Sklaverei oder Freiheit für die Indios?

Quellenanalyse zur Frage “Sklaverei oder Freiheit für die Indios?”

Die vom Jahr 1539 bis 1542, von der von Karl V. einberufenen Kommission verfassten Gesetze sollten den Sklavenhandel und die Sklaverei im neu besiedelten Amerika verhindern und unterbinden. Der Gesetzesbrief wurde aus gegebenem Anlass verfasst, da die Ureinwohner Amerikas dort versklavt, verkauft und misshandelt wurden. Der Kommission wohnte auch der schärfste Kritiker der Neuen Welt bei, Bartolomé de Las Casas. Herausgegeben wurde der Text von Urs Bitterli. Zu Anfang werden die Konquistadoren aufgefordert aus keinem möglichen Grund, sei es Krieg, Aufruhr oder Bestrafung, Ureinwohner zur Sklaverei oder Leibeigenschaft zu zwingen, den Sklavenhandel unverzüglich einzustellen und die Indios wie Untertanen der Brasilianischen Krone, also wie Gleichgestellte, zu behandeln. Niemand darf mehr gegen seinen Willen arbeiten, ob er bezahlt wird oder nicht, spielt keine Rolle. Die Personen, die sich nicht an dieses Gesetz halten, sollen ohne lange Verfahren und mit einem möglichst kurz und schnell ermittelten Tatbestand zu einem Gericht vorgeladen werden. Wenn sie dort keinen Rechtstitel für die Beschäftigung von Sklaven vorzeigen können, werden jene unverzüglich in die Freiheit entlassen. Damit die Indianer vor Gericht und in der Öffentlichkeit ihre Rechte vertreten können, sollen sie von dem jeweiligen Gericht einen vertrauenswürdigen und gewissenhaften Vertreter zugeteilt bekommen, der von den gerichtlichen Strafgeldern finanziert werden soll. Grundsätzlich soll kein Indianer mehr gegen seinen Willen und ohne Bezahlung als Lastenträger eingesetzt werden. Wenn dies aber wegen territorialen Umständen nicht möglich ist, muss garantiert sein, dass für jeden individuellen entlohnten Arbeiter keine Lebens- und Gesundheitsgefahr besteht. Bei einem Gesetzesbruch diesbezüglich solle derjenige scharf und personenunabhängig gerichtlich bestraft werden. Desweiteren wurden weitere Gesetze gegen das Perlentauchen erlassen. Da es zu zahlreichen Todesfällen während dem Tauchen kam, ist es ab sofort verboten einen freien Indianer gegen seinen Willen zur Todesstrafe zum Perlentauchen zu zwingen. Außerdem sollen der Bischof und der oberste Richter von Venezuela angemessene Vorkehrungen treffen, damit diese Art von Todesfällen in Zukunft ausgeschlossen werden kann. Im Falle, dass keine gegebenen Maßnahmen gegen die Lebensgefahr beim Tauchen helfen, soll die Perlenfischerei von dort an unterlassen und aufgegeben werden. Vor allem aus dem Grund, dass Perlen in keinem Fall mehr Wert als ein menschliches Leben sind und dass ein menschliches Leben in jedem Fall mit allen Mitteln erhalten werden sollte. In dem auffordernden Brief werden viele Zustände im neu eroberten Land kritisiert und realitätsnah dargestellt. Daraufhin folgen konsequent Befehle und Aufforderungen diese Zustände zu beseitigen und etwaige Handlungsschritte gegen Personen einzuleiten, die sich nicht an die neuen Gesetze hielten. In dem Text häufen sich befehlserteilende Phrasen, die deutlich die Machtposition der Kommission darstellt. Daraus kann man schließen, dass Karl V. und seine Kommission sich ihrer Befehlsgewalt bewusst sind und ihr Durchgreifen als maßgeblich sehen. Da Spaniens Kolonien in Amerika territorial sehr wohlhabend waren, hatte die Kommission ihrer Ansicht nach viel Verantwortung. Als die ersten Befehle 1516 von Karl V. kaum Beachtung fanden, gründete er 1520 eine Kommission, die ihn dabei unterstützen sollte. Die Kommission verbietet jegliche Sklaverei und Leibeigenschaft in ihre Kolonien und somit auch den Handel mit den Ureinwohnern. Sie drücken deutlich aus, dass die Indianer als Untertanen der Brasilianischen Krone gelten und auch als solche behandelt werde müssen. Aus diesem Grund verurteilen sie Gesetzesbrüche dieser Art aufs schärfste und drohen mit härteren Sanktionen, die personenunabhängig verhängt werden sollen. Daraus kann man schließen, dass Karl V. maßgeblich zur Integrierung der Menschenrechte auf der ganzen Welt beigetragen hat. Er war der erste, der sich im neu entdeckten Amerika für die Gleichstellung von Ureinwohnern und Konquistadoren einsetzte. Die Sklaverei reichte jedoch trotz seines Einsatzes bis in die später Mitte des 19. Jahrhunderts. Sprachlich gesehen ist der Text nicht allzu ansehnlich gestaltet. Der Syntax ist oft sehr verschachtelt und meist sehr lang, was man als hypotaxisch ansehen kann. Dieser Fakt erschwert für den Leser das Verständnis und lässt auf eine möglichst präzise gewollte Formulierung schließen, ist aber auch auf das Alter des Textes zurückzuführen. In dem Gesetzesbrief ist eine konstante Präzision zu finden, was auf die Wichtigkeit des Schreibens für die Kommission hindeutet. Man kann kaum Schlüssel- oder Reizwörter herausfinden, woraus man interpretieren kann, dass für die Autoren des Textes die gesamte Sachlage und nicht einzelne Aspekte der Situation in Amerika wichtig waren. Rhetorische Mittel sind in keinem Abschnitt zu finden, es dominiert eine sehr sachliche und nüchterne Schreibweise. Die Forderungen, die die Kommission um Karl V. den Siedlern und Konquistadoren Amerikas stellt stehen alle in einem humanistisch gesehen sehr vorbildlichen Rahmen und zeugen von vorausgeschrittener Sozialität. Karl V. war einer der ersten, der im neu entdeckten Kontinent die Sklaverei und deren Hintergründe aufs schärfste verurteilte, kritisierte und abschaffte. Die Forderungen halten sich auch alle in einem annehmbaren Rahmen, der politisch, historisch und moralisch einwandfrei vertretbar ist. Im Interesse der Autoren stehen ganz offensichtlich die Abschaffung der Sklaverei und Leibeigenschaft und humanere Arbeitsbedingungen der Ureinwohner. Außerdem streben die Autoren mehr Gesetzestreue der Konquistadoren durch härtere Sanktionen bei Gesetzesbruch an. Die komplette Darstellung der Problematik ist widerspruchsfrei und klar durchschaubar, was das Textverständnis ungemein erleichtert. Es sind keine unnötigen Vertiefungen in unwichtige Fakten oder Angaben zu finden. Die Quelle hat einen sehr wichtigen Stellenwert im Zusammenhang der Problematik. Dieses Schriftstück ist der Anlass dafür, dass im neu entdeckten Amerika um 1542 die Sklaverei verboten und scharf kritisiert wurde. Dieses historische Ereignis ist insofern sehr bedeutsam, da dies das erste Mal in der Geschichte Amerikas war, dass Sklaven verteidigt und wieder freigelassen wurden. Jedoch scheinen die Gesetze im Vergleich zu anderen Quellen bezüglich der Sklaverei in Amerika nicht hartnäckig genug durchgesetzt wurden. Aus anderen Quellen erfährt man, dass im ganzen Amerika die Sklaverei durchgehend bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts alltäglich war. Und selbst nach intensiver Recherche im Internet wird man auch nicht nur im Geringsten über die Auswirkungen und Folgen des Gesetzbeschlusses fündig. Daraus kann man schließen, dass die Konquistadoren ihrem Herrscher nicht Folge leisteten und der Sklaverei nicht den Rücken zukehrten. Fraglich bleibt auch, ob der Gesetzesentwurf überhaupt Folgen auf den Alltag in den Kolonien und auf den Farmen dort hatte. Man kann, wenn man sich in das damalige Zeitalter versetzt, auf den ersten Blick kaum den Gesetzesbeschluss von Karl V. nachvollziehen. Das Oberhaupt des damaligen „Heiligen Römischen Reichs“ konnte kaum aus diesem Gesetzesentwurf Vorteile erzielen. Wären diese Gesetze befolgt worden, hätte dies einen enormen wirtschaftlichen Nachteil bedeutet. Jedoch wäre das Land durch solch sozialengagierte Veränderungen weitaus weniger Anfällig für Aufstände, politische Infragestellungen und Revolutionen. Hinzu kommt, dass die herausstechenden humanitär sozialen Unterschiede von den Spanischen Kolonien zu den umliegenden Kolonien mit großer Sicherheit zu schwerwiegenden Unruhen auf Seiten der benachbarten Konquistadoren geführt hätten. Als Zielsetzung könnte eine Zuwanderungswelle der Ureinwohner aus den anderen Kolonien angestrebt worden sein. Dies hätte zu einer militärischen, politischen sowie zu einer wirtschaftlichen Machtzunahme seitens der Spanier geführt. Dadurch wäre die Vormachtstellung der Spanier in den südamerikanischen Gebieten immens ausgebaut worden. Zusätzlich hätte dies eine starke Schwächung der umliegenden Kolonien zur Folge, was automatisch für sie einen Machtabfall durch den Verlust von Sklaven bedeutet hätte. Genauer gesagt, wäre der Verlust durch Aufstände bzw. die Freiheitsforderungen der Sklaven oder Auswanderungen zu verzeichnen gewesen. Abgesehen von den machtbezogenen Vorteilen von Karl V. hätte die Durchsetzung der Gesetze für ihn eine Steigerung seines Ruhmes und des Images von Spanien beinhaltet. Ein weiterer Beweggrund für die Reformationsversuche von Karl V. könnte die Angst vor sklavenbasierenden Revolten und Unabhängigkeitsbewegungen gewesen sein, die er durch ein Entgegenkommen vom Keim an ersticken wollte. Quellen:

  • Buchners Kompendium Geschichte, Seite 95

Vergleichsquellen:

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_in_den_Vereinigten_Staaten
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg

Eingeschickt von User “Minor” – Vielen Dank!

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