Sowjetische Invasion in Afghanistan (Afghanistankrieg)

Der Afghanistankrieg begann 1979 und dauerte ein ganzes Jahrzehnt bis 1989. Er war ein typischer Stellvertreterkrieg des kalten Krieges.

Der Afghanistankrieg begann 1979 und dauerte ein ganzes Jahrzehnt bis 1989. Er war ein typischer Stellvertreterkrieg des kalten Krieges.

Vorgeschichte

Seit Mitte der 1970er Jahre herrschte in Afghanistan ein blutiger Bürgerkrieg. Kommunistische Kräfte unter Nur Muhammad Tariki übernahmen 1978 die Macht in Afghanistan und betrieben eine starke Annäherung an den Ostblock, sowie eine zunehmende Säkularisierung des Staatsgefüges. Gegen dieses Vorgehen hegte sich starker Widerstand unter der Bevölkerung. Es gründeten sich zu dieser Zeit duzende Mudjaheddin Gruppen, die unter anderem von der CIA im Kampf gegen das kommunistische Regime unterstützt wurden. Tariki erbat in dieser Zeit mehrfach militärische Hilfe von der Sowjetunion, um die Widerstände gegen die Regierung abwehren zu können. Da diese Hilfe aus außenpolitischen Gründen ausbliebt, gelang es den Mudjaheddin im September 1979 Tariki zu ermorden. Hafizullah Amin übernahm ab diesem Zeitpunkt die Macht und versuchte die Änderungen der Vorregierung rückgängig zu machen. Dies war der ausschlaggebende Grund für die Sowjetunion einzugreifen.

Die Invasion

Am 27. Dezember 1979 gegen 19:00 Uhr eroberten 700 sowjetische Soldaten in afghanischen Uniformen, unter ihnen Spezialeinheiten der OZNAZ und GRU SPEZNAZ der Alpha- und Zenithgruppe, wichtige Regierungs-, Kommunikations- und Militäranlagen in der Hauptstadt Kabul. Zeitgleich begann eine großangelegte Invasion sowjetischer Truppen von Norden her, mit insgesamt über 1800 Panzern, 80.000 Soldaten und 2000 Schützenpanzern. Zwei Wochen nach Invasionsbeginn hatte die sowjetische Luftwaffe über 4000 Transportflüge nach Kabul absolviert und die Zahl der Soldaten in Afghanistan erreichte die 100.000.

Reaktion der Weltöffentlichkeit

Die internationale diplomatische Reaktion auf das Vorgehen der Sowjetunion war sehr ernst. US Präsident Jimmy Carter bezeichnete die Invasion als “höchste Gefahr für den Weltfrieden seit dem 2. Weltkrieg”. Die Nähe von zehntausenden Sowjettruppen zu ölreichen Regionen im nahen Osten verursache große Beunruhigung im Westen. Die diplomatischen Folgen reichten von Warnungen vor einem Boykott der Olympiaspiele in Moskau (1980), bis zu einem US-Handelsembargo von Getreide über die Sowjetunion. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte mit 104 zu 18 Stimmen für die Resolution A/ES-6/2, GA/6172, die die “aktuelle bewaffnete Intervention” in Afghanistan aufs stärkste missbilligte und die einen “sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen” aus Afghanistan forderte, damit es “dem Volk ermöglicht wird, sein eigenes Schicksal, ohne Zwang und Beeinflussung, zu bestimmen”. Die Resolution wurde von der sowjetischen Regierung unter Leonid Breschnew mit der Begründung einer angeblichen Einmischung in legitime interne Angelegenheiten Afghanistans zurückgewiesen. Die Sowjetunion berufte sich dabei auf Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen (Recht auf Selbstverteidigung), wonach die Afghanische Regierung das Recht habe, ausländlische Truppen zur Hilfe zu Rufen.

Sowjetische Militäroperationen

Phase 1: Eroberung

Diese Phase zu Beginn des Krieges dauerte von Dezember 1979 bis Ende Februar 1980. Die Sowjetunion nutzte 2 Hauptrouten und einen Luftkorridor, um wichtige Großstädte, militärische Einrichtungen, Flugplätze und strategische Positionen zu erobern. Die Kontrolle über wichtige Städte Afghanistans trug nicht, wie erwartet, zur Befriedung des Landes bei. Im Gegenteil, die Besatzung verursachte einen großen Zulauf der Rebellengruppen und heftigen wiederstand. Es erfolgte ein Übergang zum Bruchlinienkrieg.

Phase 2: Offensiven

Zwischen März 1980 und April 1985 waren über 80% des Landes außerhalb Kontrolle der von der Sowjetunion eingesetzten Regierung. Die sowjetische Armee besetzte hauptsächlich strategische Positionen im Nordwesten, vor allem entlang der wichtigen Route von Termez nach Kabul. Das restliche Gebiet wurde beherrscht von unzähligen Guerillatruppen, die immer wieder Angriffe auf Soldaten und Nachschubkonvois der Sowjets starteten. In regelmäßigen Abständen startete die Sowjetunion Großoffensiven mit mehrern Divisionen in von Guerillas besetzte Gebiete. Zwischen 1980 und 1985 wurden 9 solcher Großoffensiven in das Panshirtal gestartet, aber die Kontrolle der Regierung verbesserte sich nicht wesentlich. Heftige Kämpfe fanden auch im Süden, an der Grenze zu Pakistan statt, wo Armeestützpunkte und besetzte Städte ständigen Angriffen der Mudjaheddin ausgesetzt waren. Als 1985 der neue Generalsekretär der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, die Regierung Breschnew ablöste, äußerte er seine Ungedult über den Afghanistankonflikt. Er erhöhte daraufhin das Afghanistankontingent auf 108.800 Soldaten, um ein zügiges und erfolgreiches Ende herbeizuführen. Die Kämpfe im ganzen Land nahmen daraufhin in großem Umfang zu, sodass 1985 als eines der blutigsten Jahre des Afghanistankrieges bezeichnet werden kann.

Phase 3: Exit Stragtegie

Der erste Schritt der Exitstrategie bestand darin, einen Teil des Kampfes gegen die Rebellen auf die afghanische Armee abzuwälzen. Die Sowjetunion unterstütze daraufhin die afghanische Armee nur noch mit Luftangriffen und Artillerieunterstützung, startete jedoch auch weiterhin gelegentliche Angriffe zur Unterstützung. Mit sowjetischer Hilfe wurde die afghanische Armee auf über 300.000 Soldaten aufgestockt. Um einen Staatstreich afghanischer Truppen zu verhindern, wurde die Armee in verschiedene Untergruppen aufgeteilt, die in etwa dem sowjetischen Gegenpart entsprachen: Truppen des Verteidigungsministeriums (132.000), des Innenministeriums (70.000) und des Ministeriums für Staatssicherheit (80.000). Diese Gruppierungen waren in der Realität aber eher theoretische Figuren. In Wirklichkeit leidete die afghanische Armee unter gigantischen Desertierungsproblemen. Allein bei den Truppen des Verteidigungsministeriums desertierten in einem Jahr um die 32.000 Soldaten und liefen zum Teil zu den Rebellen über, wohin sie ihre Ausrüstung mitnahmen und wo sie besser bezahlt wurden.

4. Phase: Rückzug

Die letzte Phase ab 1987 war geprägt von Vorbereitungen für einen geordneten Rückzug. Es wurden kaum noch offensive Operationen gestartet und die Armee war zu Genüge damit beschäftigt, sich gegen die nicht abbrechen wollenden Angriffe der Muddjaheddin zu verteidigen. Die einzige Außnahme bildete Operation “Magistral”, ein erfolgreicher Angriff, der die Route zwischen Gardez und Khost freiräumte. Die Operation kam jedoch zu spät, um noch irgendwelche Auswirkungen auf den Kriegsverlauf zu haben. Sie gab den sowjetischen Truppen jedoch ein Teil des Selbstwertgefühls zurück, in dem sie einen Sieg erringen konnten. Die erste Hälfte des Afghanistankontingents wurde zwischen dem 15. Mai und 16. August 1988, die restlichen Truppen zwischen 15. November und 15. Februar 1989 abgezogen. Der Rückzug verlief relativ geordnet und friedlich, vor allem weil sowjetische Kommandeure Waffenstillstandsabkommen mit den Rebellen ausgehandelt hatten. Die afghanischen Regierungstruppen, die fortan auf sich allein gestellt waren, wurden gezwungen, einige Provinzhauptstädte abzutreten. Man war sich sicher, dass diese Truppen nicht lange gegen die Muddjaheddin standhalten können. Im Frühling 1989 fügte die afghanische Armee jedoch den Rebellen eine herbe Niederlage bei Jalalabad zu. In der Folge eskalierte der Bürgerkrieg und die Fronten blieben bis 1996 verhärtet, als die zu den “Taliban” zusammengeschlossenen Rebellen die Hauptstadt Kabul erobern konnten.

Offizielle sowjetische Angaben (Quelle)

  • Zwischen 1979 und 1989 dienten insgesamt über 620.000 Soldaten in Afghanistan
  • Von diesen waren nie mehr als 80.000 – 104.000 gleichzeit dort stationiert.
  • Der Personalverlust in allen Teilstreitkräften wird offiziell mit 14.453 angegeben.
  • 53.753 Soldaten wurden verwundet
  • 415.932 Soldaten erkrankten aufgrund der klimatischen und sanitären Bedingungen an Infektionen und anderen Krankheiten (Hepatitis, Typhus, etc)

Materialverluste

  • 118 Flugzeuge
  • 333 Hubschrauber
  • 147 Panzer
  • 1.314 Transport und Schützenpanzer
  • 433 Haubitzen und Mörser
  • 1.138 Kommunikations und Fernmeldefahrzeuge
  • 510 Pionierfahrzeuge
  • 11.369 Lastwagen und Tanklaster

Afghanische Verluste

  • Über eine Million Afghanen kamen ums Leben.
  • 5 Millionen flohen nach Pakistan und in den Iran (1/3 der Bevölkerung)
  • Weitere 2 Millionen Afghanen wurden vertrieben.
  • In den 1980er Jahren war jeder 2. Flüchtling auf der Welt ein Afghane
  • Zu den Todesopfern kamen 1.2 Millionen Menschen hinzu, die der Krieg verkrüppelte (Muddjaheddin, Regierungstruppen, Zivilisten)
  • 3 Millionen Afghanen wurden verwundet.
  • 1985 wurde über die Hälfte der Getreidefelder in Afghanistan durch Bombardierung oder mutwillige Zerstörung der Bewässerungsanlagen, vernichtet.
  • 10-15 Millionen Landminen der Sowjets und der afghanischen Armee gefährden bis heute die Bevölkerung

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