EXPRESSIONISMUS

HANDOUT: EXPRESSIONISMUS von Isabell Müller Der Expressionismus und seine Besonderheiten Der Begriff ,,Expressionismus” taucht zuerst im Jahr 1911 auf. Er diente zur Beschreibung der Bilder Picassos und anderen fortschrittlichen Malern. Schon bald wurde er jedoch auf die neuste Literatur übertragen, die sich das Ziel gesetzt hatte, Eindruck und Erlebnis einer als hinfällig erfahrenen Außenwelt künstlerisch umzusetzen und sie in der Hoffnung auf Erneuerung mitzugestalten. Expression bedeutet Ausdruck. Expressionismus ist die Bezeichnung der künstlerischen Epoche von 1910- 1925. Die Vertreter, der expressionistischen, neuen Literatur waren sich einig, dass die Gesellschaft veraltet ist und zu Grunde gehen müsse, um das Neue, Bessere entstehen lassen zu können. Die Expressionisten gehörten alle der jungen Generation an. Ihre Literatur sollte eine Art Aufstand der Kunst sein, ein Aufstand gegen das Alte. Es war keine Epoche der schweigenden, träumerischen Innerlichkeit, sonder die des Ausdruckes, die sich befreien wollte von den Sitten ihrer Schicht, aus der sie stammten. Die expressionistische Literatur spiegelt die Gefühle dieser Epoche wieder. Sie ist eine Reaktion auf den Naturalismus und Impressionismus. Der literarische Expressionismus blieb ausschließlich auf Deutschland beschränkt.
Die Expressionisten nutzen viele Themen als Vehikel für eine Zivilisations- und Gesellschaftskritik. Viele Expressionisten spürten die politischen Spannungen und waren Seismographen (2) für den drohenden Krieg. Sie verabscheuten stets den Krieg und nahmen eine pazifistische Haltung ein, dennoch wurde der Krieg z.B. von Georg Heym auch als letztes Mittel gesehen, um einen gesellschaftlichen Umsturz herbeizuführen. Die jungen Leute von 1911 wollten schreiben dürfen, was sie fühlten. Leider bekamen ihre Gedichte, die das Grausame dieser Zeit widerspiegelten erst während des ersten Weltkrieges Sinn. Darum nennt man den Teil der Zeit, in denen die Expressionisten bereits vor dem ersten Weltkrieg gedichtet hatten, ,,Frühexpressionismus”. Man unterscheidet dabei zwischen dem Frühexpressionismus (bis 1914) und dem der Kriegs- und Nachkriegszeit (1. Weltkrieg) Stilmittel
 Verkürzung von Sätzen (weglassen von Artikeln und Vorwörtern)
 Verbalstil (“Entsubstantivierung der Welt”, Schaffung neuer Verben: tieren, blumen, …)
 Metaphorik (sprachliches Bild)
 Allegorie
 Personifikation (Ideen, Phantasien und leblose Dinge werden als Wesen dargestellt)
 Synästhesie (Erregung eines Sinnesorgans durch einen nichtspezifischen Reiz)
 Symbole und Farbchiffren
 Wortballungen, Worthäufungen
 Kürze und Prägnanz sollen durch Vereinfachung zur Steigerung führen.
 Verfremdungseffekt z.B. Durcheinander von (Natur-)Katastrophen und Unglücken ohne Bezug zu ´einander
 Farbsymbolik
 Intensität und Radikalität
 von Formzwängen befreites Spiel mit der Sprache
 neue Wortkombinationen, Ausdrücke, Versmaß
 scharfe Ironie
 schamlose Darstellung des Peinlichen und Hässlichen
 Dadaismus und Arbeiterdichtung
 lyrisches Ich
Themen des Expressionismus
 Großstadt
 Krieg
 Weltuntergang
 Ich-Dissoziation (1)(Ich-Verlust oder auch Ich-Zerfall
 Zivilisationskritik
 Ästhetisierung des Hässlichen
Anmerkungen: 1 Mit Ich-Dissoziation werden Charaktere beschrieben, die weitestgehend keine eigene Persönlichkeit an den Tag legen oder nur auf einer sehr niedrigen Triebebene in Erscheinung treten. Historischer Hintergrund
 Der erste Weltkrieg (1914 – 1918) und seine Folgen
 Zerfall der Monarchie Österreich/Ungarn,
 Ausrufung der Republik Österreich,
 Weimarer Republik (1919 – 1934)
 Putschversuch der NSDAP (1923)
 Marokkokrise 1905/1911,
 Revolution in China (Abdankung der Mandschu-Dynastie),
 Entstehung des Faschismus (Mussolini) in Italien
 Entstehung des Nationalsozialismus in Deutschland,
 1912 Beginn Balkankrieg,
 Russische Revolution (Sturz des Zaren),
 1918 Zusammenbruch Deutschlands,
 Ende der Monarchie
 Inflation und Wirtschaftsprobleme
Autoren des Expressionismus
 Georg Heym; Der ewige Tag (1911)
 Gottfried Benn; Morgue und andere Gedichte (1912)
 Johannes R. Becher; An Europa (1916)
 Franz Werfel; Gesänge aus den drei Reichen (1917)
 Else Lasker – Schüler; Die gesammelten Gedichte (1917)
Die zeitliche Einordnung des Expressionismus Das Gründungsjahr der Künstlergemeinschaft „Brücke“ 1905 in Dresden und das Ende der revolutionären Nachkriegsunruhen um 1920 werden allgemein als Eckpfeiler für Beginn und Ende der Bewegung in Deutschland genannt. Dabei bedeutet dies keineswegs, dass nach 1920 nicht mehr expressionistisch gemalt, geschrieben oder gebaut wurde, denn einige Expressionisten sind ihrem gefundenen expressionistischen Stil ein Leben lang treu geblieben. Der Zeitraum von 1905 bis1920 meint also jene Jahre, in denen die politischen Ereignisse und das gesellschaftliche Klima im expressionistischen Stil ihren künstlerischen Ausdruck fanden, den Zeitraum wie wir heute sagen als der Expressionismus den Zeitgeist prägte.
Georg Heym: Der Gott der Stadt (1910) Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. a Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. b Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit a Die letzten Häuser in das Land verirrn. b Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal, c Die großen Städte knien um ihn her. d Der Kirchenglocken ungeheure Zahl c Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer. d Wie Korybanten-Tanz1 dröhnt die Musik e Der Millionen durch die Straßen laut. f Der Schlote Rauch, sie Wolken der Fabrik e Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut. f Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen. g Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt. h Die Stürme flattern, die wie Geier schauen g Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt. h Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust. j Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt k Enjambement Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust j Enjambement Und frisst sie auf, bis spät der Morgen tagt. k Anmerkungen
1
Wild, rituell und ekstatisch tanzende Priester der Göttin Kybele.

Ähnliche Referate

Hinterlasse eine Antwort