Kultusministeriums. Dritte
Fremdsprache ist für alle Schüler ab dem Eintritt ins Seminar Klassisches Griechisch. Die
„mitgebrachten“ Sprachen sind Englisch und Latein oder Französisch. In welcher Klasse mit
welcher Sprache begonnen wurde, ist nicht entscheidend. Die Teilnahme am evangelischen
Religionsunterricht ist verbindlich. Die Abiturergebnisse der Seminaristen zählen regelmäßig zu
besten des Landes Baden-Württemberg.
Vielfältige zusätzliche Angebote wie Schullandheim, Studienfahrten, Konzert- und
Museumsbesuche, diverse Arbeitsgemeinschaften (derzeit Kammermusik, Theater-AG,
Computer-AG, Latein-AG für Französisch-Schüler, Garten-AG, Theologie-AG, Sport-AG),
verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung der Freizeit (Sportplatz, eigenes Boot am Tiefen
See, Tanzkurs) runden die Erziehung am Seminar ab.

Zeittafel zur Geschichte

1147 Gründung des Klosters in Maulbronn
Es wird mit dem Bau von Kirche und Klausur begonnen
1556 Übergang vom Zisterzienserkloster zur Evangelischen Klosterschule
1807 übernimmt der württembergische Staat durch Friedrich I. das Kirchengut und damit auch die Klosterschule
1941 beschlagnahmt der Staat das Seminar für die Einrichtung einer NS-Heimschule
1945/46 wird der Seminarbetrieb wieder aufgenommen
1993 erfolgt die Aufnahme in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes
1997 850. Jubiläum der Gründung des Klosters
2006 450. Jubiläum der Gründung der Württembergischen Evangelischen Klosterschulen

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