Autismus

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Autismus
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Gliederung
1. Allgemeines
a) Definition
b) Mögliche Symptome
2. Ursachen
a) Genetische Faktoren
b) Biochemisch Faktoren
c) Neurologische Faktoren
3. Frühkindlicher Autismus/ Kanner- Syndrom
a) Allgemeines
b) Diagnose
c) Folgen
4. Asperger- Syndrom
a) Allgemeines
b) Diagnose
c) Folgen
5. Therapien
6. Quellen
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1. Allgemeines
a) Definition
Autismus ist eine psychische, tief greifende Entwicklungsstörung, die durch starke
Selbstbezogenheit und Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten und in der
Kommunikation gekennzeichnet ist. Außerdem entwickeln viele Autisten
außergewöhnliche Angewohnheiten und Teilbegabungen.
Wir unterscheiden heute die 2 häufigsten Formen, das Kanner- und das Asperger-
Syndrom. Die Wahrscheinlichkeiten liegen beim Kanner-Syndrom bei ca. 2 pro 1000
und beim Asperger-Syndrom bei 1-3 pro 1000.
b) Mögliche Symptome
 Die Verweigerung von Veränderungen. Autisten leben in ihrer eigenen Welt
und Veränderungen verängstigen sie.
 Sie wirken teilweise wie taub, scheinen die Außenwelt kaum wahrzunehmen
und erkennen Gefühle anderer Menschen nicht.
 Sie haben außergewöhnliche Begabungen in Teilbereichen, dazu später noch
mehr.
 Sie spielen nicht kreativ und ihre Aufmerksamkeit ist auf wenige Dinge, wie
z.B. kariertes Papier gerichtet.
 Sie bewegen sich außergewöhnlich, Schaukeln z.B. mit dem Oberkörper oder
gehen dauernd im Kreis umher.
 Sie vermeiden jeglichen Körperkontakt, auch zu ihren Eltern und nehmen
unter Anderem auch keinen Blickkontakt auf
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2. Ursachen
a) Genetische Faktoren
Bei Familienstudien wurde festgestellt, dass es eine familiäre Häufung von Autismus
gibt. Genetische Faktoren sind daher als Ursache für Autismus sehr wahrscheinlich.
Enge Blutsverwandte von Autisten zeigen häufiger autistische oder autismusähnliche
Symptome. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem autistischen
Zwillingskind auch der andere Zwilling betroffen ist, sehr hoch. Sie beträgt bei
eineiigen Zwillingen etwa 95,7 Prozent.
Auch bei Geschwistern von autistischen Kindern, die selbst nicht an Autismus leiden,
sind vermehrt Auffälligkeiten wie Sprachentwicklungsstörungen und geistige Defizite
feststellbar. Da aber nicht alle eineiigen autistischen Zwillingskinder einen
autistischen Zwilling haben, lässt sich keine allgemeingültige Erklärung auf
genetischer Basis finden. Nach den bisherigen Erkenntnissen aus diesen Familienund
Zwillingsuntersuchungen wird angenommen, dass die Entstehung der
Erkrankung durch eine Kombination verschiedener spezifischer Gene bedingt ist, die
wahrscheinlich insbesondere während der Gehirnentwicklung aktiv sind.
Veränderungen des Chromosoms 15, sondern auch des Chromosoms elf bei vielen
Patienten Autismus entstehen. “Außerdem wurde festgestellt, dass bei einer
untersuchten Familie das Gen für Neurexin 1 zerstört war. Das Protein Neurexin 1 ist
für die Entwicklung von so genannten Glutamat-Nervenzellen wichtig.
Glutamat entsteht während 2 Reaktionen, welche der spontanen Entgiftung aller
Gewebe dienen und im Hirn von besonderer Bedeutung sind. Fehlt das Neurexin 1,
dann können die Hirnzellen nicht mehr miteinander kommunizieren, da kein Glutamat
mehr gebildet werden kann.
Nur in zehn Prozent aller Autismusfälle löst der Defekt eines einzelnen Gens die
Krankheit aus. Bei allen anderen Fällen sind mehrere Gene beteiligt.
b) Biochemische Faktoren
Bei vielen Autisten ist der Spiegel der Hirnbotenstoffe Dopamin, Adrenalin,
Noradrenalin und Serotonin erhöht. Durch Störung des Haushalts dieser Botenstoffe
kommt es zu falschen Reaktionen, was dafür verantwortlich gemacht wird, dass
autistische Kinder ein problematisches Sozialverhalten, Aufmerksamkeitsdefizite und
Lernschwierigkeiten haben. Vereinfacht ausgedrückt sind diese Hirnbotenstoffe oder
auch Neurotransmitter Substanzen, die durch „Andockung“ an verschiede
Rezeptoren unterschiedliche Wirkungen (z.B. emotionale) hervorrufen. Sie können
auch als eine Art Schlüssel für ein vorhandenes Schloß gesehen werden. Paßt ein
solcher Schlüssel, öffnet sich „das Tor“ und es kommt zu einer körperlichen oder
emotionalen Reaktion.
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Stoffwechselabweichungen bei autistischen Kindern wird durch die Gabe von
Coenzymen entgegengewirkt. Coenzyme werden – als nur vorübergehend u. locker
an ein Enzym gebundenes Co-Substrat – als “Wirkgruppe” zusätzlich zur
katalytischen Wirksamkeit des Enzyms (als “Transportmetabolit” zur Übertragung
von Gruppen, Wasserstoff, Elektronen) benötigt. Bei auffällig vielen Autisten konnten
Störungen im Stoffwechsel nachgewiesen werden, die durch Coenzyme beeinflusst
werden konnten.
c) Das Gehirn/ Neurologische Faktoren
Es wurde festgestellt, dass bei Autisten Verbindungen zwischen Gehirnregionen
fehlen. Diese Theorie erklärt, warum bei Autisten die Intelligenz ungleichmäßig
ausgeprägt ist. Auch wurden gestörte Hirnwellenmuster und eine verminderte
Hirndurchblutung festgestellt. Bei einem Teil der Autisten sind bestimmte Hirngebiete
unterentwickelt. Diese beeinträchtigten Hirngebiete und Hirnfunktionen wirken sich
auf die Entwicklung von Sozialverhalten und Sprache aus.
Das Ausmaß der Hirnveränderungen scheint mit der Schwere der Symptomatik von
Autismus im Zusammenhang zu stehen. Bei Erkrankungen wie Hirn- und
Hirnhautentzündungen, die das zentrale Nervensystem schädigen, können in der
Folge Störungen auftreten, die dem Autismus gleichen.
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3. Frühkindlicher Autismus/ Kanner- Syndrom
a) Allgemein
Leo Kanner war der Erstbeschreiber des frühkindlichen Autismus. Bereits 1943
diagnostizierte er bei elf Kindern eine „Autistische Störung des affektiven
(=emotional) Kontakts“, welche später unter dem Namen frühkindlicher Autismus
bekannt wurde.
Der frühkindliche Autismus wird in der ICD-10-Klassifikation unter die tief greifenden
Entwicklungsstörungen gerechnet. Der frühkindliche Autismus führt zu einer
vielfältigen Art von Behinderungen, besonders im Bereich der Entwicklung, des
Sozialverhaltens, der Wahrnehmung und der Kommunikation.
Schon in den ersten Lebensmonaten entwickeln sie eine fehlende Kontaktaufnahme
zu den Eltern, insbesondere zur Mutter. Viele Kinder mit frühkindlichem Autismus
strecken der Mutter nicht die Arme entgegen, um hochgehoben zu werden. Sie
lächeln nicht zurück, wenn sie angelächelt werden, und nehmen zu den Eltern keinen
angemessenen Blickkontakt auf.
Oft finden sie in Gegenständen einen für andere fremden Zweck, sortieren
beispielsweise die Einzelteile einer Spielzeugeisenbahn nach Größe und Farbe.
Kanner Autisten haben große Sprachauffälligkeiten, sie bestätigen Gesagtes z.B
durch Wiederholung. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme
zur Außenwelt und zu anderen Menschen.
Das Sozialverhalten der Kanner-Autisten ist schlecht ausgeprägt, sie vermeiden
Kontakt zu anderen Menschen und kapseln sich ab denn es ist für sie kaum möglich,
Beziehungen aufzubauen. Auch können sie die Gefühle anderer nur schwer
wahrnehmen.
b) Diagnose
In der internationalen Klassifikation der Erkrankungen ICD-10 (“International
Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”) der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden folgende Kennzeichen als Merkmale für
diesen Autismus genannt:
1) qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion:
 ausgeprägte Beeinträchtigung nonverbaler Verhaltensweisen, wie
beispielsweise Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik.
 Unfähigkeit, entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen.
 Mangel an sozialer oder emotionaler Gegenseitigkeit.
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2) qualitative Beeinträchtigungen der Kommunikation:
 verzögertes Einsetzen oder völliges Ausbleiben der Entwicklung gesprochener
Sprache.
 bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung
der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen.
3) beschränkte repetitive und stereotype Verhaltens-, Interessens- und
Aktivitätsmuster
 eingeschränkte Interessen
 auffällig unflexibles Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten
oder Ritualen.
 stereotype und repetitive motorische Manierismen (z.B. immer gleiche
Handbewegungen)
 beharrliche eingehende Beschäftigung mit Teilen von Objekten.
c) Folgen
Der frühkindliche Autismus beeinträchtigt das Leben der Kanner-Autisten erheblich
und erschwert die Möglichkeiten der selbständigen Lebensführung. Für Kanner-
Autisten ist es aufgrund der Sprach- und Kommunikationsschwierigkeiten,
veränderten Wahrnehmung und besonders aufgrund der dadurch bedingten
Abkapselung von der Umwelt schwer, sich an die soziale Umgebung anzupassen,
Freunde zu finden oder sich in den Rahmen einer Schule oder einer Familie zu
fügen. Die Erziehung eines autistischen Kindes stellt die Eltern vor große
Schwierigkeiten und ist häufig mit sehr viel Stress verbunden. Auch nur leicht
autistische Menschen geraten in Gefahr, bei den Menschen in ihrer Umgebung
anzuecken, weil sie etwa die sozialen Regeln nicht kennen oder sie nicht anwenden
können. Viele Kanner-autistische Menschen sind auf intensive und lebenslange
Betreuung angewiesen.
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4. Asperger-Syndrom
a) Allgemeines
1944 veröffentlichte Hans Asperger die erste Beschreibung des später nach ihm
benannten Asperger-Syndroms. Das Asperger-Syndrom (AS) gilt als leichte Form
des Autismus und wird ab dem dritten bis fünften Lebensjahr bemerkbar.
Kennzeichen sind:
Das beeinträchtigte soziale Interaktionsverhalten, besonders in zwei Bereichen: zum
einen die Fähigkeit, zwanglose Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen,
und zum anderen die nonverbale Kommunikation.
Das Leben von Menschen mit AS ist durch ausgeprägte Routinen bestimmt. Werden
sie in diesen gestört, können sie erheblich beeinträchtigt werden. Teilweise haben
Sie eine hohe Intelligenz und in ihren Interessen sind sie oft auf ein Gebiet
beschränkt, auf dem sie meist ein enormes Fachwissen haben. Da Menschen mit AS
meist gut logisch denken können, liegen ihre Interessensgebiete oft im
mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch andere Gebiete, z. B. die
komplette geisteswissenschaftliche Palette, sind möglich. Auch gibt es so genannte
Inselbegabungen, die zwar nicht nur Autisten haben aber hauptsächlich.
b) Diagnose
Zur Diagnose werden meist die folgenden Kriterien nach Gillberg & Gillberg (1989)
verwendet: (Lars Christopher Gillberg war ein schwedischer Professor für
Psychiatrie.)
Soziale Beeinträchtigung
 Die Unfähigkeit und mangelnder Wunsch, mit Gleichaltrigen zu interagieren.
 mangelndes Verständnis für soziale Signale und sozial und emotional
unangemessenes Verhalten
Eingegrenzte Interessen
 Ausschluss anderer Aktivitäten
 Monotones Befolgen der Aktivität
Repetitive Routinen
 für sich selbst und im Bezug auf bestimmte Lebensaspekte werden Aktivitäten
dauernd wiederholt.
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Rede- und Sprachbesonderheiten
 verzögerte Entwicklung
 jedoch oberflächlich gesehen perfekter sprachlicher Ausdruck durch formelle
Sprache
 beeinträchtigtes Verständnis einschließlich Fehlinterpretationen von wörtlichen
Bedeutungen
Nonverbale Kommunikationsprobleme
 begrenzter Blickkontakt
 begrenzte Gestik und Mimik
 unbeholfene oder linkische Körpersprache
 Motorische Unbeholfenheit
c) Folgen
Durch das große Wissen auf dem Gebiet ihrer Spezialinteressen und die
Hartnäckigkeit, mit der sie diese Interessen verfolgen, können Kinder mit Asperger-
Syndrom hier hervorragende Leistungen erbringen. Überhaupt sind ihre
hervorstechenden Eigenschaften: Genauigkeit, Perfektion, stark ausgeprägter
Gerechtigkeitssinn, absolute Wahrheitsliebe, logisches Denken. Wenn diese
Eigenschaften gefördert werden, können aus Kindern mit Asperger-Syndrom sehr
gewissenhaft und genau arbeitende Angestellte, aber auch hervorragende
Wissenschaftler, Erfinder oder Künstler werden.
Kinder mit Asperger-Syndrom sind – gemessen am autistischen Spektrum – relativ
“leicht” betroffen. Dennoch benötigen sie besonderes Verständnis und Hilfe. Mit der
entsprechenden Anleitung können sie soziale Verhaltensweisen lernen. Dann sind
die Chancen, dass sie einen Beruf ausüben und ein weitgehend eigenständiges
Leben führen können, recht gut.
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5. Therapien
Autismus ist nicht heilbar, es gibt aber folgende Therapien, die die Symptome
mindern können:
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie ist in der Autismustherapie die am besten wissenschaftlich
abgesicherte Therapieform. Ziel ist es, einerseits störende und unangemessene
Verhaltensweisen wie übermäßige Stereotypien oder aggressives Verhalten
abzubauen und andererseits soziale und kommunikative Fähigkeiten aufzubauen.
Diese Therapieform ist auf die Frühförderung ausgerichtet. Zunächst wird festgestellt,
welche Fähigkeiten und Funktionen das Kind bereits besitzt und welche nicht.
Dann werden spezielle Programme erstellt, die das Kind befähigen, die fehlenden
Funktionen zu erlernen. Die Eltern werden in die Therapie einbezogen.
Hauptbestandteile sind Motivation bei richtigem Verhalten und Löschung bei
falschem Verhalten.
Es gibt jedoch zur Zeit in Deutschland nur zwei Institute, die diese Therapie anbieten.
Elterntraining
Eltern autistischer Kinder erleben nachweislich mehr Stress als Eltern von Kindern
mit anderen Krankheiten oder Behinderungen. Eine Reduzierung des Stresses der
Eltern zeigt deutliche Besserungen im Verhalten ihrer autistischen Kinder. Es gibt
starke Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Stressbelastung der Eltern
und den Verhaltensproblemen ihrer Kinder. Verhaltensprobleme der Kinder zeigen
sich nicht vor, sondern auch während erhöhter Stressbelastung der Eltern:
Die National Autistic Society hat ein Programm entwickelt, welches ein dreimonatiges
Trainingsprogramm für Eltern beinhaltet, um sie auf das Thema Autismus effektiv
vorzubereiten und ihnen so den Umgang mit ihrem Kind zu erleichtern.
Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie
Die Ergotherapie umfasst handwerkliche, gestalterische sowie spielerische Übungen.
Einen Hauptbereich stellt das Üben lebenspraktischer Tätigkeiten dar. Verbesserung
und Wiederherstellung der beeinträchtigten Fähigkeiten sollen dem Patienten eine
möglichst große Selbständigkeit und Handlungsfreiheit im Alltag ermöglichen.
Physiotherapie kann motorische Defizite abbauen.
Logopädie kann Sprachauffälligkeiten in Lautstärke, Tonlage, Geschwindigkeit und
Modulation normalisieren.
Tiertherapie
Tiergestützte Therapieverfahren sind alternativmedizinische Behandlungsverfahren.
Sie richten sich auf drei wesentliche Wirkungsfelder; Das Psychische, Soziale und
Physische. Die Therapie versteht sich als ganzheitliches Entwicklungs- und
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Förderangebot. Ganz allgemein gesagt, erleichtern Tiere die Kontaktaufnahme und
können die Teilnahme an einer anderen Therapie fördern.
Unter anderem gibt es die Delphintherapie und die Hippotherapie, bei der Pferde
zum Einsatz kommen.
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6. Quellen

http://www.autismus-nordbaden-pfalz.de/autismus.htm

http://www.sprechzimmer.ch/

http://www.asperger-online.de/asperger.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

http://www.asperger-kinder.de/was_ist_asperger.htm

http://www.meduniqa.at/247.0.html

Video: www.youtube.com

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