Seminararbeit – Der Vietnamkrieg

Der Vietnamkrieg entwickelte sich zu einer der wichtigsten Auseinandersetzungen mit internationaler Beteiligung. Man konnte die mitwirkenden Länder in zwei Parteien aufteilen: die West-Länder und die Ost-Länder (West-Ost-Konflikt). Es war ein Krieg zwischen Kommunisten und Kapitalisten.

Diese Arbeit gibt einen umfassenden Einblick in den Verlauf, in die Unnötigkeit und in die politische Verstrickung dieses Krieges.

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines
  2. Vorgeschichte
  3. Die erste/„französische“ Phase des Krieges (1946-1954)
  4. Die zweite/„amerikanische“ Phase
    1. Tonking-Zwischenfall/„Amerikanisierung des Krieges“
    2. Tet-Offensive
    3. „Vietnamisierung“ des Krieges (1969-1971)
  5. Die dritte/„vietnamesische“ Phase: Der Bürgerkrieg
  6. Auswirkungen/Folgen des jahrzehntelangen Krieges
  7. Quellen

Allgemeines

Vietnam ist ein Land in Südostasien, das an China, Laos, Kambodscha und an das südchinesische Meer grenzt. Die Fläche Vietnams ist kleiner als die Deutschlands und zieht sich schmal an der Ostküste der indochinesischen Halbinsel entlang. Man unterscheidet 5 Regionen: die nördliche Gebirgslandschaft, das Delta des Roten Flusses, der Anamitische Gebirgszug, der Küstenstreifen und das Mekongdelta. Im Norden ist das Klima subtropisch mit heißen Sommern und milden Wintern und im Süden tropische. Die wichtigsten Städte sind Hanoi im Norden und Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) im Süden.

In Vietnam herrschte von 1946 bis 1975 Krieg. Es ging um die Unabhängigkeit und um die Vorherrschaft im Land, sowie um die Einheit von Nord- und Südvietnam. Man kann den Vietnamkrieg in drei Phasen gliedern: In die „französische“, „amerikanische“ und „vietnamesiche“ Phase. Diese Phasen unterscheiden sich an den Beteiligten.

Der „französische“ Krieg wird oft als eigenständiger Krieg unter dem Namen Indochinakrieg gesehen.

Der Vietnamkrieg entwickelte sich zu einer der wichtigsten Auseinandersetzungen mit internationaler Beteiligung. Man konnte die Mitwirkenden Länder in zwei Parteien aufteilen: die West-Länder und die Ost-Länder. (nach Lage;West-Ost-Konflikt) Es war ein Krieg zwischen Kommunisten und Kapitalisten.

Er rief aufgrund der scheinbaren Ungleichheit der Gegner, der Unmenschlichkeit und der Frage über die Notwendigkeit heftige Protestbewegungen hervor.

Vorgeschichte

Frankreich hatte früher ein großes Kolonialreich. Mitte des 19. Jh. begann Frankreich in Vietnam ein Kolonialregime aufzubauen. 1884 zwangen sie die Regierung in einem Protektoratsvertrage die Souveränität Vietnams an Frankreich abzugeben. 1885 gab das kaiserliche China, das auch Ansprüche auf Vietnam hatte, seinen Widerstand auf und unterzeichnete im Vertrag von Tientsin, dass die Franzosen die Oberherrschaft über Indochina haben. Die Franzosen schufen 1887 die „Union Indochinoise“, zu welcher die Provinzen Cochinchina im Süden Vietnams, Annam in Mittelvietnam und Tonkin im Norden gehörten. Außerdem kam im selben Jahr Kambodscha und 1893 Laos dazu. Ihr Kolonialregime war darauf aufgerichtet die Länder wirtschaftlich auszubeuten und die Bedürfnisse der Bevölkerung zu ignorieren. Es ging ihnen um die politische Macht und um die Rohstoffe, von denen sie profitieren konnten.

Frankreich bestand auf eine direkte französische Herrschaft und setze einen Generalgouverneur an die Spitze Indochinas. 1925 regierten genauso viele Franzosen über Vietnam wie Briten über Indien, das aber eine 10mal größere Bevölkerung hatte. Sie führten den französische Rechtscode, ihr Schulsystem und westliche Schriftzeichen ein. Vietnam wurde unter den Franzosen ein Exportland. Sie exportierten in großen Mengen Reis, Kautschuk und Kohle (1939 der drittgrößte Reisexporteur der Welt). Die Arbeitsbedingungen für die Vietnamesen waren sehr schlimm, es kamen auf den Plantagen und in den Bergwerken viele Menschen ums Leben. Sie wurden nur als billige Arbeitskräfte angesehen.

Es wurden Häfen, ein Eisenbahn- und ein Straßennetz aufgebaut, um die Arbeiter und sie Rohstoffe leichter und unbeschwerter zu transportieren. Aufgrund ihrer rücksichtslosen und ausbeuterischen Kolonialpolitik kam es in Vietnam öfters zu Aufständen, die von den Franzosen grausam niedergeschlagen wurden.

1930 tauchte ein Mann namens Ho Chi Minh auf der Bildfläche auf, der in Hongkong die „Kommunistische Partei Indochinas“ (KPI) gründete. Sein einzigstes Ziel war die Unabhängigkeit Vietnams. Ho Chi Minh, der den ursprünglichen Namen Nguyen Sinh Cung hatte und später Nguyen Ai Quoc („Nguyen, der das Vaterland liebt“) hieß, wurde am 19. Mai 1890 in Mittelvietnam geboren. Er besuchte unter anderen das Gymnasium Lycée Quoc Hoc in Hue. 1911, mit 21. Jahren, arbeitete er als Schiffsjunge auf einem französischen Schiff und kam so nach Europa. Er hielt sich in den USA, in London und in Paris auf. In Paris entwickelte er sich zum Kommunisten und war 1920 ein Gründungsmitglied der „Kommunistischen Partei Frankreichs“. Er nahm den Kampf für die Unabhängigkeit seines Heimatlandes auf. In der Zeitung „Le Paria“ publizierte er die Existenz der französischen und britischen Kolonialherrschaft. 1924-1925 hielt sich Ho Chi Minh in Moskau auf, wo er an der Universität der Werktätigen und Komintern-Funktionär für Soziale Fragen studierte. (politische Theorien studierte). 1925-1927 lebte er in China. Dort gründete er den Bund der revolutionären Jugend Vietnams, der sich „Thanh Nien“ nannte. Über Moskau, Brüssel und Paris kam er 1930 nach Siam in Thailand. 1930 gründete er dann die KPI in Hongkong.

Aufgrund eines Aufstandes in Vietnam gegen die Kolonialherrschaft, wurde Ho Chi Minh von der Regierung während seiner Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er musste eine Gefängnisstrafe in Hongkong absitzen (Erkrankte an Tuberkulose) und ging danach in den Jahren 1934-1938 erneut in Moskau studieren.

Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbricht, fühlt sich die französische Kolonialherrschaft in Vietnam von Frankreich abgeschnürt und ergaben sich den japanischen Truppen (, die mit Deutschland verbündet waren und an Vietnam sehr interessiert waren,) ohne Widerstand. Man konnte nicht von einer wirklichen Besatzung sprechen, da sie nur wenige Soldaten an wenigen Orten konzentriert hatten und die französische Kolonialherrschaft mit den Japanern zusammenarbeitete, also ihre Machtposition immer noch (, wenn auch nur äußerlich,) wahrten. (Verwaltung) Vietnam wurde nun von zwei Ländern schamlos ausgebeutet und geplündert. Es starben 1945 mehr als 2 Millionen Menschen an Hunger.

Ho Chi Minh konnte 1941 (nach einem Aufenthalt in China) nach 30 Jahren Exil nach Vietnam zurückkehren. Er gründete die „Front für den Kampf um die Unabhängigkeit Vietnams“. Auf Vietnamesisch hieß diese Organisation „Viet-Nam Doc-Lap-Dong-Minh-Hoi“. Es entstand als Abkürzung „Vietminh“. Sie wurden von General Vo Nguyen Giap angeführt. Am 22. Dezember 1944 stellt  Giap eine Propagandabrigade auf, die Anhänger für ihre Sache werben sollten. Die Japaner stockten ihre Besatzungsarmee auf, als die USA in den Philippinen landete. Frankreichs Regierung unterstützte die Kolonialregierung in ihrer Entscheidung sich unterzuordnen, um Provokationen zu vermeiden. Frankreich bereitete jedoch vor, die Kolonie wieder unter ihre Herrschaft zu stellen. Als Japan dies mitbekommen hatte, fielen sie in Vietnam ein und entwaffneten die französischen Kolonialtruppen. Bao Dai wurde zum Marionettenkaiser eines japanischen Vietnams gewählt. Die Vietminh und die USA hatten in den letzten Monaten ein Bündnis geschlossen. Die Vietminh  gaben ihnen wichtige Informationen über Japaner, im Gegenzug bekamen sie Waffen und eine militärische Ausbildung. Sie bereiteten sich im Norden auf einen Aufstand vor.

Nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki von den USA kapitulierte Japan am 15. August 1945 und auf der Konferenz in Potsdam wurde beschlossen, dass China nördlich des 16. Breitengrades und England südlich davon die Entwaffnung der Japaner kontrollieren sollten. Ho Chi Minh sah die Gelegenheit zum Aufstand und formierte seine Truppen zum „Nationalen Befreiungskomitee“ mit ihm als Präsident. Es folgte die Augustrevolution. Die Vietminh übernahmen am 19. August Hanoi und 5 Tage später Saigon. Am 30. August dankte der Kaiser Bao Dai ab und übergab den Vietminh das kaiserliche Siegel und das Schwert der letzten vietnamesischen Herrscher-Dynastie. Ho ernennt ihn zum “obersten Berater“. Am 2. September rief Ho die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) in Hanoi aus. Giap richtete an den französischen Staatschef de Gaulle: „Falls Frankreich das Land wieder in Besitz nehmen will, dann wird jedes Dorf zum Widerstandsnest, das Land wird nicht gehorchen.“

Die erste/„französische“ Phase des Krieges (1946-1954)

Frankreich wollte seine Kolonien in Südostasien nicht aufgeben und wollte seine Kolonialherrschaft wiederherstellen. Sie begründeten dies damit, dass sie die wirtschaftliche Stärke der Kolonien brauchen, um ihr Land nach dem 2.Weltkrieg wieder aufzubauen. Sie rekrutierten rasch eine französische Kolonialarmee, die zur Hälfte aus ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen bestand.

Am 21. September 1945 rief der britische General Douglas Gracey, der für die Entwaffnung der Japaner im Süden Vietnams zuständig war, das Kriegsrecht aus. Am nächsten Tag griffen  französische Fallschirmjäger die Vietminh in Saigon an und vertrieben sie. Daraufhin riefen die Vietminh am 24. September 1945 den Generalstreik aus. Sie griffen den Flughafen und die Stadthalle an, wo sie fast 300 Franzosen massakrierten oder verstümmelten. Dieses Ereignis kann man als Beginn des Indochinakriegs sehen. Es brachen blutige Kämpfe aus, die die britischen Soldaten kaum unter Kontrolle halten konnten. Im Foreign Office in London hieß es: „Es geht darum, französische Truppen so schnell wie möglich nach Südvietnam zu bringen und ihnen die Sachen zu übergeben und anschließend unsere Truppen so schnell wie möglich abzuziehen.“

Französische Truppen wurden mit britischen Schiffen nach Vietnam transportiert und lösten die britischen Soldaten ab. Der französische Staatschef de Gaulle setzte Admiral George Thierry d’Argenlieu als Hochkommissar in Vietnam ein, damit er die französische Souveränität wiederherstellte. Die einmaschierten Truppen Frankreichs konnten unter General Jaques-Philipp Leclerc die Vietminh in Saigon niederschlagen und 5 Monate später die Kontrolle über den Süden wiedererlangen.

Im Norden Vietnams war die Hungersnot überstanden/beseitigt, jedoch gab es ein neues Problem: Etwa 20 000 hungrige Chinesen Tschiang Kai-schecks waren über den Norden hergefallen. Im Februar 1946 einigte sich de Gaulle und Tschiang Kai-scheck, dass sie sich aus dem Norden zurückziehen und im Gegenzug die Aufhebung von französischen Konzessionen in chinesischen Häfen bekommen. Denn französische Truppen würden bald in Haiphong im Norden Vietnams landen.

Als Ho Chi Minh dies mitbekommen hatte, schrieb er seinen zweiten Brief an die amerikanische Regierung unter Truman und bat sie nochmals um Hilfe bei dem Kampf um die Unabhängigkeit Vietnams. (Sie hatten auch gegen die Japaner gekämpft, nicht die Franzosen) Dieser Brief wurde wie der erste und wie die Briefe die noch folgen werden, nicht beantwortet.

Am 6. März 1946 stimmt Ho Chi Minh einem Kompromiss mit den Franzosen zu. Frankreich würde Vietnam als „freien Staat“ innerhalb der Französischen Union anerkennen. ( mit eigener Regierung, Armee, Parlament und Finanzen) Es dürften 25 000 Soldaten unter französischem Befehl im Norden stationiert werden, von denen jedes Jahr 3000 abgezogen werden sollten.

Die Franzosen dachten aber niemals ernsthaft daran, diesem Abkommen zuzustimmen und hielten Ho hin. Am 2. Juni 1946 rief George Thierry d’Argenlieu die Republik Cochina aus, was ein öffentlicher Bruch ihres Abkommens bedeutete.

Im November 1946 landeten die Franzosen in Haiphong und forderten den Abzug der Vietminh-Truppen aus der Stadt. Als sie ihrer Forderung nicht nachkamen, bombardierten die Franzosen Haiphong. Es gab mindestens 6 000 Tote und 25 000 Verwundete, die meist aus der Zivilbevölkerung stammten. Die Franzosen konnten die Vietminh bis nach Hanoi zurückschlagen. In den folgenden Jahren zogen sich die Vietminh aus den Städten zurück. Am 8. März 1949 unterschrieb der ehemalige vietnamesische Kaiser Boa Dai, der in Hongkong lebte, das Abkommen von Elysée. Frankreich akzeptierte darin die Unabhängigkeit Vietnams innerhalb der Französischen Union, aber sie hatten die Kontrolle über die Finanzen, das Militär und die Außenpolitik. Bao Dai wurde Staatschef der „Republik Vietnam“. Als 1949 die Kommunisten den chinesischen Bürgerkrieg gewannen, erhielten die Vietminh militärische und politische Unterstützung und konnten sich wieder aufrichten.

Die USA hat befürchtet, dass der Kommunismus über ganz Asien schwappen würde und kam der Bitte Frankreichs um Hilfe nach, um die Ausbreitung zu verhindern. Der Krieg veränderte sich von einem „schmutzigen Krieg“ Frankreichs zu einem „Kreuzzug gegen den Kommunismus“. (West- gegen Ost-Länder) Die USA unterstützte die Franzosen finanziell und logistisch, wollten aber nicht mit einer militärischen Offensive eingreifen. (Frankreich erhielt drei Milliarden Dollar, etwa 82% der gesamten Ausgaben für den Krieg.)

Die Franzosen waren den Vietminh aber trotz modernerer Ausstattung unterlegen. Die französischen Truppen bekämpften einen unsichtbaren Feind. Die Vietminh griffen an und zogen sich dann wieder unsichtbar in den Dschungel zurück oder versteckten sich bei Verbündeten in der Bevölkerung.

Am 7. Mai 1954 erhielten die Franzosen in der Schlacht bei Dien Bien Pu im Norden Vietnams die entscheidende Niederlage und waren zur Kapitulation gezwungen, da die Amerikaner sie nicht mit Bodentruppen unterstützen wollten.

Am 21. Juli 1954 wurde auf der Genfer Indochinakonferenz ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Frankreich und der Vietminh unterzeichnet. Der 17. Breitengrad wurde als Grenze bestimmt. Die Vietminh zogen sich in den Norden, die Franzosen und ihre Verbündeten in den Süden zurück. Diese Situation galt als provisorisch, da es nach spätestens zwei Jahren gesamtvietnamesische Wahlen mit dem Ziel der Wiedervereinigung geben sollte. (und über das weitere Vorgehen entschieden werden sollte) Die Vietminh und Frankreich waren auf ein schnelles Ende des Krieges aus. Der Norden Vietnams wurde von der Sowjetunion, von China und von den Ostblockstaaten (alle kommunistisch) unterstützt. Die USA verstärkte mit Zustimmung des Westens ihr Mitwirken in Südvietnam, um ein übergreifen des Kommunismus zu verhindern.

Es starben während dieses Krieges 74 000 Soldaten von Frankreich und deren Verbündeten und auf vietnamesischer Seite kostete es sogar dreimal so vielen Menschen das Leben.

Die zweite/„amerikanische“ Phase

Die Amerikaner wurden 1955 die neue Schutzmacht in Südvietnam. Ngo Dienh Diem, der im Juni 1954 von Kaiser Bao zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, wurde Helfer der Amerikaner. Er war ein Katholik, ein Antikommunist und hatte auch nicht viel  für die Franzosen übrig. Im Herbst 1955 ließ er ein Referendum durchführen, bei dem er mit einer Mehrheit von 98,2% gewann. (Es hatte aber mehr Stimmen als Wähler gegeben)

Am 26. Oktober 1955 rief Diem die Republik Vietnam mit ihm als Präsidenten aus. Er erhielt von den Amerikanern, die den Kaiser Bao Dai sofort fallen ließen, Unterstützung. Unter Ngo Dienh Diems Regime wurde eine starke Armee aufgebaut, die durch amerikanische Militärberater unterstützt wurde. Frankreich musste nach seinem Machtantritt seine Truppen abziehen. Es folgte eine gigantische Völkerwanderung. 100 000 Kämpfer der Vietminh zogen mit ihren Familien nach Nordvietnam und rund 1 Millionen Katholiken in den Süden, der ihnen durch gezielte Gerüchtekampagnen (z.B. Pseudoerscheinungen der Jungfrau Maria, …) von den Amerikanern schmackhaft gemacht worden war.

Die USA rechtfertigte ihr Engagement in Vietnam hauptsächlich mit zwei Theorien. Die erste war die Truman-Doktrin, die ein außenpolitisches Programm von Präsident Harry S. Truman war. Er hatte sie am 12. März 1947 in einer Kongressrede vorgestellt. Sie besagt, dass „alle Völker, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist“, unterstützt werden.3 (Er meinte zu diesem Zeitpunkt mit seiner Doktrin vor allem Griechenland und die Türkei) Die zweite war die Dominotheorie. Präsident Eisenhower veröffentlichte sie 1954 in einer Pressekonferenz. Die Theorie ist vom Dominospiel abgeleitet. Fällt ein Stein, so fallen auch die nachfolgenden bzw. umliegenden Steine. Es besteht also die Gefahr, dass der Kommunismus auf benachbarte Länder übergreift (vor allem von China nach Indochina) und dies gilt zu verhindern.

Die im Genfer Waffenstillstandsabkommen vorgesehenen Wahlen mit dem Ziel der Wiedervereinigung von 1956 scheiterten wegen Diems Widerstand. Er behauptete, dass man im kommunistischen Norden keine Meinungsfreiheit erwarten kann und man mit Wahlfälschungen rechnen muss. (Er hatte nämlich keine Chancen auf einen Wahlsieg.) 1957 begann der südvietnamesische Vietcong (= Vietnam Communists, südvietnamesische Kommunisten) sich gegen Diem und die Amerikaner aufzulehnen. Sie bekamen Unterstützung aus dem Norden. Über den Ho-Chi-Minh-Pfad war der Nachschub von „Mensch und Material“ gewährleistet. Der Ho-Chi-Minh-Pfad ist ein Straßennetz das von Nordvietnam nach Südvietnam durch Ost-Laos führt. Er diente dazu den Vietcong aus Norden Material und Unterstützung zukommen zu lassen. Es wurden jeden Monat über 10 000 Tonnen Material und 8 000 Soldaten über diesen Weg nach Süden gebracht.

1960 gründeten sie die „Front National de Libération du Viet-Nam Sud, FNL“, das „eine von Nordvietnam abhängige politische Organisation war“ 1961 wurde John F. Kennedy Präsident der USA. Kennedy wollte nicht länger zuschauen, wie der Vietcong immer mehr Macht bekam und schloss im April 1961 mit Diem einen Freundschafts- und Wirtschaftsvertrag. Der Vietcong etablierte sich aber immer mehr (große Teile ländlicher Gebiete unter ihrer Kontrolle) und baute sich eine eigene Verwaltung auf. Kennedy stockte die Anzahl der stationierten Soldaten 1962 auf 11 200 und ein Jahr später auf 16 200 Mann auf. Es kam zu Widerstand in der buddhistischen Bevölkerung. Immer mehr fingen an, sich aus Protest auf öffentlichen Straßen zu verbrennen. Diems Schwägerin bezeichnete dies als „Barbecue“, was auf amerikanischer Seite Entsetzen auslöste. November 1963 wurde Diem von der südvietnamesischen Armee nach einem Putsch  hingerichtet.

Im Sommer 1971 erfuhr man, als die geheimen „Pentagon Papers“ veröffentlicht wurden, dass die Amerikaner von dem Putsch gewusst bzw. ihn sogar unterstützt haben und die Zusammenarbeit mit der nachfolgenden Regierung schon aufgenommen hatten. John F. Kennedy wurde drei Wochen nach diesem Putsch in Dallas erschossen. Sein Nachfolger wurde der Texaner Lyndon B. Johnson, mit dem die „Amerikanisierung des Krieges“ begann. In Südvietnam folgten weitere Militärputsche und innerhalb von 18 Monaten wechselte die Regierung 10 Mal. Die Regierungen waren korrupt und taten meist andere Dinge anstatt zu regieren. Die USA drängte auf eine stabile Regierung in Südvietnam, denn wie der US-Botschafter Maxwell Taylor betonte: „Es hängt alles von der Stabilität der Regierung ab. (…) Wir können euch nicht ewig stützen, wenn ihr so weitermacht wie bisher.“

1965 übernahm Nguyen Van Thieu, der 1967 Staatspräsident von Südvietnam wurde, die Regierung.

Tonking-Zwischenfall / „Amerikanisierung des Krieges“

Der „richtige“ Krieg der Amerikaner begann in Folge des „Tonking-Zwischenfalls“, der als Vorwand für eine militärische Offensive genutzt wurde. Am 2. und 4. August 1964 griffen nordvietnamesische Torpedoboote zwei amerikanische Zerstörer im Golf von Tonking an. Johnson bekam am 7. August 1964 vom amerikanischen Kongress die Erlaubnis/Generalvollmacht zur Kriegsführung gegen Nordvietnam. Anfang März 1964 sagte der Nationale Sicherheitsrat der USA schon: „Ein Sieg der Kommunisten würde dem Ansehen der USA in der ganzen Welt Schaden zufügen. Der Konflikt ist ein Testfall dafür, wie die USA mit einem kommunistischen »Befreiungskrieg« umgehen werden. Die gesamte US-Außenpolitik ist betroffen.“6 Man kann also sagen, dass die Regierung unter Johnson nur auf einen Anlass für einen militärischen Zug gewartet hat. Zumal später bekannt wurde, dass dem Angriff im Golf von Tonking eine Geheimoperation der USA gegen Nordvietnam vorausging.

Die USA startete am 2. März 1965 die Operation „Rolling Thunder“. Sie beinhaltete einen systematischen Bombenangriff auf militärische und wirtschaftliche Ziele sowie auf den Ho-Chi-Minh-Pfad, über den die Vietcong Hilfe aus dem Norden bezogen. Ein amerikanischer General sagte, dass sie „die Kommunisten in die Steinzeit zurückbomben wollen“.7 Diese Mission ging bis zum 31. Oktober 1968. Das Ziel, Nordvietnam zu Verhandlungen und zur Einwilligung der amerikanischen Forderung eines antikommunistischen Staats südlich des 17. Breitengrads zu zwingen, gelang ihnen jedoch nicht. Es kamen über 50 000 Bewohner Nordvietnams ums Leben und es wurden wichtige Einrichtungen zerstört. (Öllager, Raffinerien, 1/3 aller Kraftwerke und die Hälfte aller Brücken).

Während der gesamten Operation wurden mehr Bomben als im 2. Weltkrieg im Pazifik oder im Koreakrieg abgeworfen.

Die Amerikaner benutzten außerdem ein Entlaubungsmittel namens „Agent Orange“. Es wurde im gesamten Krieg mehr als 72 Millionen Liter über Wälder, Reisfelder und Dörfer in Nordvietnam versprüht. Das Ziel war, den Feind aus der Luft besser erkennen zu können, wenn der Dschungel entlaubt ist. Agent Orange enthielt eines der gefährlichsten Umweltgifte, das Dioxin. Heutzutage leiden noch über 1 Millionen Vietnamesen unter den Spätfolgen dieses Giftes. Die Menschen haben Missbildungen, Krebs oder eine Schwächung des Immunsystems. Es wurden viele Wälder zerstört und die Anzahl einiger Tierarten ist stark zurückgegangen.

Die Strategie der USA in Vietnam war „search an destroy“ (suche und vernichte)8. Sie versuchten die Vietcong aus der Luft mit Hubschraubern ausfindig zu machen und sie so weitgehend vernichten zu können. Die Amerikaner brannten gesamte Dörfer ab, wenn sie Mitglieder der Vietcong dort vermuteten. Die Guerillas versteckten sich jedoch in einem unterirdischen Tunnelsystem im Mekongdelta, welches die Amerikaner im gesamten Krieg nicht ausfindig machen und zerstören konnten. Der Vietcong kämpfte weiterhin im sogenannten Guerillasystem. Sie griffen ihr Gegner aus einem Hinterhalt an und verschwanden wieder in den Dschungel. Außerdem bauten sie tödliche Fallen auf, in die die Soldaten ahnungslos hineintappten. Die Amerikaner kämpften wie auch schon die Franzosen gegen einen weitgehend unsichtbaren Feind, den sie während des ganzen Krieges zu lokalisieren versuchten.

Die größte Basis der Amerikaner war Da Nang, wo Angriffe der Vietcong zu erwarten war. Der amerikanische General Westmoreland bestand auf Marineinfanteristen, um den Schutz der Basis gewährleisten zu können. Taylor warnte jedoch vor dem Einsatz von Bodentruppen, da die USA ihre bisherige Politik „kein Einsatz von Bodentruppen“ brechen würde und die südvietnamesische Regierung die Bereitschaft der USA dafür verwenden würde, andere Aufgaben ihrer Truppen auf die amerikanischen Soldaten abzuwälzen. Taylor sagte weiter: „Ein weißer Soldat, so wie er bewaffnet, ausgerüstet und trainiert ist, ist kein geeigneter Guerillakämpfer für asiatische Wälder und Dschungel. Die Franzosen haben es versucht und sind gescheitert. Ich bezweifle, dass amerikanische Truppen es viel besser machen können. […] Und schließlich wäre da noch die immer präsente Frage, wie ein fremder Soldat zwischen einem Vietcong und einem freundlich gesinnten vietnamesischen Bauern unterscheiden kann.“ Es wurde von weiteren Seiten gewarnt, dass wenn man einmal mit der Stationierung von Bodentruppen begonnnen hatte, immer mehr Soldaten folgen werden. Alle Warnungen wurden jedoch ignoriert und die „besten und klügsten“ Köpfe („the best an brightest“) in Washington10 entschieden sich dafür. Am 8. März 1965 betraten 3500 Marines mit Panzern, Granatenwerfern und gehissten amerikanischen Flagge Vietnam. In Hanoi wurde dies als offene Kriegserklärung verstanden.

Präsident Johnson sagte über die USA, dass sie entschlossen seien diesen Krieg zu führen, aber gleichzeitig „Gespräche ohne Vorbedingungen“ nicht ablehnen und Entwicklungshilfe (1 Mrd. Dollar) in Südostasien leisten werden. (determination, discussion, development) Hanoi forderte jedoch erst den Abzug der amerikanischen Soldaten, bevor es zu Gesprächen kommen könne. Die amerikanischen Truppen wurden bis Ende 1965 auf 185 000 und bis Ende 1968 auf 543 000 Mann verstärkt. Sie wurden militärisch von den SEATO-Verbündeten, vor allem von Australien, Neuseeland und Südkorea, unterstützt.

Die SEATO (engl.: South East Asia Treaty Organization) war eine Internationale Organisation, die nach dem Genfer Waffenstillstandsabkommen am 8. September 1954 in Manila gegründet wurde. Sie stellte die „asiatische Version“ der NATO dar. Ihre Aufgabe war, die Ausbreitung des Kommunismus in Südostasien einzudämmen. (hauptsächlich in Laos, Südvietnam und Kambodscha). Die Mitglieder der SEATO waren die USA, Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Pakistan, Philippinen und Thailand. Sie verpflichteten sich aber mit der Mitgliedschaft in diesem Bund nicht dazu, den anderen Ländern bei einer Bedrohung militärisch zur Seite zu stehen. Nachdem der Krieg zwischen den USA und Nordvietnam beendet war, löste sich am 30. Juni 1977 die SEATO auf.

Die Strategie der amerikanischen Soldaten unter General Westmoreland war „search, destroy, count the bodies, move on“ (Aufspüren, Vernichten, die Toten zählen,  weiter)12 Man hoffte, dass Nordvietnam auf Grund dieses Vorgehens früher oder später aufgeben würde.

Die Lage der USA und ihrer Verbündeten wurde jedoch von Tag zu Tag schlechter. Sie schafften es nicht, den Krieg zu ihren Gunsten zu beenden/entscheiden. Die südvietnamesische Regierung stand auch nicht besser dar. Sie hatte nur die Kontrolle über 25% der Bevölkerung. Die Amerikaner versuchten mit einigen Aktionen, die Bevölkerung dazu zu bewegen, die südvietnamesische Regierung zu unterstützen, aber es gelang ihnen nicht. Johnsons entschied sich zu bleiben, auch wenn sie keine richtige Unterstützung von Südvietnam bekommen. Während des Krieges ging es mit ganz Vietnam bergab. Früher war es das drittgrößte Exportland für Reis und nun mussten 1967 759 000 Tonnen importiert werden. Nordvietnam brauchte Militär- und Wirtschaftshilfe aus China und der Sowjetunion, um überleben zu können.

In den Jahren 1965/66 versuchten die USA schon, mit Nordvietnam Verhandlungen zu führen, doch sie lehnten strickt ab. Im Januar 1967 gab es ein Treffen zwischen Präsident Johnson und dem sowjetischen Ministerpräsidenten Aleksej N. Kassygin. Die USA hoffte, dass er es schaffen würde, Nordvietnam zu Gesprächen zu bewegen. Im November 1967 wurden Zahlen über die amerikanischen Verluste veröffentlicht. Seit Ausbruch des Krieges sind 15.058 Tote und 109.527 Verletzte gezählt worden.

Die Tet-Offensive

Im Januar 1968 starteten die nordvietnamesischen Truppen und die Vietcong unter dem General Vo Nguyen Giap eine überraschende Offensive gegen Südvietnam. Diese wurde später unter dem Namen Tet-Offensive bekannt. Sie wurde nach dem Monat Tet im vietnamesischen Kalender genannt. Die Amerikaner wurden vom Feind überrascht, da in Nordvietnam eigentlich das Tetfest gefeiert wurde und zu dieser Zeit mit keinen Angriffen gerechnet wurde. Die nordvietnamesischen Truppen und die Vietcong konnten mit gut bewaffneten Stosstrupps zahlreiche Städte in Südvietnam erobern. Die Amerikaner und die südvietnamesischen Truppen eroberten mit großem Aufwand und Brutalität jedes Dorf wieder zurück. Die Tet-Offensive war militärisch nicht erfolgreich, aber sie zeigte die mögliche Schlagkraft Nordvietnams. Durch diese Offensive wurde die weltweite Kritik am Vietnamkrieg noch weiter verstärkt. Die Kritik richtete sich auch gegen die amerikanische Kriegsführung, vor allem gegen die Entlaubung mit Agent Orange, an der die Zivilbevölkerung leiden musste, und den Übergriffen der amerikanischen Truppen auf die Bevölkerung.

Als bekanntestes Beispiel gilt das Massaker von My Lai. Nach der Tet-Offensive überfielen amerikanische Soldaten am 16. März 1968 das südvietnamesische Dorf My Lai. Sie töteten während dieser Operation 507 Menschen. Offiziell war diese eine „search and destroy“-Aktion, aber es ging als Massaker in die Geschichte ein. Die Amerikaner vermuteten, dass das Dorf den Vietcong Hilfe leistet und töteten dort alle, egal ob Zivilist oder Gegner. Am Ende brannten sie das gesamte Dorf ab. Es wurden 173 Kinder, 76 Kleinkinder, 182 Frauen und 60 Männer über sechzig Jahren14 von den Soldaten ermordet. Das Vorgehen der amerikanischen Soldaten war äußerst brutal und unmenschlich und es wurde auch mehr als scharfe Kritik daran geäußert. Die Aktion wurde jedoch anfangs von Washington als erfolgreich angesehen.

Langsam wurde die Kritik am Vietnamkrieg auch im eigenen Land stärker. Es schlossen sich immer mehr Menschen den Friedensbewegungen an. Während der Tet-Offensive sind sehr viele amerikanische Soldaten ums Leben gekommen und die unmenschlichen Kriegsverbrechen gegenüber den Zivilisten wurden auch nicht gebilligt. Im Frühjahr 1968 verbreitete sich die Meinung in den USA, dass der Krieg nicht zu gewinnen sei. Die Verhandlungsbereitschaft der US-Regierung war enorm gestiegen und am 31. März 1968 wurden die Luftangriffe gestoppt, was die Bedingung für die Aufnahme von Gesprächen zwischen Nordvietnam und den USA war.

Johnson verkündete, dass er nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren wird. Sein Nachfolger war Richard M. Nixon. Er hatte die Wahl mit dem Versprechen, den Krieg in Nordvietnam zu beenden, gewonnen. Nixon hatte seine eigene Strategie, die „mad-man“-Theorie. Die Nordvietnamesen sollten glauben, dass die USA zu allem fähig sei. Aus diesem Grund würde Ho Chi Minh sich an den Friedensgesprächen beteiligen. Am 13. Mai 1968 nahmen die USA und Nordvietnam Waffenstillstands- / Friedensgespräche in Paris auf. 1969 setzten sich auch Südvietnam und die Vietcong mit an den Verhandlungstisch.

„Vietnamisierung“ des Krieges

Im Juni 1969 stellte Nixon seine neue Doktrin zum Beenden des Krieges vor. Er wollte den Krieg „vietnamisieren“, d.h. stufenweiser Abzug der amerikanischen Truppen (90 000 Soldaten bis 1969) und Übergabe der Aufgaben an Südvietnam. Die US-Regierung entwarf noch einen weiteren Plan namens „Duck Hook“. Er beinhaltete die Invasion Nordvietnams, systematische Bombardierung der Deiche des Roten Flusses, vollständige Zerstörung Hanois und Haiphongs und eventueller Atombombeneinsatz. Nixon versuchte mit diesem Plan Druck auf Nordvietnam aus zu üben, um endlich Fortschritte in Paris zu erzielen. Ho Chi Minh ließ sich jedoch nicht beeindrucken und Nordvietnam blieb bei ihrer Forderung: Abzug aller amerikanischen Truppen aus Südvietnam und Rücktritt der Thieu-Regierung in Saigon.

In den USA kam es zu immer mehr Antikriegsbewegungen und Nixon konnte den „Duck Hook“ Plan nicht durchführen. Er hätte es gerne gemacht, da Nordvietnam zu keinen Übereinstimmungen bereit war. Nixon versprach, um die Öffentlichkeit zu beruhigen,  noch weitere Truppenreduzierungen in Vietnam. Die Verhandlungen in Paris kamen immer noch nicht voran. Nordvietnam war unbeeindruckt von der Strategie der USA und Nixon betonte, dass er immer noch den Frieden militärisch erzwingen könne, der Abzug der Truppen also in der Hinsicht keine Auswirkungen hat.

Am 3. September 1969 starb Ho Chi Minh in Hanoi. „Onkel Ho“, wie er in Nordvietnam liebevoll genannt wurde, wurde entgegen seines Wunsches in Hanoi in einem Mausoleum in einem Glassarg aufgebart. Noch heute wird er in Vietnam als Held gefeiert. Nun waren der Ministerpräsident Pham Van Dong, der Verteidigungsminister Vo Nguyen Giap und der Generalsekretär Le Duan die Machthaber in Hanoi. Im April 1970 weiteten die Amerikaner den Krieg nach Kambodscha aus, um ihn so ehrenvoll beenden zu können.18 Sie wollten dort zum einen den Ho-Chi-Minh-Pfad zerstören und zum anderen kommunistische Basen der nordvietnamesischen Truppen eliminieren.

Im Februar 1971 erfolgte das erste Mal die „Vietnamisierung“. Es wurden südvietnamesische Soldaten nach Laos geschickt, um auch dort die Verbindung über den Ho-Chi-Minh-Pfad zu verhindern. Außerdem wurde zur Unterstützung der Bodeneinheiten Laos durch die USA bombardiert. Dieser Zug scheiterte. Nach sechs Wochen flohen sie aus Laos und insgesamt 45% der Südvietnamesen wurden getötet. Beiden Aktionen wurden weltweit verurteilt und verstärkten die Proteste. Sie hatten militärisch keinen Erfolg und der Krieg in Kambodscha war noch grausamer als der in Vietnam. Es entstand dort eine neue kommunistische Gruppe, die Rote Khmer. So hatten die Amerikaner genau das Gegenteil erreicht. Sie hatten den ersten Dominostein angetippt und der Kommunismus weitete sich in Richtung Westen aus.

Zu dieser Zeit fand auch das Kriegsgerichtsverfahren gegen den Leutnant William Calley statt, der das Massaker von My Lai angeführt hatte. Er wurde zu lebenslänglich verurteilt. Die Haft wurde dann noch zweimal verkürzt und drei Jahre später wurde er sogar begnadigt. 1971 wurden die „Pentagon Papers“ veröffentlicht, die das Engagement der USA im Vietnamkrieg im Zeitraum von 1945-1967 beschreiben. (auch über die Vorgeschichte ihres Engagements). Sie schadeten Nixons Ruf, obwohl es sich um die Fehler seiner Vorgänger Eisenhower und Kennedy  handelt. Die Moral der amerikanischen Soldaten hatte sich stark verschlechtert. Sie machten Aufstände gegen eifrige Offiziere und töteten sie sogar. Korruption und Drogen spielten eine große Rolle. Es hieß also möglichst schnell die Vietnamisierung des Krieges durchzusetzen. Nixon traf sich 1971 mit den kommunistischen Ländern Russland und China, um ihr Verhältnis zu glätten. Es wurde von nun an mehr Druck von ihnen auf Hanoi ausgeübt. Seit 4. August 1969 wurde in Paris Geheimverhandlungen mit Vertretern Nordvietnams geführt und es wurde ein Friedensplan erstellt. Am 25. Januar 1972 legte die USA den Acht-Punkte-Plan vor, der die Wiederherstellung des Friedens gewährleisten soll. Hanoi erkannte ihn jedoch nicht an und bestand auf ihren eigenen Sieben-Punkte-Plan, den sie im Juli 1972 vorlegten. Er beinhaltete zwei Hauptforderungen: Fester Abzugstermin für die amerikanischen Truppen, Rücktritt Thieus und Bildung einer Koalitionsregierung in Saigon unter der Beteiligung der Nationalen Befreiungsfront. Am 30. März 1972 starteten die Nordvietnamesen eine breit angelegte „Osteroffensive“. Sie griffen die Amerikaner vom Norden her mit sowjetischen Panzern und von der Grenze Kambodschas mit Stosstrupps an. Es wurden große Verluste auf amerikanischer Seite gezählt und die Kommunisten konnten immer mehr in den Süden vordringen. Der Rückschlag der USA erfolgte im April. Sie starteten die Operation „Linebacker I“. Es wurde die Bombardierung Nordvietnams wieder aufgenommen und im Mai  verminten sie alle nordvietnamesischen Häfen, um den Nachschub zu stoppen. Präsident Nixon sagte: „So wie sie diesmal bombardiert werden, sind diese Bastarde noch nie bombardiert worden. Falls wir Vietnam verlieren hat niemand mehr Achtung vor dem amerikanischen Präsidenten, weil wir die Mittel hatten und sie nicht eingesetzt haben. Wir müssen glaubwürdig bleiben.“20 Nordvietnam glich nach diesen Angriffen einer Mondlandschaft und Hanoi und Haiphong wurden rund um die Uhr bombardiert. Ende Juni verkündete Nixon, dass keine Wehrpflichtigen mehr nach Vietnam gehen müssen, sondern nur noch Freiwillige. Außerdem würden die Truppen bis 1. September auf 39 000 Mann reduziert werden. Die Operation „Linebacker I“, die bis zum 23. Oktober ging, war im Gegensatz zu „Rolling Thunder“ erfolgreich. Die USA wollte erreichen, dass Nordvietnam den Krieg nicht zu ihren Gunsten beendet und dass sie wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, was auch funktioniert hat. Die südvietnamesische Armee verlor während der „Osteroffensive“ 150 000 Mann und jeden Monat wurden 20 000 Deserteure gezählt. Ab 8. Oktober 1972 fanden zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater Kissinger und nordvietnamesischen Vertreter Le Duc Tho Geheimverhandlungen statt. Am 11. Oktober kamen sie zu folgender Vereinbarung:

  • 1.Waffenstillstand in Vietnam (nicht in ganz Indochina)
  • 2.Austausch der Kriegsgefangenen
  • 3.Abzug der Amerikaner aus Vietnam
  • 4.Nordvietnam konnte seine Truppen in Südvietnam belassen, durfte aber deren Zahl nicht erhöhen
  • 5.die Regierung Thieu würde bleiben, aber die Legitimität der Nationalen Befreiungsfront anerkennen und die Möglichkeit einer Koalitionsregierung prüfen.

Thieu lehnte diesen Friedensplan ab und verstand ihn sogar als Verrat der Amerikaner. Er blieb bei seinen Forderungen, dass die Nordvietnamesen ihre Truppen von südvietnamesischem Gebiet zurückziehen und die entmilitarisierte Zone als politische Grenze zwischen Nord- und Südvietnam anerkennen.

Die Gespräche zwischen Kissing und Le Duc Tho kamen ins Stocken, da Kissing keine Änderung erreichen konnte. Le Duc Tho beharrte auf den alten Abmachungen und Thieus Forderungen wurden ganz abgelehnt. Am 14. Dezember stellte die USA ein Ultimatum an Nordvietnam. Sie müssen innerhalb von 72 Stunden wieder zu vernünftigen Gesprächen bereit sein, sonst tragen sie die Konsequenzen. Nordvietnam reagierte auf die Drohung nicht und am 18. Dezember startete die Operation „LinebackerII“. Sie nahmen die Bombardierung von Nordvietnam wieder auf und am 26. Dezember flogen sie die schwersten Angriffe überhaupt, nach denen die Nordvietnamesen ihre Bereitschaft, Gesprächen wieder aufzunehmen, verkündeten. Am 9. Januar 1973 erzielten sie endlich eine Einigung. Die Vereinbarung war fast identisch mit der im Oktober/November, es wurden nur Kleinigkeiten geändert. Die USA nahm nun keine Rücksicht mehr auf Thieu und Präsident Nixon warnte am 21. Januar, dass sie die Vereinbarung auch ohne ihn unterzeichnen würden. Wenn er jedoch zustimmen würde, dann bekommt Südvietnam Milliarden von Dollar an Militär- und Wirtschaftshilfe. Außerdem stellte er die Möglichkeit in Raum, dass sie die Bombenangriffe wiederaufnehmen, falls es einen Angriff aus dem Norden gäbe. Am 22. Januar gab Thieu nach und am 27. Januar 1973 unterzeichneten US-Außenminister William P. Roger und sein nordvietnamesischer Kollege Thuy Trinh das Abkommen.

Am 29. März 1973 verließ die letzten amerikanischen Truppen Südvietnam. Die Amerikaner unterstützen den Süden weiterhin und halfen ihnen ein Heer aufzubauen.

Am 9. August trat Nixon als erster Präsident der USA von seinem Amt zurück.

Es kamen während des Krieges zwei Millionen Vietnamesen ums Leben und 3 Millionen wurden verletzt. Die USA verlor 57 685 Männer und 153 303 wurden verwundet. Der jahrelange Krieg stürzte die USA in eine schwere Wirtschaftskrise.

Die dritte / „vietnamesische“ Phase: Der Bürgerkrieg

Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen gingen trotz des Waffenstillstandsabkommens die Kämpfe zwischen den südvietnamesischen Truppen und den kommunistischen Einheiten (Nordvietnam und Vietcong) weiter. Die einzige Veränderung war, dass die Südvietnamesen nun alleine ohne militärische Unterstützung der USA gegen die Kommunisten vorgingen. Jede Partei wollte ihre Gebiete ausweiten bzw. verteidigen. Südvietnam war den nordvietnamesischen Truppen unterlegen, aber sie kämpften trotzdem tapfer weiter und ließen sich nicht unterkriegen.

Nordvietnam hatte zwei Jahre Vorbereitung gebraucht bis sie Ende 1974 eine Großoffensive gegen Südvietnam starteten. Die südvietnamesischen Soldaten flüchteten größten Teils und der Rest zog sich in Festungen zurück. Als Mitte März 1975 Hue fiel, war der Krieg für Südvietnam verloren. Am 21. April trat Präsident Nguyen Van Thieu von seinem Amt zurück und neun Tage später (am 30. April) wurde Saigon eingenommen. Die Südvietnamesen kapitulierten gegenüber der FNL. Am 2. Juli 1976 wurde die Sozialistische Republik Vietnam gegründet und somit das getrennt Land wieder vereint.

Der Bürgerkrieg muss die schlimmste Phase des Krieges gewesen sein. Es haben sich die Landsleute gegenseitig abgeschlachtet und es müssen furchtbare Zustände geherrscht haben. Als die Soldaten aus Panik flohen, war ihnen jeder Verlust egal. Sie stießen Flüchtlinge von Booten oder vergewaltigten Frauen, die zu ihrer Seite gehörten. Südvietnam konnte der kommunistische Übermacht fast nichts entgegensetzten und war eigentlich hilflos den nordvietnamesischen Truppen ausgeliefert, die eine unerbittlichen und äußerst brutalen Feind darstellten, obwohl sie auch Vietnamesen sind. Sie hatten kein Mitleid bzw. Scheu ihre Landsleute zu verfolgen und jeden der Südvietnam unterstützt hatte zu bestrafen.

Auswirkungen / Folgen des jahrzehntelangen Krieges

  • Süd- und Nordvietnam wurden wieder vereinigt und ganz Vietnam wurde von nun an von einem kommunistischen Regime regiert.
  • Während des jahrzehntelangen Krieges kamen mehr als zwei Millionen Vietnamesen ums Leben und etwa drei Millionen wurden verwundet. Der größte Teil der Bevölkerung hatte wegen den jahrelangen Bombenangriffen ihre Häuser verloren und hatte keine Unterkünfte mehr.
  • Mehrere hunderttausend Kinder wurden zu Waisen.
  • Die gesamte Infrastruktur und Wirtschaft des Landes war zusammengebrochen. Durch die Flächenbombardierung wurden so gut wie alle (Reis-)Felder und wirtschaftliche Einrichtungen, wie Raffinerien, Öllager und Kraftwerke, zerstört.
  • Es wurde über 72 Millionen Liter Entlaubungsmittel über dem Land abgeworfen, welches nicht nur ganze Wälder vernichtet hat, sondern Tier und Mensch erheblichen Schaden zugefügt hat. Viele Menschen leiden noch heute unter Missbildungen, Krebs und einer Schwächung des Immunsystems. Eigentlich kann man sagen, dass Vietnam komplett verwüstet war und man die Infrastruktur des Landes wieder ganz neu aufbauen musste.
  • Vietnam konnte sich nicht selbst versorgen und nach dem Krieg litt die Bevölkerung an Hunger. Man sollte noch erwähnen, dass sehr viele Menschen, egal ob Vietnamese oder Amerikaner, die den Krieg erlebt haben, ein Trauma aufgrund der furchtbaren Erlebnisse haben und einige ihr normales Leben nicht wieder führen konnten.

Schlussendlich frage ich mich, ob die „gute“ Absicht der Amerikaner gegen ein kommunistisches Vietnam zu kämpfen so große Verluste rechtfertigt und warum im Irak, … und Afghanistan wieder so ein unmenschlicher und wahrscheinlich unnötiger Krieg geführt wird? Ich denke, selbst ein so mächtiger Staat wie die USA sollte aus seinen Fehlern lernen und sie nicht zweimal hintereinander machen. Die Ereignisse und die Grausamkeit des Vietnamkrieges haben mich sehr schockiert. Der Krieg war, ich denke wie jeder Krieg, unmenschlich, aber die Tatsache, dass sich Landsleute so unerbittlich gegenseitig abschlachteten und zu keiner Einigung kommen konnten, erschreckt mich vor allem. Ich bin der Meinung man sollte weltweit versuchen, die Menschen besser über die Abfolge und Verstrickungen eines Krieges aufzuklären und nicht zuzulassen, dass wichtige Informationen zurückgehalten werden, damit sich mehr Menschen für den Frieden einsetzten.

Quellen

Literatur:

  • Vgl. Rolf Steininger, „Der Vietnamkrieg“
  • Vgl. Wolf-Eckart Bühler und Hella Kothmann, Vietnam, Reise Know-How, 7.Auflage 2004
  • Vgl. Apokalypse Vietnam, Das Buch zur Fernsehserie, mdr
  • Vgl. Mark Frey, „Geschichte des Vietnamkrieges“

Internetseiten:

  • http://vietnamkrieg.ch.vu
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sisch-Indochina
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Indochinakrieg
  • http://www.schoolweb.de/millenniumobserver/katastrophen/viet.htm
  • http://www.schlaubi.de/geschichte/vietnam/vietnam.html
  • http://www.vietnam-freunde.net/html/vietnam_ubersicht.html
  • http://home.arcor.de/davedee/html/vietnam-krieg.html
  • http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=580715
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschichte_des_Indochinakrieges
  • http://www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/kk/indochina.htm
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Ho_Chi_Minh
  • http://www.fischer-kompakt.de/sixcms/detail.php?template=glossar_detail&id=221423
  • http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=2276&RID=1
  • http://www.infobitte.de/free/lex/ww2_Lex0/i/indochina.htm
  • http://www.bpb.de/publikationen/4QXQQP,3,0,Kalter_Krieg_von_1945_bis_1989.html
  • http://de.wikipedia.org/wiki/SEATO
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Truman-Doktrin
  • http://www.detlev-mahnert.de/vietnam-krieg.htm
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg
  • http://schulen.eduhi.at/hs.st.pantaleon/hs1b.htm

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