Kreuzzüge Nathan

Die Kreuzzüge insbesondere im Hinblick auf die heutige Betrachtung der christlichen Lehre
und im Hinblick auf das Werk Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing
1. Die Kreuzzüge im Überblick
Nachdem Jerusalem im Jahr 638 in muslimische Hand geraten war, bat der Patriarch der orthodoxen Kirchen den heiligen Stuhl um Hilfe dabei, Jerusalem wieder in christliche Hand zu bringen. Ein weiterer Grund für das Hilfegesuch war die Tatsache, dass die Grabeskirche 1009 im Jahr durch die herrschenden Muslime zerstört worden war. Papst Urban II rief somit im Jahr 1095 zum Kreuzzug auf gegen die muslimischer Herrschaft im heiligen Land, auch um die Kirche, die seit 1054 in Ost- und Westkirche, d.h. Papsttreue und eigenständige Christen, gespalten war, zu vereinigen. Dies tat er durch eine relativ bekannte Rede im Rahmen des Konzils von Clermont-Ferand, wobei sich die
begeisterten Zuhörer sofort Kreuze an die Brust hefteten, die der Legende nach vom Himmel gefallen und von Gott persönlich kamen. Voller Begeisterung und von freudigen Hysterie erfüllt machten sich dann 1096 vor allem die Franken auf den Weg Richtung Jerusalem. Sie eroberten schließlich nach sechswöchiger Belagerung die allen drei abrahamitischen Religionen heilige Stadt im Jahr 1099.
Hierbei richteten die Kreuzfahrer ein schreckliches Blutbad an und zogen unbeteiligte Zivilisten, auch Frauen und Kinder, aus ihren Häusern und richteten sie auf der Stelle hin, sofern sie, wenn ihnen überhaupt die Gelegenheit gegeben wurde, sich nicht auf der Stelle taufen ließen. Danach wuschen sie sich, beteten und küssten die hl. Orte, wobei der Klerus danach Loblieder auf Gott und die Ritter
sang. Im Jahr 1144 wurde die Grafschaft Edessa von den Muslimen zurückerobert. Dies führte zum Aufruf zum zweiten Kreuzzug, welcher insbesondere vom heiligen Bernhard von Clairvaux publik gemacht wurde. Dieser war mangels ordentlicher Vorbereitung und Planung ein Misserfolg auf ganzer Linie. Im Jahre 1187 wurde Jerusalem von den Muslimen unter Sultan Saladin zurückerobert. Dieser herbe Rückschlag für die Kreuzfahrer führte zum dritten Kreuzzug, welcher auch den in der Lektüre beschriebenen und auch den bekanntesten Kreuzzug darstellt. Danach folgten noch vier weitere
Kreuzzüge, die alle scheiterten, da sie immer weniger Unterstützung in der Gesellschaft und durch die Regierenden in Europa genossen und somit immer schlechter vorbereitet, geplant und ausgerüstet wurden, wobei der letzte und siebte 1270 stattfand. Es gab allerdings noch zwei Kreuzzüge, die nicht zu den „offiziellen“ Kreuzzügen gezählt werden, die aber dennoch den religiösen Fanatismus sowie den Antisemitismus in Europa gut veranschaulichen: Es gab zum einen Kinderkreuzzug, bei welchem sich 1212 50 000 Kinder hauptsächlich aus den armen Familien Frankreichs sowie vom Niederrhein aufmachten, um die hl. Stätten zu erobern. Wobei dieser „Kreuzzug“ selbstverständlich scheiterte. Der Glück habende Teil der Kinder kehrte lediglich um, viele starben bei der Alpenüberquerung und jene,
die Italien erreichten, wurden dort in die Sklaverei verkauft. Es gab des weiteren einen
Bauernkreuzzug 1096. Auch jene kamen nicht besonders weit. Sie plünderten die reichen jüdischen Gemeinden in Mainz, Speyer und Worms, wobei die erstgenannte, nachdem sie feststellen musste, dass sie auch in der Bischofsburg von Mainz trotz des bischöflichen Schutzes nicht vor Verfolgung sicher war, sich des Beispiels aus der Geschichte Israels Massada bediente und kollektiv Selbstmord beging.
2. Gründe für die Teilnahme an den Kreuzzügen:
Da die einfachen Leute (nach heutigen Standards eher alle Menschen) in Europa in sehr ärmlichen und den zementierten Verhältnissen einer Ständegesellschaft leben mussten, bestand ein Grund für die Teilnahme an den Kreuzzügen in der Aussicht auf ein Ausbrechen aus dieser Gesellschaftsordnung, da für die Teilnehmer ebenjener der CIC (Codex Iuris Canonici) galt, der alle Menschen gleich behandelte. Des weiteren bestand die Aussicht auf Beute und Land im heiligen Land, wobei dieses von den befürwortenden Predigern als sehr fruchtbar beschrieben wurde. Wobei der Faktor der Armut in Mitteleuropa durch den Bevölkerungsdruck hier verstärkt wurde. Des weiteren
versprach die Kirche den Kreuzfahrern, die nach damaliger Lehrmeinung für die Sache Jesu Christi kämpften und evtl. ihr Leben für ihn hingeben würden, dass sie von ihren gesamten Sünden freigesprochen und sofort in das Himmelreich aufgenommen werden sollten, wobei man gleichzeitig schon seit Hunderten von Jahren den Menschen die Angst vor der ewigen Verdammnis einflößte.
3. Der dritte Kreuzzug
Nachdem die Kreuzfahrerstaaten schon vor dem zweiten Kreuzzug immer stärker in Bedrängnis geraten waren und jener gescheitert war, hatte Saladin 1187 Jerusalem erobert. Nachdem Papst Urban III aufgrund des hieraus resultierenden Schockes verstorben war, riefen die innerhalb von einem Vierteljahr aufeinanderfolgenden Päpste Gregor VIII und Clemens III zum dritten Kreuzzug auf, woraufhin sich Phillip II von Frankreich und Heinrich II von England (Richard Löwenherz Vater) bereiterklärt hatten und ein Kreuzzuggelübde abgelegt hatten. Als Richards Vater verstorben und Richard ihn beerbt hatte, zogen Phillip und Richard 1190 zusammen los, wobei Friedrich Barbarossa
schon 1189 mit einem (mit den in Ungarn dazugestoßenen) 100 000 Kreuzfahrer umfassenden Heer auf dem Weg ins hl. Land war. Friedrich Barbarossa verstarb auf dem Weg ins hl. Land, weshalb ein Großteil seines Heeres nach Europa zurückkehrte, und die anderen beiden Könige erreichten mit ihren beiden Heeren nach einer abenteuerlichen Überfahrt durch das Mittelmeer schließlich das hl. Land, wo sie den ehemaligen König von Jerusalem dabei unterstützten, die wichtige Hafenstadt Akkon
zurückzuerobern. Dieses Unterfangen gelang auch schließlich. 1191 reiste Phillip zurück nach Frankreich, um eine Erbangelegenheit zu regeln, wodurch Richard Löwenherz den alleinigen Oberbefehl über die beiden verbliebenen Heere erhielt. Er tötete, als die Muslime sich außerstande sahen das geforderte Lösegeld zu bezahlen, alle 2700 Gefangen, die er bei der Belagerung Akkons gemacht hatte. Nachdem Saladin gewissermaßen die Guerilla-Taktik erfolgreich angewandt hatte, sah sich Richard gezwungen, von seinem Plan Jerusalem anzugreifen, Abstand zu nehmen. Er marschierte somit wieder zurück zur Küste und eroberte danach noch ein paar Küstenstädte. 1192 sah er sich gezwungen aufgrund von Vasallenproblemen mit Philipp von Frankreich sowie Problemen
mit seinem jüngeren Bruder Johann, der den englischen Thron beanspruchte, nach Europa
zurückzukehren. Er führte noch Verhandlungen mit Saladin über eine Kompromisslösung für das hl.Land (s.u.).
4. Wichtige Personen bei den Kreuzzügen:
Urban II:
Urban II besuchte, nachdem er um 1035 als Otto von Chattilon geboren worden war, die
Kathedralschule in Reims. Hiernach machte er eine steile Kirchenkarriere, an deren Ende seine Wahl zum Papst am 12. März 1088 stand. Schon seit 1084 stand dem Papst der Gegenpapst Clemens entgegen, welcher auch noch über Urbans Tod (Juli 1099) hinaus bis ins Jahr 1100 im Amt blieb. Wegen des vom Kaiser gestützten Gegenpapstes sah sich Urban II zeitweise gezwungen Rom zu verlassen. Er hatte noch weitere diplomatische Konflikte:
Anselm von Canterbury, der nicht als Erzbischof von Canterbury fungieren wollte, Streit mit Phillip I, der mehrere Frauen nacheinander hatte und die Abspaltung der Ostkirche im Jahr 1054, was auch einen der Gründe für ihn darstellte, dem Hilfegesuch des Patriarchen der Ostkirche nachzukommen und zum Kreuzzug aufzurufen. Als er beim Konzil von Clermont 1095 die zu den Kreuzzügen aufrufende Rede (siehe Anhang) hielt, kniete der Bischof von le Puy nieder und ließ sich zum Führer des Kreuzzuges ernennen, wobei sich ihm auf diesem Konzil schon viele anschlossen. Papst Urban hielt seine Rede noch zweimal: einmal in Tours und einmal in Rouen.
Bernhard von Clairvaux:
Der hl. Bernhard wurde im Jahre 1090 geboren. Im Jahr 1113 trat er in das Kloster von Citeaux ein, welches das Gründungskloster des Zisterzienserordens darstellt. Die Zisterzienser sehen sich wie die von ihm selbst gegründeten Benediktiner in der Nachfolge des hl. Benedikt von Nursia. Sie legen allerdings die Regeln des hl. Benedikt (z.B.: Bete und Arbeite.) etwas strenger aus als die Benediktiner. Er wurde dann als Abt nach Clairvaux entsandt, damit er dort das zweite Kloster gründen sollte. Als die Kreuzfahrerstaaten nach der Eroberung Edessas unter Druck gerieten, rief er zum zweiten Kreuzzug auf mit der Erlaubnis des Papstes (Eugen III). Er entfachte so einen Sturm der
Begeisterung in Frankreich und im Rheinland. Als allerdings sein Ordensbruder Radulf im Rheinland zu den Bauernkreuzzügen (s.u.) und zur Vernichtung der jüdischen Gemeinden aufrief, stellte sich der hl. Bernhard dem und den damit verbundenen Zwangstaufen entgegen mit der Begründung, die Juden seien von Gott dazu auserkoren erst am Tage des Jüngsten Gerichts die „Wahrheit“ zu erkennen und Christus anzuerkennen, sodass sie dann trotz ihrer „falschen“ Religion, so lange sie noch ihr weltliches Leben gelebt haben, in den Himmel aufgenommen werden könnten.
Saladin:
Geboren 1137/1138 sah er sich, nachdem er durch eine sehr aggressive Macht- und Heiratspolitik vom Heerführer zum Sultan über Ägypten und Syrien aufgestiegen war, 1187 in der Lage, Jerusalem zurückzuerobern. Nach seinem Sieg führte er eine Freikaufprämie für die besiegten Christen ein (30 000Dinare), wobei alte Christen ebenfalls nicht versklavt wurden. Sein Bruder Al-Adil bat Saladin um ein Geschenk von 1000 Sklaven, als er deren Elend sah, welche er dann freiließ. Saladin ließ des weiteren nach der Schlacht von Hattin die christlichen Gefangen am Leben, obwohl Richard Löwenherz seine Gefangen abmetzelte, wovon Saladin auch wusste. Der Legende nach legte er auch ansonsten ein überaus ritterliches Verhalten an den Tag: Als Richards Pferd in der Schlacht unter ihm
weggeschossen wurde, ließ er ihm durch einen Sklaven zwei neue bringen. Als er krank bei Akkon lag, sandte ihm Saladin seinen Leibarzt mit Pfirsichen und Schnee vom Berg Herdon, um sich und die Getränke abzukühlen. Als Richard zurück nach England bzw. Frankreich musste, um seine wankende Herrschaft zu sichern, verhandelte er mit Saladin über die Heirat von Richards Schwester Johanna mit Saladins Bruder Al-Adil, um das heilige Land sowohl Christen als auch Muslimen zugänglich zu machen. Durch sein Verhalten wurde Saladin in Europa extrem als Edelmann erster Güte glorifiziert, was auch in unserem Werk bis zu einem gewissen Grade durch seine Darstellung als sehr tolerant
und aufgeklärt zum Ausdruck kommt, wobei er in der arabischen Welt in Vergessenheit geriet, bis der Gipfel der europäischen Glorifizierung durch Wilhelm II 1898 durch die Stiftung eines reich verzierten Sakrophags erreicht wurde. In Lessings Werk wird des weiteren darauf angespielt, dass der „Tempelherr“ als einziger seines Ordens nicht nach der Schlacht hingerichtet wurde. Dieses entspricht der historischen Realität, da Saladin nach der Schlacht von Hattin tatsächlich den gesamten Orden hinrichten ließ und nur den Templermeister überleben ließ.
Richard I (Löwenherz):
Nachdem er sich durch ein Ränkespiel auch unter dem Einsatz militärischer Gewalt gegen seinen eigenen Vater und gegen seine Geschwister zum Alleinerben gemausert hatte, war er der zweitmächtigste Herrscher in Europa direkt nach Friedrich Barbarossa. Nachdem er schließlich 1189 zum König von England und der Besitzungen auf dem europäischen Festland gekrönt worden war, machte er sich sofort auf den Weg ins hl. Land, um am dritten Kreuzzug teilzunehmen. Als größter Erfolg gilt die Eroberung der wichtigen Hafenstadt Akkon, wobei auch ihm die Eroberung Jerusalems nicht gelang. Er hatte (s.o.) eine fast freundschaftliche Beziehung zu Saladin. Sie tauschten untereinander unter anderem Geschenke aus. Richard wurde, als er Heinrich dem Löwen, einem Kaisergegner, bei dessen Verschwörung behilflich sein wollte, in einem kleinen Vorort Wiens gefangen genommen, weil er sich an der Verschwörung beteiligte und weil er den Lehensverpflichtungen nicht nachkam, die er gegenüber Philip II August als Herzog einiger franz.
Herzogtümer hatte. Gegen Zahlung eines Lösegeldes von insgesamt 35 Tonnen Silber (das dreifache des Jahreseinkommens der englischen Krone) und gegen die Ableistung des Lehenseides gegenüber dem Kaiser wurde er 1196 aus der Gefangenschaft entlassen. Bei der Auftreibung des Lösegeldes ging man in England ziemlich skrupellos vor (Robin-Hood-Mythos). Er verstarb schließlich 1199. Das Silber, das er nach Österreich geliefert hatte, blieb bis 1975 in den offiziellen Münzen Österreichs erhalten.
Friedrich Barbarossa:
Friedrich Barbarossa, geboren 1122, wurde 1152 Kaiser des hl. römischen Reiches Deutscher Nation. 1189 zog Barbarossa los zum dritten Kreuzzug. Nachdem er das Reich befriedet hatte und der Konflikt mit dem Papst beigelegt hatte, ertrank er 1190 im Fluss Saleph in der heutigen Südtürkei.
Phillip II August von Frankreich:
Er wurde 1165 geboren und verstarb 1223. Er war von 1180 bis 1223 König von Frankreich. Er hatte einen langen Konflikt mit Richard Löwenherz und dessen Familie um die Vorherrschaft in Frankreich. Schließlich setzte er sich hinsichtlich der Vasallenfragen durch (Gefangennahme von Richard Löwenherz). Er hatte schließlich das von ihm regierte Gebiet fast verdoppelt. Er ging schließlich mit Richard zusammen auf den dritten Kreuzzug, weil er und Richard einander nicht trauen konnten und beide ein Kreuzzuggelübde abgelegt bzw. geerbt hatten.
5. Die Lage der Juden zur Zeit der Kreuzzüge
Wie bereits oben erwähnt befanden sich die Juden in der verzwickten Lage, dass das Volk gegen Andersgläubige aufgehetzt wurde und sie gleichzeitig als Mörder Christi dastanden. Diese Problematik wurde dadurch verschärft, dass sie als einzige das Recht hatten, Geld zu verleihen, weshalb viele Christen bei ihnen Schulden hatten, weshalb sie auch verhältnismäßig reich waren. Durch ihre Monopolstellung hatten sie auch die Möglichkeit hohe Zinsen zu nehmen, was ihr Ansehen bei ihren christlichen Schuldnern noch mehr schmälerte. Des weiteren hatten sie eine andere Lebensart und einen anderen Kleidungsstil als die Christen, was sie wiederum von der Mehrheit der Gesellschaft
entfernte. Der Zwang für Juden, in Ghettos zu leben, vertiefte die Spaltung der mittelalterlichen Ständegesellschaft in eine christliche Mehrheit und eine jüdische Minderheit weiter. Wobei es auch Beispiele im Mittelalter für ein gutes Zusammenleben gab. In Spanien lebten die Juden bis zur Zeit der Kreuzzüge in einem friedlichen Miteinander mit Christen und Muslimen. Danach bildeten sich allerdings auch in Spanien Ritterorden (mit ähnlichen Zielen wie im hl. Land), welche alle Andersgläubigen bekämpften, was sich auch nach der Zeit der Kreuzzüge mit der Inquisition fortsetzte, wobei sie insbesondere zu Zeiten der Pest zu Sündenböcken abgestempelt wurden, was zu
einer entsprechend harten Verfolgung führte. Es ist hierbei festzuhalten, dass es den Juden als Christusmördern in den christlichen Ländern schlechter ging, als in den muslimischen Ländern, was auch bedeutet, dass es den Juden im hl. Land während der muslimischen Herrschaftsperioden besser ging als während der christlichen.
6. Templerorden
„Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“ lautet der vollständige Name des Templerordens, weil König Balduin von Jerusalem sie in einem sich auf dem Tempelberg befindlichen Teil seines Palastes einquartiert hatte (heute: Al-Aqsa-Moschee). Der Templerorden wurde zwischen 1118 und 1121 gegründet, indem neun französische Ritter neben den klassischen Gelübden (Armut, Keuschheit und Gehorsam) auch das Gelübde des Schutzes der Pilger vor dem Patriarchen Jerusalems leisteten. Dies war nötig geworden, da sich ein großer Pilgerstrom nach dem ersten Kreuzzug über das hl. Land ergoss, wobei die Pilger häufig Opfer von Räuberbanden wurden. Der Orden bestand aus drei Arten von Mitgliedern: Den Rittern, wozu hier auch die Knappen gezählt werden, den Klerikern, meistens Kapläne, und den Dienern. Es gibt bei allen dreien auch noch die
Unterscheidung, ob sie auf Zeit oder für ihr ganzes Leben verpflichtet sind. Es gibt 72 Regeln für die Ordensmitglieder, die ungefähr im folgenden bestehen: strenge Gebetsvorschriften und Gottesdienstvorschriften, Besitzvorschriften, Nahrungsvorschriften, Vorschriften über Abgaben an Arme, Vorschriften über Spenden an den Orden, Kleidervorschriften, Vorschriften über die Krankenund Altenpflege, Vorschriften über die große Macht des Großmeisters und über Verfahrensweisen und Strafen bei Verstößen gegen diese Vorschriften.
7. Auswirkungen der Kreuzzüge auf die europäische Kultur
Die Kreuzzüge hatten allerdings auch positive Nebeneffekte, wobei diese nicht überbewertet werden sollten, da für den interkulturellen Dialog, der den Grund für diese Nebeneffekte darstellt, eher die dauernde friedlich Koexistenz zwischen Christen, Juden und Muslimen in Spanien und auf Sizilien entscheidend waren. Dennoch kann man den Begegnungen zwischen den Kulturen im Mittelalter auch die Kreuzzüge zurechnen. Diese Begegnungen hatten folgende Auswirkungen: Ein großer Teil des antiken Wissens war in Europa verloren gegangen oder verboten worden.
Dieses Wissen wurde aber durch die Muslime aufbewahrt. Hierzu gehören unter anderem folgende Tatsachen: Wissenschaftliches Wissen wurde wiederentdeckt, weshalb dann weitergeforscht werden konnte, Philosophie und Wissenschaften wurde wieder modern an den europäischen Höfen, was zu einer intensiven Förderung ebenjener führte. Außerdem wurde durch die wissenschaftliche Arbeitsweise der arabischen Wissenschaftler den europäischen Wissenschaftlern die Mängel der Scholastik aufgezeigt,
was dazu führte, dass sie von einer modernen Art Philosophie zu betreiben abgelöst wurde: Der Dialektik. Bsp.: Anselm von Canterburys Gottesbeweis war plötzlich nichtig und wurde auch von seinem Glaubensbruder Albertus Magnus in Frage gestellt. Außerdem lernten die Christen erst durch die Kreuzzüge Gewürze wie z.B.: Pfeffer (wieder) kennen. Somit kann man mit einem gewissen Recht behaupten: Die Kreuzzüge waren einer der Gründe für die Entdeckung Amerikas 1492, selbst wenn wir die Legenden über die Entdeckung Amerikas durch die Templer ins Reich der Legenden abtun.
8. Beurteilung der historischen Richtigkeit des Werkes
Das Werk hat nicht den absoluten Anspruch der historischen Richtigkeit eines Geschichtslehrbuches. Dennoch ist es an vielen Stellen authentisch. Der Jude Nathan der Weise wird z.B. als Geldleiher und Händler dargestellt, was –allerdings besonders in Europa, aufgrund des Zinsverbots der Christen- der historischen Realität entspricht. Die Abneigung des Templers gegenüber Juden ist auch authentisch, da die Templer sich als Vorkämpfer für die Sache Christi und somit als Feinde aller Ungläubigen sahen. Sie wurden ganz besonders vermutlich noch etwas stärker als die normale Bevölkerung in diese Richtung hin beeinflusst, da sie aufgrund ihrer strengen Regeln dem absoluten Gehorsam extrem strenger Tempelmeister unterworfen waren, wobei diese auch einen sehr negativen Umgang mit Andersgläubigen favorisierten. Des weiteren mussten sie auch mehrfach täglich die hl. Messe mit einer entsprechenden Predigt besuchen. Der „einzige freigelassene Tempelherr“ ist wohl eindeutig eine Anspielung auf Saladins Verhalten bei Hattin (s.o.). Es ist auch dahingehend richtig, dass die Kirchenmänner und Christen jene verdammen, die ihre und (noch schlimmer) christliche Kinder in einem anderen Glauben erziehen (was teilweise heute noch im CIC steht). Außerdem war es damals tatsächlich so, dass die Christen tendenziell weniger aufgeklärt waren als die Muslime und Juden.
9. Passen die Kreuzzüge zur christlichen Lehre?
Die Kreuzzüge lassen sich definitiv nicht mit der ursprünglichen Lehre Jesu Christi vereinbaren. Die Kreuzzüge stellen eine riesige hasserfüllte Gewaltorgie dar. Sie sind mit Zwangstaufen und unglaublicher ausufernder Gewalt einhergegangen. Jesus Christus hingegen predigt die Überzeugung der Menschen vom christlichen Glauben lediglich durch das Wort und hierbei ist ein Gewaltverzicht schon eingeschlossen. Des weiteren predigte er die Nächstenliebe. Hiervon ist bei den Kreuzzügen wenig zu spüren. Deshalb sind die Kreuzzüge nicht mit der christlichen Lehre vereinbar, weshalb sich Papst Johannes Paul II in seinem „Mea Culpa“ für die Verirrungen u.a. in den Glaubenskriegen entschuldigte.
Quellen:
Anno 2, Westermann (S.8, S.34-39, S.41, S.45, S.47f., S.51, S.62, S.100, S.122f., S.127, S.132,
S.146, S.161)
Zeiten und Menschen, Schöningh (S.144-185, insbesondere: 153-155)
Das Mittelalter: Die Welt der Bauern Bürger und Mönche, Hrsg. Dieter Hägermann (S.239-243, S.257-
262, S.265f., S.269f., S.307-311)
Die großen der Welt, Hrsg. Georg Popp, Arena-Verlag (S.64-70, S.83-89)
Hier stehe ich, ich kann nicht anders: In 80 Sätzen um die Weltgeschichte, Helge Hesse (S.84-87,
S.91-94)
Wikipedia (Artikel über: Kreuzzüge, Templer, Kreuzfahrerstaaten, 3. Kreuzzug, Artikel über o.a.
Personen)
www.Templer.de (Regeln der Templer, Geschichte)

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