Hintergrund des Konflikts Georgien Ossetien

Hintergründe, Ziele, Folgen und Lösungsvorschläge zum ossetisch-georgischen Konflikt

Stand 2003

Ossetisch-georgischer Konflikt

Konfliktparteien

Südossetien (Bündnispartner: Nordossetien-Alanien, nordkaukasische Völkerschaften) gegen die georgische Regierung.

Hintergründe

Die Osseten gelten als Nachfahren der Alanen iranischer Herkunft, die seit dem 6. Jahrhundert von Byzanz bzw. Georgien weitgehend christianisiert wurden. Seit 1767 erfolgte, zum Teil unter heftigem Widerstand, die Eingliederung ins Russische Reich und Zwangsmissionierung durch die russisch-orthodoxe Kirche. Am 20. April 1922 wurde Südossetien als Ossetisches Autonomes Gebiet ein Teil der Georgischen Sowjetrepublik, während Nordossetien zwei Jahre später den Rang eines Nationalen Kreises erhielt und 1936 zur Ossetischen Sozialistischen Sowjetrepublik proklamiert wurde. 1989 lebte dort die Hälfte der 598000 Menschen zählenden ossetischen Bevölkerung. In Georgien betrug Ihre Zahl zu dieser Zeit rund 164000, davon 65000 im Südossetischen Autonomen Gebiet, 33000 in Tiflis. Der Konflikt mit Georgien wurde ähnlich wie im Falle Abchasiens durch georgisch-nationale, anti-sowjetische Kräfte verschärft, welche die Autonomie der Minderheiten in Frage stellten. 1989 eine südossetische “Volksfront”, die eine Statuserhöhung des autonomen Gebiets zur Autonomen Republik und schließlich die Wiedervereinigung mit Nordossetien forderte. Am 20. Septembver 1990 deklarierte Südossetien seine eigene Souveränität und rief eine “Südossetische Demokratische Sowjetrepublik” aus. Georgien unter Präsident Gamsachurdia reagierte mit Blockade und der Aufhebung des Autonomiestatus (11. Dezember 1990). Im Januar 1991 drangen militärische georgische Verbände bis Zchinwali vor, die “Konföderation der Bergvölker des Kaukasus” (Bündnis nationaler Bewegungen Nordkaukasiens) beschloss die Verteidigung Ossetiens. Militärische Konfrontationen und interethnische Kollisionen konnten erst durch die russich-ossetisch-georgische Waffenstillstandsvereinbarung von Sotschi (24. Juni 1992) eingefroren werden. Südossetien baute seine Eigenständigkeit aus, die Region blieb jedoch konfliktgeladen. Im Oktober 1992 begannen bewaffnete Auseinandersetzungen um Gebietsansprüche zwischen Inguschen und Nord-Osseten im Gebiet um Wladikawkas, welche die Lage zusätzlich verschärften, zahlreiche Flüchtlinge drängten nach Südossetien.

Ziele

Südossetien verfolgt die Sezession mit den Optionen “Unabhängigkeit” oder “Zusammenschluss mit Nordossetien”, Zugehörigkeit zur Russischen Föderation. Georgien verlangt Wiederherstellung des Staatsterritoriums unter Einschluss Südossetiens.

Bisherige Folgen

In diesem Konflikt starben mindestens 800 Menschen, über 20000 georgische Flüchtlinge flohen in den Süden und viele südossetische Flüchtlinge nach Nordossetien. Seit 1994 stehen russische Truppen an der Grenze zwischen Nord- und Südossetien, das Autonome Gebiet wird von Moskau kontrolliert, die georgische Zentralregierung hat keinen Einfluss. Es kommt jedoch immer wieder zu Zwischenfällen in schwer zugänglichen Gebirgstälern wie dem Pankisi-Tal, bei dem Georgien von russischer Seite beschuldigt wird, tschetschenischen Terroristen Unterschlupf zu gewähren. Tatsächlich leben tausende tschetschenische Flüchtlingsfamilien in schwer zugänglichen Gebirgstälern. Georgien verwahrt sich gegen den Vorwurf der Unterstützung von Terroristen und macht demgegenüber humanitäre Gründe für die Duldung von Frauen und Kindern geltend.

Lösungsvorschlag

UNO/OSZE/Georgien setzen sich ein für Entmilitarisierung der Zone, Friedensverhandlungen unter Schirmherrschaft von OSZE und der UNO sowie Wiederherstellung von territorialen Integrität unter Einrichtung von Kontrollmechanismen für die Garantie der Minderheitenrechte (ossetische Republik in einem bundesstaatlich organisierten Georgien). Bei der Aufnahme in den Europarat verpflichtete sich Georgien zur Beilegung der Minderheitenkonflikte, bisher sind jedoch keine nennenswerten Ergebnisse zu verzeichnen.

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