Gedichtinterpretation

Gedichtinterpretation: „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius
Bei dem Gedicht „Es ist alles eitel“, das von Andreas Gryphius im Jahre 1637
geschrieben wurde, handelt es sich um ein Sonett, das sich rund um die
Vergänglichkeit alles Irdischem dreht. Als Hauptmotiv möchte der Autor
wahrscheinlich mit diesem Gedicht verdeutlichen, dass jeder, egal ob arm oder
reich, dem Jenseits entgegen läuft. Weiters wird vor allem das „Vanitas“ Motiv
zum Ausdruck gebracht, da das lyrische- Ich durchgehend von der
Vergänglichkeit spricht.
Das Sonett, das in der Barockzeit geschrieben wurde, ist in vier Strophen
eingeteilt, von denen die ersten beiden jeweils aus vier Versen und die letzen
beiden jeweils aus drei Versen bestehen. In der ersten Strophe beschreibt der
Autor den Zerfall und die Zerstörung der Städte an. Die zweite Strophe
behandelt wiederum die gleiche Thematik der Vergänglichkeit und zusätzlich
die Zerstörung alles Schönem. Der erste Vers der dritten Strophe wirft plötzlich
dann die Frage auf, was das Leben eigentlich wirklich ist und wie die
Menschheit, also wir, es bewältigen kann und tut. Folglich darauf gibt die letzte
Strophe eine knappe Antwort darauf. Das Metrum des Gedichtes entspricht
einem sechsfüßigen Jambus, sodass man auch von einem Alexandriner
sprechen kann.
Eingeleitet wird die erste Strophe sehr aufdringlich mit einer persönlichen
Ansprache („Du…“) und geht dann sofort im Anschluss daran, schon passend
zur Überschrift, auf die „Eitelkeit auf Erden“ ein, welche natürlich nicht zu
übersehen ist: „Du siehst, wohin du siehst…“. Mit Eitelkeit ist hier
wahrscheinlich die Nichtigkeit oder Vergänglichkeit (Vanitas- Motiv) gemeint,
die durch die Antithese in den folgenden zwei Versen unterstützt wird. Diese
wollen aussagen, dass das „Schöne“ meist nur von kurzer Dauer Bestand hat
und jeder noch so schöne Moment unangekündigt zu Bruch gehen kann. Das
Wort „reißt“ in Vers 2 könnte auch auf den damaligen 30- jährigen Krieg und
dessen brutale Zerstörung hindeuten. Außerdem sind in diesem Vers die
beiden Worte „heute“ und „morgen“ gegenüber positioniert und der dritte und
vierte Vers werden mit der Zukunftsform beendet („Wo…, wird“;
„wird…spielen…“). Das wiederum könnte man als eine Wunschvorstellung
nach der Natur nach einem „leichten Leben“ deuten. Vielleicht wünscht sich das
lyrische- Ich auch einfach wieder mit einer kindlichen Leichtigkeit durchs Leben
gehen zu können.
Leider wird schon in der zweiten Strophe das schöne Bild von einer Wiese und
einem Schäferskind durch die Vergänglichkeit zerstört. Die Wiese wird
„zertreten“ und alles was jetzt schön ist wird bald zerstört (Vers 5). Speziell das
Verb „zertreten“ spricht hier wieder für einen Krieg. Besonders auffallend ist
auch, dass in den Versen vor der Zäsur (dem gedanklichen Einschnitt) im
Präsens geschrieben wird und danach aber in der Zukunft weiter geschrieben
wird. Eine mögliche Interpretation dazu ist, dass das lyrische- Ich zu
beschreiben versucht, dass das was wir heute noch als „gut“ empfinden, von
unseren Nachfolgern nicht mehr als „gut genug“ angesehen wird und deshalb
zerstört werden kann. Aber nicht nur die materiellen Dinge sind vergänglich,
sondern auch alles andere, wie das lyrische- Ich in Vers 7 „nichts ist, das ewig
sei“ sagt. Somit sind auch die Gefühle wie „Glück“ (Vers 8) leider vergänglich.
Außerdem soll der Ausdruck „Nichts ist … kein…“ Klarheit über die
Vergänglichkeit alles Irdischen verschaffen und wir mit der sogleich folgenden
Aufzählung „kein Erz, kein Marmorstein“ verdeutlicht. Der letzte Vers dieser
Strophe wird mit einer Personifikation des Glücks eingeleitet („…lacht das
Glück…“). Dieses ist jedoch nur von kurzer Dauer, da es von Beschwerden
verdrängt wird welche „donnern“ (Vers 8). Diese zweite Personifikation
(„donnern die Beschwerden“) verstärkt die Verbindung mit Krieg und Gewalt,
weil das Verb „donnern“ sofort negative Gefühle hervorruft und meist mit
Waffen in Verbindung gebracht wird. Ab der dritten Strophe kommt es zu einem
Wendepunkt der Erzählweise des lyrischen- Ich. Bislang sah er sich als
Beobachter des Geschehens, und nun aber bewertend wird, das durch das
Fragezeichen in Vers 10 und dem Ausrufezeichen in Vers 13 deutlich wird.
Weiters wird ab dem jetzigen Zeitpunkt vermehrt der Leser angesprochen. Das
erkennt man an den Wörtern wie „wir“ (Vers 11).
Vers 10 spricht auch anhand einer rethorischen Frage das Theaterspiel an, in
der das Leben als Schauspiel und der Mensch als Schauspieler gesehen
werden. Es wird gefragt, ob der „leichte Mensch“ das „Spiel der Zeit“ überhaupt
bestehen sollte. Die Metapher „das Spiel der Zeit“, welche für das Leben steht,
verdeutlicht, dass die Ziele eine wichtige Rolle im Denken der Menschen
hatten. Der letzte Vers der dritten Strophe wird von einem „Seufzer“ angeführt
(„Ach!“), welcher vermutlich die Frage nach der Bedeutung des Lebens
signalisieren soll. Gleichzeitig bezieht das lyrische- Ich wieder den Leser mit
ein, in dem er in der ersten Person Plural spricht „wir“. Die letzte Strophe gibt
dann endlich eine Antwort auf die Frage des Lebens. In einer Worthäufung
(Akkumulation) werden Begriffe wie „Schatten, Staub und Wind“ genannt, die
alle als Synonyme für „Nichtigkeit“ gelten. Weiters sind es Begriffe die
„auftreten“, wieder verschwinden und so vom Menschen nicht beeinflussbar
sind, genauso wie das Glück in Vers 13, das durch das Symbol „Wiesenblume“
dargestellt wird. Die Vergänglichkeit solcher Begriffe wird durch die
Wortwiederholung „als“ in Vers 12 und 13 miteinander verbunden. Zum
Abschluss kommt das lyrische- Ich jedoch zu der Erkenntnis, dass alles was
man als „angenehm“ oder „gut“ empfindet, vergänglich ist.
Das Andreas Gryphius das Gedicht 1637, also während des 30- jährigen
Krieges schrieb, ist es nicht verwunderlich, dass es durch und durch mit
gewaltvollen Gedanken geschmückt ist. Er schreibt so, dass man als Leser
aufgefordert wir, über sich und das Leben nach zu denken. Man sollte sich
nicht durch die vielen Qualen des Krieges selbst verloren sehen, sondern wie
im letzten Vers beschrieben wird, sich seiner Seele und Geist erfreuen, denn
diese bleibt auch im Jenseits erhalten und ist unvergänglich.

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