Zweck und Verlauf der Eroberung Mittel und Südamerikas seit 1492

Bis zur Entdeckung Mittel und Südamerikas im Jahre 1492 galt der damalige Pabst der Katholischen Kirche als der Eigentümer des Patronatsrecht, also das Recht über alle neu entdeckten Länder und Völker.

Die Anfänge

Bis zur Entdeckung Mittel und Südamerikas im Jahre 1492 galt der damalige Pabst der Katholischen Kirche als der Eigentümer des Patronatsrecht, also das Recht über alle neu entdeckten Länder und Völker. Doch seit diesem Zeitpunkt begründete der spanische König seinen Anspruch auf das Patronatsrecht in den neuen Ländern mit seinen alten Verdiensten im Kampf gegen die Ungläubigen und die Verbreitung des christlichen Glaubens. 1493 überträgt Pabst Alexander VI. die Herrschaftsrechte über die amerikanischen Länder an die spanische Krone. Damit hatte der spanische Staat in allen praktischen kirchlichen Fragen die Oberaufsicht. Er erließ Verordnungen für Geistliche (Z.B. Prüfung aller Priester, die nach Amerika geschickt wurden), nahm die kirchlichen Einteilungen vor, setzte die Priester in ihre Ämter ein und legte Ihre Funktionen fest. Die Bischöfe mussten vor ihrem Amtsantritt zuerst dem König einen Treueeid leisten, welcher das Versprechen enthielt, jederzeit und in jeder Hinsicht das königliche Patronat gewissenhaft zu wahren und auszuüben, den Gang der königlichen Gerichtsbarkeit und die Einziehung der königlichen Abgaben nicht zu behindern und die ihm aufgetragenen Ernennungen und Einrichtungen durchzuführen. Die Bischöfe erhielten damit den Charakter von Staatsbeamten und wurden selbstverständlich mit vielen weltlichen Aufgaben betraut. Innerhalb dieses durch den spanischen Staat fest kontrollierten Rahmens entwickelte sich die Kirche Lateinamerikas mit ihren durchaus verschiedenen Untergruppierungen und auch teilweise verschiedenen, sogar gegensätzlichen Zielsetzungen.

Die innerkirchlichen Fraktionen

So gab es nicht die Haltung der Kirche zum Vorgang der Conquista (Eroberung), sondern verschiedene innerkirchliche Fraktionen, die sich im Verlauf der Eroberung herausbildeten.

Die kolonialistische Fraktion

Der einzige, der sich intensiv bemühte, einen theologisch-literarischen Diskurs gegen die Indianer im Detail zu erarbeiten, war Juan Ginés de Sepúlveda (1490-1573). 1544-1545 sammelt er in seiner Schrift „Über die gerechten Gründe des Krieges gegen die Indios“ vier Gründe zur Legitimation der Eroberungskriege im neuentdeckten Amerika. Das Argument der “natürlichen Unterlegenheit” der Indianer. Hauptvertreter dieser Thesen war der Priester Tomás Ortiz, der an dem gescheiterten friedlichen Missionsexperiment in Venezuela teilgenommen hatte und nach seiner Rückkehr in Spanien eine Schmähschrift schrieb, in der er die Indianer zu Untermenschen erklärte. Die Kirche konnte die Argumente von Ortiz nicht akzeptieren, denn wären die Indianer als Untermenschen definiert worden, so hätten sie auch nicht evangelisiert werden können. Das Argument der “Bestrafung der Sünde”. Nach der Sepulvedas Meinung waren die Indianer vieler Sünden schuldig, darunter als gravierenster Götzendienerei und ein sexuelles Verhalten, das mit den strengen mittelalterlichen Normen Spaniens nicht übereinstimmte. Nach der Logik dieses Arguments waren die “Conquistadores” nach Amerika gekommen, um die Rache Gottes zu vollstrecken. Das Argument der “ungerechten Herrschaft”. Nach dieser Version lebten die Indianer vor der Ankunft der Spanier unter tyrannischen Zuständen. Die zynische Ableitung dieses Arguments war, dass die “Conquistadores” als nichts geringeres denn als “Befreier” betrachtet werden mussten. Das Argument des “notwendigen Übels”. Wegen ihrer Einfachheit erreichte diese Version die höchste Resonanz. Nach diesem Argument waren sowohl der Krieg wie die Sklaverei bedauerliche Realitäten, die aber in Kauf genommen werden mussten, wenn Spanien nicht auf die Evangelisierung der Eingeborenen verzichten wollte. Wahr ist, dass dieses Argument keinen theologischen Status besaß und Ausrede im Rahmen des Versuches der ideologischen Legitimation des Krieges war. Ein Dokument ganz aus im Sinne dieser Moral war das Requerimiento, ein juristisches Dokument zur Herstellung eines einwandfreien Rechtstitels der Eroberung. Dieser Brief wurde in den Dörfern und Städten Südamerikas von den spanischen Eroberern vorgetragen und sollte die Indianer zur bedingungslosen Kapitulation und Unterwerfung bringen. Zu Anfang des Textes wird erklärt, dass dem Papst die Oberhoheit über alle Menschen und Reiche von Gott übertragen worden sei und dass der Papst seinerseits durch Schenkung den König von Spanien zum rechtmäßigen Herrscher von Westindien gemacht habe. Dann folgt die Kapitulationsaufforderung:

“…Deswegen bitten und ersuchen wir euch nach bestem Vermögen, dass ihr auf unsere Rede hört und eine angemessene Weile darüber beratet, dass ihr die Kirche als Oberherrn der ganzen Welt und in ihrem Namen den Hohenpriester, Papst genannt, sowie an seiner Statt Seine Majestät als Herrn und König dieser Inseln und dieses Festlandes kraft der erwähnten Schenkung anerkennt und euch einverstanden erklärt, dass die hier anwesenden Ordensbrüder euch das Gesagte erklären und verkünden. Handelt ihr danach, dann tut ihr recht und erfüllt eure Pflicht; dann werden seine Majestät und ich in Ihrem Namen euch mit Liebe und Güte behandeln, euch eure Frauen und Kinder frei und ohne Dienstbarkeit belassen, damit ihr über sie und über euch selbst nach eurem Belieben und Gutdünken verfügen könnt. Man wird euch in diesem Falle nicht zwingen, Christen zu werden; es sei denn, dass ihr, in der Wahrheit unterwiesen, selbst den Wunsch habt, euch zu unserem heiligen katholischen Glauben zu bekennen, wie es fast alle Bewohner der anderen Inseln getan haben. Darüber hinaus wird seine Majestät euch viele Privilegien und Vergünstigungen geben und euch viele Gnaden erweisen. Wenn ihr dies aber nicht tut und böswillig zögert, dann werde ich, das versichern wir euch, mit Gottes Hilfe gewaltsam gegen euch vorgehen, euch überall und auf alle nur mögliche Weise mit Krieg überziehen, euch unter das Joch und unter den Gehorsam der Kirche und seiner Majestät beugen, eure Frauen und Kinder zu Sklaven machen, sie verkaufen und über sie nach dem Befehl seiner Majestät verfügen. Wir werden euch euer Eigentum nehmen, euch schädigen und euch Übles antun, soviel wir nur können, und euch als Vasallen behandeln, die ihrem Herrn nicht gehorsam und ergeben, sondern widerspenstig und aufsässig sind. Wir bezeugen feierlich, dass das Blutvergießen und die Schäden, die daraus erwachsen, allein euch zur Last fallen, nicht seiner Majestät, nicht mir und nicht diesen Rittern, die mit mir gekommen sind. Alles, was ich euch hier gesagt und aufgefordert habe, bitte ich den Notar schriftlich zu beurkunden.” Requerimiento

Die Position der Indioverteidiger

Hauptvertreter dieser Position war der Dominikaner Bartolomé de Las Casas (1484-1566) geworden. Las Casas war kein Revolutionär gegen die staatliche und kirchliche Ordnung, er erkannte die Rahmenbedingungen der damaligen Zeit grundsätzlich an und wollte innerhalb dieser Ordnung erreichen, dass die Behandlung der Indios und der auch ihm notwendig erscheinende Christianisierungsprozeß allein in Übereinstimmung mit dem Beispiel Jesu Christi und der Apostel geschehen solle. Die päpstliche Schenkung, die er akzeptiert, bedeutet für ihn aber, dass die Missionierung allein mit friedlicher Überzeugungsarbeit vor sich gehen dürfe. Las Casas hatte die Ausbeutung der Minen für Raub am Eigentum der Ureinwohner gehalten und diesen den Rat gegeben, ihnen bekannte Schürfstellen geheim zu halten. Dass die ursprünglichen Bewohner dieser Länder auch die rechtmäßigen Eigentümer der Minen und der übrigen Reichtümer sein sollen, hält Juan Ginés de Sepulveda für völlig absurd, wenn er darauf hinweist, wie unendlich viehisch und dumm diese Bewohner seien. Doch de las Casas verurteilt diese Behauptung mit der Begründung, man dürfe die von Gott verteilten Reichtümer nicht stehlen. Trotzdem bleibt noch die Frage bestehen, warum denn die größten Reichtümer sich bei den gottlosesten und dümmsen Leuten finden. Dazu nennt Juan Ginés de Sepulveda ganz unbiblisch ein Beispiel aus der Heiratspraxis: Gott habe sich

“diesen elenden Heiden, aber auch uns gegenüber wie ein Vater erwiesen, der zwei Töchter hat: eine herrlich weiße, ausgesprochen zurückhaltende, voller Grazie und Anmut, und die andere, schrecklich hässlich, triefäugig, albern und viehisch-dumm. Wenn es daran geht, die erste zu verheiraten, bedarf es keiner Mitgift. Er setzt sie einfach in den Palast, wo die Herren ein- und ausgehen- um die Wette, wer mit ihr heiraten würde. Doch bei der hässlichen, plumpen, dummen und unbeholfenen ist es damit nicht getan, vielmehr muss er ihr eine große Mitgift geben: eine Menge Edelsteine, reiche, aufwendige und teure Kleider und bei dem allem möge Gott helfen… Genau dasselbe hat Gott mit diesen und uns getan.“ Juan Ginés de Sepulveda

Das Gold ist also deshalb so reichlich vorhanden, damit das Evangelium auch zu diesen Menschen kommen kann. Es war natürlich nicht so, dass Bartolome de las Casas den rein finanziellen Aspekt der Eroberung Südamerikas übersah. Er wusste genau, dass es dort Einiges an schätzen zu holen gab, doch da er davon nie etwas abbekommen hätte und ihm das keinerlei Vorteil gebracht hätte, stützte er sich als „frommer“ Christ auf die Bibel und Verurteilt die gewaltsame Eroberung.

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