Scientology

Ausführliches Referat: Scientology
Scientology-Referat
Inhaltsverzeichnis:
1. Quellen zu Scientology / meine Quellen
2. Was ist Scientology?
2.1 Wer ist L. Ron Hubbard?
2.2 Die Entstehung und Verbreitung von Scientology
2.3 Scientology – ihre Philosophie / ihr Glaubensbekenntnis / ihre Ziele
2.4 Was ist Auditing? / die verschiedenen Stufen der Erleuchtung
3. Was bietet Scientology?
3.1 Beispiel „Wie erziehe ich meine Kinder? “
4. Scientology – eine gefährliche Sekte?
1. Quellen zu Scientology / meine Quellen
Auch wenn ich mir anfangs kaum vorstellen konnte, wo und wie man gute und
wertvolle Informationen über Scientology erhält, so kann ich mich
mittlerweile vor der Menge der Informationen kaum noch retten (rund 400
DIN A4-Seiten). Die Quellen zu Scientology sind – auch wenn man es schwer
glauben kann – nahezu unerschöpflich, sofern man Zugang zum Internet (=
weltweites System vernetzter Computer, dessen Größe das gesamte Wissen des
19. Jh. übersteigt) hat. Gibt man so z.B. nur einmal in eine der
unzähligen Suchmaschinen (z.B. Excite – http://www.excite.com) den
Suchbegriff Scientology ein, so erhält man insgesamt über 7000 (!)
Internet-Seiten. Zum Glück liefert nicht jede Suchmaschine so viele
Seiten, aber trotzdem fällt einem die Auswahl der richtigen Materialien
teilweise sehr schwer.
Im Endeffekt habe ich mich für folgende Quellen entschieden:
· Der Scientology-Server (http://scientology.org) – Fast alle
Informationen in diesem Referat sind von diesem Server (= Hauptrechner,
der Informationen im Internet anbietet) und müssen daher auch mit Vorsicht
genossen werden, da sie alle aus dem Blickwinkel von Scientology
geschrieben sind (An besonders extremen Stellen wird noch einmal darauf
hingewiesen). Jedoch bieten diese – auch wenn mit Sicherheit nicht
objektiven – Informationen einen guten Einblick in die Welt von
Scientology und außerdem offerieren sie eine Menge an statistischem
Material zu Scientology. (Die meisten Informationen sind in Englisch /
Französisch / Spanisch / Italienisch und vor allem auch in Deutsch
erhältlich)
· Der L.Ron Hubbard-Server (http://www.lronhubbard.org) – Die
Lebensgeschichte von L.Ron Hubbard, dem Gründer von Scientology stammt von
diesem Server. Die Informationen sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.
Zusätzlich bietet dieser Server auch noch Real-Audio-Aufnahmen von L.Ron
Hubbard und seinen Reden, die ich mir allerdings nicht angehört habe. (Die
meisten Informationen sind ebenfalls in Englisch / Französisch / Spanisch
/ Italienisch und vor allem auch in Deutsch erhältlich)
· Das Spiegel-Archiv (http://www.spiegel.de) – Die Ausgaben seit Beginn
1996 mit Inhalten über Scientology (insgesamt 30 Artikel) sind hier
abrufbar (leider mittlerweile kostenpflichtig). Insbesondere die Ausgabe
17/97 „Dein Problem, löse es“ (S. 94-99), in dem eine Aussteigerin über
den Umgang von Scientology mit Kindern eingeht, hat in diesem Referat
Verwendung gefunden.
· http://www.demon.co.uk/castle/xenu/xenu.html – The Road to Xenu by
Margery Wakefield – eine Aussteigerin berichtet auf fast 100 gedruckten
Seiten, wie es in Scientology zugegangen ist. Dieses Buch fließt in mein
Referat nur in Randgebieten ein (da nur in englisch und auf Grund der
Scientology-Terminologie recht kompliziert). Jedoch bietet es einige
interessante Informationen über den wirklichen Ablauf von Auditing und
über die höheren Stufen der Erleuchtung in Scientology (M. Wakefield hatte
bereits einen der höchsten Grade erreicht [OT3] als sie aus der Sekte
ausstieg)
· http://www.demon.co.uk/castle/xenu/scs.html – Social Control in
Scientology by Bob Penny – eigentlich der zweite Teil zu The Road to Xenu,
der genauer auf die psychologischen Methoden von Scientology eingeht.
Dieser Teil geht in mein Referat eigentlich so gut wie gar nicht ein
(ebenfalls nur Englisch und 50 Seiten stark).
· Scientology – The Fundamentals of Thought (ISBN 0-88404-341-X) – Auszüge
aus einem Buch von L. Ron Hubbard, welches ich in der amerikanischen
Bibliothek am Highland-Community-College in Freeport gefunden habe. Die
hier enthaltenen Informationen habe ich aber kaum benötigt, da der größte
Teil auch durch die Information des Scientology-Servers abgedeckt wird.
2. Was ist Scientology?
Scientology selbst beschreibt sich als „applied religius philosophy“, als
„angewandte religiöse Philosophie“. Wie man schon aus dieser Definition
sehen kann, ist Scientology sowohl eine Bezeichnung für eine Philosophie,
als auch der Name für eine Religion. Inwieweit man daraus folgend
Scientology auch als Kirche bezeichnen kann ist natürlich weitgehend
umstritten, insbesondere was steuerrechtliche Fragen in den USA angeht. So
ist Scientology am 1. Oktober 1993 in den USA offiziell als Kirche
anerkannt worden und erhielt den steuerbefreienden Status einer jeden
Organisation für soziale Verbesserung. Ob man Scientology wirklich als
„gemeinnützige Kirche“ beschreiben sollte, ist allerdings äußerst
fragwürdig.
Das Wort Scientology setzt sich aus dem lat. Begriff „scio“ und dem
griech. Begriff „logos“ zusammen und bedeutet soviel wie „Wissen über das
Wissen“ oder „wissen, wie man weiß“. Um genau zu verstehen, was
Scientology genau ist, muß man bei den Wurzeln anfangen, nämlich mit dem
13. März 1911, mit der Geburt von L.Ron Hubbard, der dann später in den
50er Jahren Scientology gründen sollte.
2.1 Wer ist L. Ron Hubbard?
L. Ron Hubbard wird am 13. März 1911 in Tilden im Bundesstaat Nebraska
(USA) geboren. Sein Vater ist Harry Ross Hubbard, ein Marine-Offizier, und
seine Mutter heißt Ledora May.
Während seiner Kindheit zieht er zusammen mit seinen Eltern mehrere Male
infolge der Marinetätigkeit des Vaters um. Zwischen 1913-1921 befindet
sich die Familie in Kalispell (Montana), wo der junge L. Ron Hubbard
bereits mit 2 Jahren Kontakt zu Schwarzfußindianern bekommt. In diesen
Jahren erfährt er auch von einem Schamanen der Schwarzfußindianer viel
über die Überlieferungen des Stammes. Mit sechs Jahren wird er dann auch
zu einem „Blutsbruder“ der Schwarzfußindianer. 1922 zieht Ron nach Puget
Sound im Staat Washington, wo er im April 1923 Mitglied der Pfadfinder von
Amerika wird. Am Ende des Jahres 1923 befindet er sich zusammen mit seinen
Eltern auf dem Weg nach Washington, D.C.. Auf dieser Schiffsreise begegnet
er Commander Joseph „Snake“ Thompson, der in Wien unter Sigmund Freud
studiert hat. Dieser lehrt Hubbard später vieles, was er von Freud über
den menschlichen Verstand gelernt hat. 1927 lernt Hubbard schon viel von
der Welt kennen, denn er besucht seinen Vater, der zu dieser Zeit auf der
Insel Guam stationiert ist. Er lernt so unter anderem schon ein wenig von
Hawaii, Japan, China, den Philippinen und Hongkong kennen. Ende September
1927 kehrt Ron nach Helena (Montana) zurück, wo er dem 163.
Infanterieregiment der National Guard beitritt. Zur selben Zeit wird er
auch Redakteur der Schulzeitung der Helena-High-School. Da er sich schon
nach kurzer Zeit in der Schule äußerst eingeengt fühlt, macht er sich
schon bald alleine wieder auf den Weg in den fernen Osten, wo er als
Steuermann und Frachtaufseher regelmäßig die Gewässer Chinas durchpflügt.
Ende September 1929 kehrt er wieder in die USA zurück und beendet diesmal
in Washington, D.C. seine High-School-Ausbildung. Anschließend studiert er
an der George Washington University Ingenieurwesen und Atom- und
Molekularphysik und beginnt mit seiner persönlichen Suche nach Lösungen
für das Elend und die Probleme des Menschen. Zwischen 1930-1933 lernt er
unter anderem Segelfliegen und Motorflug, wobei er später sogar
Kunstflug-Vorstellungen gibt. Außerdem wird er zum Herausgeber und Autor
der Universitätszeitung, gewinnt den Literaturpreis der Universität und
leitet eine karibische Filmexpedition. Im Frühjahr 1933 beginnt er dann
seine Karriere als professioneller Autor von Unterhaltungliteratur. Seine
Geschichten und Bücher umfassen sämtliche Sparten von Western-,
Detektivromanen über Liebesgeschichten bis hin zu Science-Fiction-Romanen.
In 6 Jahren schreibt er über 100 Romane und Kurzgeschichten, die auch
teilweise in Bestsellerlisten auftauchen. Am 29. März erhält er nach
mehreren Expeditionen – unter anderem nach Alaska – das Kapitänspatent für
Segelschiffe „auf allen Meeren“. Im 2.Weltkrieg übernimmt er dann auch das
Kommando über ein Konvoi-Begleitschiff, sowie später über einen
U-Boot-Jäger. Nach Ende des Krieges und Entlassung aus der Marine im
Februar 1946, wendet er sich wieder dem Schreiben zu. Sein Hauptaugenmerk
liegt aber nun wieder auf seinen Forschungen, die er bereits 1930 begonnen
hatte, nämlich wie man den Zustand der Menschen verbessern kann. Die aus
diesen Forschungen hervorgegangenen Ergebnisse wendet er dann auch zum
ersten Mal 1947 an Schauspielern in Hollywood an. Zu diesem Zeitpunkt
prägt er auch den Begriff der Dianetik (=Ergebnisse seiner Forschungen
bzgl. der Methoden zur Verbesserung der Lage der Menschen durch
Verbesserung / Reinigung des menschlichen Verstandes). So veröffentlicht
er dann auch am 9. Mai 1950 das Buch „Dianetik: Der Leitfaden für den
menschlichen Verstand“, welches 28 Wochen auf der Bestsellerliste der New
York Times zu finden ist. Im Herbst 1951 entwickelt Hubbard dann Methoden,
wie ein Mensch seine natürlichen Fähigkeiten wiedergewinnen / verbessern
kann. Diese Methoden kann man im Grunde als verbesserte /
weiterentwickelte Dianetik betrachten und daraus entwic kelt Hubbard dann
die Philosophie Scientology.
Nachdem er Scientology in den 50er Jahren gegründet hat widmet er sich bis
zu seinem Tod dann vornehmlich Scientology und deren Verbreitung, auch
wenn er bereits am 1. September 1966 von allen leitenden Posten
zurücktritt. Er entwickelt immer neue Methoden zur Verbesserung der
Lebenssituation, sowie die Praktiken, die Scientology auch noch heute
anwendet (z.B. Auditing). Außerdem erforscht er das Problem der
Drogensucht und des Analphabetentums und bietet auch dafür genaue
Verfahren zur Lösung an, die dann auch von Scientology übernommen werden.
Auch sein Leben als Autor vernachlässigt er nicht, so schreibt er unter
anderem 1980-81 den Science-Fiction-Roman „Kampf um die Erde: Eine Saga
aus dem Jahre 3000“, den größten Science-Fiction-Roman bis zu diesem
Zeitpunkt. L. Ron Hubbard stirbt am 24. Januar 1986 im Alter von 74/75
Jahren.
Wie man sieht war L.Ron Hubbard ein sehr vielseitiger Mensch,
Forschungsreisender, Musiker + Künstler, Dichter + Lyriker, Kapitän und
auch Philosoph. Betrachtet man Scientology vor dem Hintergrund obiger
Biographie, so ist es natürlich kaum verwunderlich, dass ein
wahrscheinlich sehr fähiger Mensch wie L.Ron Hubbard es geschafft, eine
Organisation zu gründen, deren Philosophie so geschickt angelegt ist, dass
immer wieder viele Menschen zu Scientology kommen und auch dort bleiben,
ohne wirklich zu merken, was mit ihnen geschieht.
Besonders interessant an seiner Biographie ist außerdem, dass einige
seiner früheren Erfahrungen auch in der Scientology-Philosophie
auftauchen. So entstammen zum Beispiel einige der Vorstellungen der
Scientology von der Welt und vom Universum aller Wahrscheinlichkeit nach
einigen von Hubbards Science-Fiction-Romanen, dazu jedoch später mehr in
Bezug auf die verschiedenen Grade der Erleuchtung und hier insbesondere
dem Grad OT3.
2.2 Die Entstehung und Verbreitung von Scientology
Eine genaues Entstehungsdatum für die Scientology-Philosopie anzugeben ist
natürlich schwierig, da Hubbard viele Jahre damit verbrachte, diese
Philosophie zu entwickeln. Jedoch gibt er im Mai 1952 öffentlich die
offizielle Gründung der Scientology-Philosophie und die Gründung des
Hubbard Internationalen Scientologen-Verbands bekannt. Dieses Datum könnte
man also als das Geburtsdatum von Scientology ansehen. Am 18. Februar
gründen dann einige seiner Anhänger die erste Scientology-Kirche in Los
Angeles. Überraschenderweise wird die nächste Kirche nicht den USA
gegründet, sondern in Auckland (Neuseeland), nämlich am 28. Januar 1955,
was wahrscheinlich damit zusammen hängt, dass insbesondere Hubbards
frühere Bücher über Dianetik (1950) und seine ersten Bücher über
Scientology weltweit sehr beliebt waren. Am 21. Juli 1955 wird die
Scientology-Gründungskirche in Washington, D.C. gegründet, die bis 1959
die Zentrale von Scientology bilden sollte. In den Folgejahren, sowie
eigentlich in den gesamten 50er Jahren werden unzählige Bücher über
Scientology &Dianetik veröffentlicht, so unter anderem im September 1956
„Scientology: Die Grundlagen des Denkens“, aber auch Bücher die auf den
ersten Blick gar nicht mit Scientology zusammenhängen, wie z.B. im
Dezember 1956 „Die Probleme der Arbeit“ oder im Mai 1957 „Alles über
radioaktive Strahlung“. Außerdem werden noch rund ein halbes Dutzend
weiterer Kirchen auf der ganzen Welt gegründet, so z.B. am 11. November
1957 in Johannesburg (Südafrika). Im Frühling 1959 kauft L. Ron Hubbard
dann das Saint Hill Manor in East Grinstead, Sussex, England, welches bis
1966 sein Wohnsitz sein sollte. Hierhin zog dann auch die Scientology
Kommunikationszentrale um und später entstand hier auch das
Saint-Hill-Scientology-College. Aber erst am 7. Juli 1969 sollte hier die
Scientology Kirche Saint Hill Europa gegründet werden, die auch heute noch
eine spezielle Bedeutung hat, da alle Kirchen, die die Größe von Saint
Hill erreichen, speziell dafür ausgezeichnet werden. Als erste europäische
Kirche wird am 26. Oktober 1959 die Scientology Kirche in Paris gegründet.
1969 entstehen auch bereits die ersten Dianetik-Gruppen in Deutschland,
bevor dann ein Jahr später am 15. Oktober 1970 die erste Scientology
Kirche in München folgen sollte. Weitere Kirchen in Deutschland werden
gegründet am 27. Mai 1980 (Berlin), 5. Mai 1983 (Hamburg), 1. März 1984
(Düsseldorf), 17. November 1988 (Frankfurt), Oktober 1989 (Hannover) und
28. Dezember (Stuttgart). Außerdem erhält die Scientology Kirche Hamburg
am 13. März 1989 die Auszeichnung für ihr Erreichen der Größe von
Saint-Hill. Zwischenzeitlich ist L.Ron Hubbard bereits gestorben, nämlich
am 24. Januar 1986, dennoch geht die Expansion von Scientology
unvermindert weiter. Es wird außerdem das Schiff „Freewinds“ gekauft und
es fährt seit seiner Jungfernfahrt am 6. Juni 1988 unter karibischer
Flagge über die Weltmeere, um es „Scientologen zu ermöglichen, fernab von
den Brennpunkten einer turbulenten Welt, die höchsten Stufen geistigen
Fortschritts zu erreichen.“
Scientology beschreibt sich selbst als „die am schnellsten wachsende
religiöse Bewegung der Welt“. Betrachtet man die Scientology eigenen
Statistiken, so läßt sich dies kaum abstreiten. Zur Zeit gibt es etwa 8
Mio. Anhänger der Dianetik und der Scientology auf der ganzen Welt, wovon
sich etwa 30.000 in Deutschland aufhalten. Laut Scientology stammen ihre
Anhänger aus allen Gesellschaftsschichten – „Bauern aus Kenia, norwegische
Fischer, Fußballspieler aus Brasilien, japanische Geschäftsleute, usw.“.
Daß sich die Scientology-Gemeinde seit ihrer Gründung in den 50er Jahren
immer stark vergrößert hat, läßt sich schon an wenigen Zahlenbeispielen
zeigen. So stieg die Anzahl der Länder, in denen Scientology Verwendung
findet, innerhalb von 20 Jahren von 17 (1970) auf ganze 74 Länder im Jahre
1992 an, wobei die Gesamtzahl der Länder, in denen Scientology angeboten
wird, 1992 schon bei 99 lag. Gleichzeitig mit der Ausbreitung über den
ganzen Erdball stieg auch die Anzahl der Kirchen, Missionen und
Organisationen von anfänglichen 5 (1950) bzw. 11 (1960) auf über 1000
(1992) an. Mit der steigenden Anzahl der Kirchen, vergrößerte sich
natürlich auch die Anzahl der offiziellen Scientology Mitarbeiter (nur
über sie sind zuverlässige Zahlen erhältlich; die Gesamtzahl der
Scientologen auf der Welt kann selbst Scientology nur schätzen) von 2.553
(1970) auf 10.224 (1990). Auch wenn sich Scientology über den ganzen
Erdball ausgebreitet hat, so befinden sich ihre Zentren jedoch eindeutig
in den USA, wo über 50% der Scientology-Mitarbeiter. Das wachsende
Interesse an der Religion Scientology läßt sich auch daran erkennen, dass
laut eigenen Aussagen mittlerweile knapp ½ Million Menschen jährlich
Scientology beitreten (1970 waren es nur knapp 90.000). Mit der wachsenden
Scientology-Gemeinde vergrößerte sich auch die Anzahl der
Auditing-Stunden, die 1990 mit 1.500.000 Stunden im Jahr für Scientology
einen ziemlich beachtlichen finanziellen Wert darstellten. Betrachtet man
auf diesem Hintergrund die Entscheidung der US-Steuerbehörde, die
Scientology als nicht kommerziell einstufte, so stellt sich für einen doch
schnell die Frage der Richtigkeit dieser Entscheidung. Nimmt man nur mal
einen Preis von 100.- pro Stunde an und in Wirklichkeit liegen die Preise
wahrscheinlich noch um ein Vielfaches höher – insbesondere was die höheren
Stufen der Erleuchtung angeht – so kommt Scientology nur allein durch
Auditing-Stunden auf 150 Mio. DM Einnahmen pro Jahr. Über die genauen
Preise oder Preise allgemein verliert Scientology jedoch kein Wort, jedoch
mußte z.B. Margery Wakefield, eine ehem. Scientologin, für einen 25
Stunden Kurs für einen der höheren Level (OT-Level) 8.000 $ bezahlen, was
einem Stundenpreis von etwa 560 DM entspricht. Dazu kommen dann u.a. noch
die Einnahmen von verkauften Zeitungen, die zusammen mittlerweile eine
ungefähre Gesamtauflage von knapp 6.000.000 haben, plus Einnahmen durch
verkaufte Scientology-Bücher. Von den Sachbuchtiteln, die L.Ron Hubbard
seit 1950 veröffentlicht hat, wurden bis heute über 60 Mio. Exemplare
verkauft, die in 31 Sprachen in 105 Ländern vertrieben werden. Verglichen
mit Shakespeare oder Agatha Christie (41 Sprachen; 2 Milliarden verkaufte
Bücher) erscheinen diesen Zahlen natürlich sehr klein, bedenkt man jedoch,
dass es sich hierbei um eine gefährliche Sekte handelt, so ist jedes
verkaufte Buch schon zuviel.
2.3 Scientology – ihre Philosopie / ihr Glaubensbekenntnis / ihre Ziele
Scientology sieht ihre Hauptaufgabe darin, „eine bessere Welt zu
erschaffen“. Dieses Ziel wird in Scientology in zwei Teilziele aufgeteilt.
Vornehmlich geht es der Scientology um den einzelnen Menschen, ihm muß
geholfen werden, er muß „geistig befreit werden, um ihn in die Lage zu
versetzen, sein Leben in den Griff zu bekommen und seine Probleme selbst
zu lösen, ihn subjektiv und objektiv ein besseres Leben zu ermöglichen“.
Das zweite Teilziel bezieht sich mehr auf die Gesellschaft, so geht es
Scientology darum, „eine Zivilisation zu erschaffen ohne Geisteskrankheit,
ohne Verbrecher und ohne Krieg, in der fähige Wesen erfolgreich sein und
ehrliche Leute Rechte haben können, und in der der Mensch die Freiheit
hat, zu größeren Höhen aufzusteigen“. Auch wenn für letzteres Scientology
kaum konkrete Möglichkeiten aufzeigt, wie dieses Ziel zu erreichen sei, so
gibt es bezüglich des ersten Punktes, der Verbesserung des Lebens des
einzelnen Menschen, eine ganze Menge Konkretes. So ist Scientology der
Meinung, dass die Menschen zuwenig über sich selbst und ihre Mitmenschen
wissen. Durch ein gesteigertes Verständnis des eigenen Ichs, der
Mitmenschen und des Universums wird man laut Scientology in die Lage
versetzt, ein glücklicheres Leben zu führen. Außerdem maßt sich
Scientology an, die Urfragen der Menschheit, wie „Woher kommen wir?“,
beantwortet zu haben, das Gleichgewicht zwischen den
Geisteswissenschaften, die lange Zeit vernachlässigt wurden, und den
Naturwissenschaften wiederhergestellt zu haben und im Gegensatz zu allen
früheren religiösen Strömungen der Vergangenheit wirksame Methoden der
Anwendung zur Verbesserung des Lebens gefunden zu haben.
Die Philosophie Scientology gründet sich auf dem Wissen und den
Erfahrungen von 50.000 Jahren religiöser Geschichte und Scientology
behauptet, dass sie das Beste aus allen religiösen Strömungen der
Vergangenheit vereinen und ihre Philosophie deshalb in vielen Punkten
nichts Neues darstellt. Dies stellt Scientology auf fast 30 Seiten unter
dem Titel „Das religiöse Erbe der Scientology“ dar, welches sich wie ein
religiöser Streifzug durch die Geschichte liest und einen fast an ein
Geschichtsbuch erinnern könnte. Jedoch ist es kaum zu übersehen, dass
Scientology die für sie wichtigen Punkte besonders hervorhebt. So macht
Scientology hier deutlich, dass viele der früheren religiösen Strömungen,
die auch zum Ziel hatten das Leben der Menschen zu verbessern, versagt
haben. Als Beispiel sei hier nur Siddharta Gautama genannt, der laut
Scientology keine wirklich nachvollziehbaren Methoden hinterließ, um den
von ihm beschriebenen höheren Bewußtseinszustand zu erreichen. Genau an
diesen Stellen setzt dann Scientology ein: „Siddharta Gautama… hat
versagt, aber wir liefern anwendbare Methoden“. Mit anderen Worten
versucht Scientology einen Vergleich zu ziehen zwischen dem, was vor
Scientology war und der Scientology Religion selbst und sie kommen immer
zu dem Ergebnis, dass entweder Scientology etwas besser gelöst hat, besser
gemacht hat oder dass Scientology im Grunde nichts Neues ist, da schon
frühere Religionen, diese Auffassungen hatten. Als Beispiel hierfür sei
nur die Magna Charta angeführt, die laut Scientology auf dem Grundsatz
basiert, dass der Mensch im Grunde gut sei, was ebenfalls ein wichtiger
Aspekt in der Scientology Philosophie ist. Außerdem ist z.B. die
Kreuzigung Christi für die Menschheit zum Symbol für den Sieg des Geistes
über den materiellen Körper geworden, was auch in der Scientology
Philosophie wieder auftaucht, dass nämlich der Geist unsterblich ist.
Wie auch die meisten anderen Religionen besitzt auch die Scientology
Religion eine Art Glaubensbekenntnis. Dieses Glaubensbekenntnis entspricht
in vielen / allen Punkten unseren Wert- und Moralvorstellungen, so ist
z.B. der erste Punkt, dass „alle Menschen, welcher Rasse, Hautfarbe oder
welchen Bekenntnisses sie auch sein mögen, mit gleichen Rechten geschaffen
wurden“. Jedoch fällt auf, dass einige der Punkte ziemlich typisch für
Scientology sind, so weist bereits der zweite Punkt deutlich darauf hin,
dass „alle Menschen unveräußerliche Rechte auf ihre eigenen religiösen
Praktiken und deren Ausübung haben.“ Außerdem wird u.a. deutlich gemacht,
dass „die Gesetze Gottes dem Menschen verbieten, das Leben seiner
Kameraden oder seiner Gruppe zu zerstören oder zu mindern“. An diesem
Punkt wird schon der Gruppenzwang in Scientology deutlich, der es vielen
erschwert aus dieser Sekte zu entkommen und außerdem wird deutlich, dass
Scientology auch an Gott glaubt. Scientology ist also nur in dem Sinne
eine Religion, inwieweit man es auf das Irdische bezieht. Versteht man
Religion als den Glauben an etwas alles lenkende / erlösende Überirdische,
so ist die Bezeichnung Religion für Scientology nicht zutreffend.
Scientology selbst versteht unter dem Begriff Religion jedoch vornehmlich
die Auswirkungen auf den Menschen, dass nämlich Religion den Menschen
helfen soll ein besseres erfülltes Leben zu führen. Für Scientology ist
Religion nicht gleich Glauben, denn in „Scientology muß man nichts
glauben, da die Wahrheiten für sich sprechen.“ Genau hier läßt sich dann
auch der Punkt finden, warum sich Scientology allen anderen Religionen
überlegen fühlt, da zum einen alle anderen Religionen auf Glauben
basieren, währenddessen Scientology auf „Tatsachen“ basiert und dass zum
anderen Scientology anwendbare Methoden zur Verbesserung des Lebens
anbietet, was allen anderen Religionen meistens fehlt. Scientology kann
nun nach eigenen Aussagen „dem Krieg, der Kriminalität und der
Geisteskrankheit ein Ende setzen und die abwärtsgehende Spirale des Lebens
unserer Erde umkehren“.
Recht interessant sind auch der Ehrenkodex und der Kodex eines
Scientologen, da sie einen guten Einblick in die Einstellung zum Leben
eines wahren Scientologen bieten. So geht es Scientology vornehmlich
darum, ihre Mitglieder zu skrupellosen Egoisten zu erziehen, die nur
Scientology Rechenschaft schuldig sind. Ziel dieser Umerziehung ist es
natürlich, die Mitglieder von der Außenwelt zu isolieren, so dass sie sich
voll und ganz auf Scientology und die Durchsetzung ihrer Ziele
konzentrieren. So beinhaltet der Ehrenkodex z.B. Punkte wie „Ziehe nie ein
Treueversprechen zurück“, „Verlasse niemals eine Gruppe, der du deine
Unterstützung schuldest“, „Deine Selbstbestimmung und deine Ehre sind
wichtiger als dein unmittelbares Leben“, „Sehne dich nicht danach, gemocht
oder bewundert zu werden“ oder „Fürchte dich nie davor, einem anderen in
einer gerechten Sache weh zu tun“. Der Kodex eines Scientologen enthält
dann die Regeln bezüglich dem Verhalten gegenüber der Gesellschaft. Einige
dieser Punkte wie z.B. „Wahrhaft humanitäre Bestrebungen auf dem Gebiet
der Menschenrechte sind zu unterstützen“ oder „Die Religionsfreiheit ist
zu unterstützen“ sind durchaus gut und entsprechen auch unseren
Vorstellungen, jedoch gibt es auch ganz andere Scientology typische
Punkte, wie „Die Größe und Stärke der Scientology auf der ganzen Welt ist
anzuheben“ oder „Scientology-Organisationen und -Gruppen sind darin zu
unterstützen, sich mit öffentlichen Gruppen zu verbünden“. An diesem
letzten Punkt wird vor allem auch deutlich, was in Deutschland zur Zeit
heiß diskutiert wird, ob nämlich Scientology Einfluß auf den Staat nimmt.
Ich denke dieser Punkt zeigt die Absichten von Scientology sehr deutlich.
Was Scientology nun genau erreichen will ist schwer zu sagen, jedoch gibt
es ein paar erklärte Ziele, so suchen sie keine Revolution, sondern nur
Evolution für die einzelnen Menschen und für die Gesellschaft („WE SEEK NO
REVOLUTION. WE SEEK ONLY EVOLUTION TO HIGHER STATES OF BEING FOR THE
INDIVIDUAL AND FOR SOCIETY“). Außerdem sind sie davon überzeugt, dass sie
ihre Ziele erreichen werden, sie niemals untergehen werden und dass sie
ihrem Ziel mit jeder Revolution auf der Erde ein Stück näher kommen („WE
ARE ACHIEVING OUR AIMS“; „THE SUN NEVER SETS ON SCIENTOLOGY“; „AND WE WILL
SUCCEED, AND WE ARE SUCCEEDING AT EACH NEW REVOLUTION OF THE EARTH“) und
dass ihre Ziele einfach, aber dafür großartig sind („OUR AIMS ARE SIMPLE,
IF GREAT“). Diese Ziele, die L.Ron Hubbard damals verfaßt hat, zeigen
deutlich auf, dass Scientology sich über den ganzen Erdball ausbreiten
möchte und alle anderen Religionen am liebsten verdrängen möchte. Mit
welcher Absicht sie dies tun, ist natürlich reine Spekulation – ist es
Geld, Macht oder wirklich die Ideologie, die allen ein besseres Leben
verspricht, L.Ron Hubbard mag die Antwort gewußt haben, wir werden sie
wahrscheinlich nie erfahren.
2.4 Was ist Auditing? / die verschiedenen Stufen der Erleuchtung
Das Hauptziel von Scientology ist es, den Menschen zu einem höheren
Bewußtseinszustand zu verhelfen und Auditing ist nun der exakte Weg, um
dieses Ziel zu erreichen. Das Ziel von Auditing ist es „Persönlichkeit und
Fähigkeit eines Menschen wiederherzustellen“. Auditing beschreibt
Scientology als „einzigartige Form der persönlichen Beratung“, welches
einem präzisem und exaktem Ablauf folgt. Auditing ist im Prinzip nichts
anderes als ein Besuch bei einem Psychiater, auch beim Auditing sitzen
sich ein „Psychater“, Auditor genannt, und ein Patient, Preclear genannt,
gegenüber und unterhalten sich. Der einzige Unterschied besteht jedoch
darin, dass der Auditor für jede seiner Stunden einen vorher festgelegten
Fragenkatalog hat. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass der
Preclear an eine Art Lügendetektor, einem sogenannten E-Meter
(E=Emotions), angeschlossen ist. Dieser dient nun nicht dazu,
herauszufinden, ob der Preclear die Wahrheit sagt oder nicht, denn die
meisten Fragen sind so gestellt, dass der Preclear selbst nicht genau
wissen kann, was richtig oder falsch ist. So stellt der Auditor z.B.
Fragen, wie „Erinnerst du dich an deine früheren Leben?“ und mit Hilfe
dieses E-Meters wird dann z.B. das genaue Datum bestimmt („War es vor oder
nach Christus? – Vor 1000 oder nach 1000?…“). Angeblich soll man auf
diese Weise wirklich mehr über sich und sein früheres Leben herausfinden.
In Wirklichkeit dient dieses Verfahren Scientology aber wahrscheinlich nur
dazu mehr über ihre Mitglieder zu erfahren und sie damit verwundbar zu
machen. Stellt sich ein Preclear z.B. vor, dass er in einem früheren Leben
ein Pirat war so sagt dies etwas anderes über den Menschen aus, als wenn
er sich als königlicher Berater der Majestät vorstellt. Die genaue
Interpretation hiervon sei aber den Pädagogik-Studenten überlassen. Laut
Scientology dient jeder Auditing-Prozeß dazu, dass jeder einen bestimmten
Bereich seines Lebens inspiziert. Auditing kann somit jeden aus einem
Zustand geistiger Blindheit zur strahlenden Freude geistigen Daseins
erheben. In Wirklichkeit werden dem Preclear aber nur auf äußerst
geschickte Weise Lügengeschichten aufgetischt, die ihn z.B. als
glorreichen Kriegsherren in einem früheren Leben darstellen, und da dies
aus dem Preclear selbst kommt und der Auditor nur Fragen stellt, glaubt
der Preclear nun auch wirklich daran, ein Kriegsherr gewesen zu sein, er
glaubt nun daran, dass Scientology ihm etwas gebracht hat.
Auditing teilt sich in verschiedene Stufen der Erleuchtung / der Reinigung
des Geistes auf, die sogenannten erweiterten Grade der Erleuchtung. Um so
höher man im Grad steigt, desto zufriedener wird man, da man immer mehr
über sich und seine Umwelt versteht und da alles Negative ausgelöscht
wird.
Der erste Schritt zur vollständigen Erleuchtung ist der sogenannte
„Erweiterte ARC Straightwire“. ARC steht für Affinity [Zuneigung;
Emotionen] Reality [Wirklichkeit; in Scientology ist alles das
Wirklichkeit, worüber sich Scientology einig ist, dass es wirklich ist;
What we agree to be real is real] Communication [Kommunikation] und
bezieht sich auf das sogenannte ARC-Triangle, welches das Zusammenwirken
der drei Hauptelemente des Lebens (Affinity, Reality, Communication)
darstellt. Ziel dieses ersten der sechs Grades der Erleuchtung ist die
Erforschung des Erinnerungsvermögens und der Fähigkeit des Verstandes und
dass der Preclear beginnt sich selbst wirklich zu mögen.
Der zweite Grad ist der sogenannte „Erweiterte Grad 0“, dessen Ziel es
ist, den Menschen zu befähigen zu kommunizieren. Auch wenn ein jeder
Mensch sprechen kann, so verblaßt doch die Fähigkeit des Kommunzierens mit
der Zeit und die Menschen ziehen sich zurück. Ziel dieses zweiten Grades
ist es nun, alle Hindernisse aus dem weg zu räumen, die ein Mensch mit der
Kommunikation mit seinen Mitmenschen hat.
Bis zu diesem Punkt läßt sich im Prinzip auch noch nichts gegen Auditing
sagen, jedoch behandelt nun der dritte Grad, der „Erweiterte Grad 1“, die
Probleme die jemand im Leben hat. Die Prozesse dieses Grades verleihen
einem die Fähigkeit die Wurzeln eines jeden Problems zu finden und laut
Scientology hören diese Probleme – egal wie groß – auf Probleme zu sein,
sobald man ihre eigentliche Ursache erkannt hat – die Probleme
verschwinden. Dies klingt zwar sehr gut, jedoch muß man sich im Klaren
darüber werden, was hier Scientology meint, dass man nämlich „Probleme mit
einem Blick zum Verschwinden bringen soll“ – dass man sie im Prinzip
einfach vergessen soll.
Ab dem vierten Grad, dem „Erweiterten Grad 2“, wird dann zum ersten Mal
das deutlich, was wir im Allgemeinen als Gehirnwäsche bezeichnen. Die
Prozesse in diesem Grad „löschen nämlich die Feindseligkeiten und Leiden
aus einem Leben aus und entlasten den einzelnen von den Auswirkungen der
Taten, die ihn in der Vergangenheit festnageln.“ Mit anderen Worten hast
du z.B. jemanden umgebracht und du bereust dies, dann vergiß es. Diese
Gehirnwäsche die hier stattfindet dient natürlich hauptsächlich dazu, zu
verhindern, dass die Scientology Mitglieder sich an ihre Vergangenheit in
der Freiheit erinnern und eventuell dann wieder aus Scientology austreten.
Der „Erweiterte Grad 3“ führt dieses dann noch weiter, in ihm soll man
sämtliche einschneidenden Erlebnisse in der Vergangenheit vergessen, damit
man der Zukunft besser ins Auge sehen kann und sich auf sie ganz und gar
konzentrieren kann.
Der „Erweiterte Grad 4“ vollendet dann die Gehirnwäsche, indem die
Preclears sich nun auch von den Gedanken- und Verhaltensmustern der
Vergangenheit lösen sollen, da diese angeblich die eigenen Fähigkeiten
einschränken. Daher führt Auditing nun dazu, diese eingeschränkten
Fähigkeiten zu befreien und sie wiederherzustellen. Dies sind die
ursprünglichen 6 Grade der Erleuchtung / der Gehirnwäsche. Darüber hinaus
gibt es noch den Zustand „Clear“ und den Zustand des „Operierenden
Thetan“.
Um ein „Clear“ zu werden, muß man seinen „reaktiven Verstand eliminiert
haben“, was bedeutet, dass seine „Reiz-Reaktions-Mechanismen“, die
negative Emotionen auslösen können, abgeschaltet werden. Mit anderen
Worten ist also ein „Clear“ jemand, der nicht auf etwas reagiert, sondern
dass alles, was er tut, aus sich selbst heraus kommt, er also agiert (oder
er sich zumindest einredet, dass er agiert und nicht reagiert). Ist ein
Mensch einmal Clear so erhält er das Clear Armband und ab diesem Zeitpunkt
wird er auch nicht mehr in seinen reaktiven Verstand zurücksinken, was
bedeutet, ist man einmal Clear so bleibt man dies auch. „Wenn der reaktive
Verstand beim Klären eliminiert wird, erreichen wir nicht nur die
Auslöschung dessen, was das Böse im Menschen zu sein scheint, sondern wir
überwinden auch die Barrieren, die es so schwierig machen, völlige
geistige Unabhängigkeit und Ausgeglichenheit zu erreichen.“
Über diesen Zustand „Clear“ gibt es dann noch den Zustand völliger
geistiger Freiheit, nämlich den Zustand des „Operierenden Thetan“ (Thetan
= Geist; geistiges Wesen). Scientology definiert diesen Zustand als
„bewußt und willentlich Ursache über Leben, Denken, Materie, Raum und
Zeit“. Auch für diesen Zustand gibt es wieder ein Armband. In dieser Phase
des Auditings in den sogenannten OT-Stufen, die jeweils aus Solo-Auditings
bestehen, was bedeutet, dass man sein eigener Psychologe ist und nur die
Materialien gestellt bekommt, beschäftigt sich nicht mehr mit den
Problemen des eigenen Ichs, da diese ja schon in vorherigen Graden
beseitigt wurden, sondern mit der Unsterblichkeit als geistiges Wesen, mit
dem Thetan in Beziehung zur Ewigkeit. Hier erfahren die Scientologen erst
die eigentliche Grundphilosophie von Scientology und die Vorstellungen
über das Universum. Diese Dokumente sind jedoch streng geheim und man
erhält nur von den wenigen Aussteigern, die es in Scientology bis hierhin
gebracht haben, Informationen darüber. So bietet z.B. Margery Wakefield
einige interessante Beispiele aus ihrem OT3-Kurs. So beinhaltet das
Material, was ihr gegeben wurde, eine recht kuriose
Science-Fiction-Geschichte, die aber für real angenommen werden soll.
Danach hat angeblich vor 95 Millionen Jahren der Leiter der galaktischen
Föderation (76 Planeten), ein Wesen namens Xenu, die geistigen Wesen, die
Thetanen, auf der Erde versammelt. Danach hat er dann mehrere Atombomben
auf diese abwerfen lassen, so dass die Körper dieser geistigen Wesen
zerstört wurden. Da aber der Geist unsterblich ist, hat dieser überlebt
und als dann Millionen Jahre später die Menschheit entstand, da verbanden
sich diese Geister mit den Menschen, so dass heutzutage ein jeder Mensch
aus zwei Teilen besteht, dem eigenen Ich und dem 95 Millionen Jahre alten
Thetan, der darauf wartet erlöst zu werden, so dass er in seinen eigenen
Körper zurückwandern kann. Das Ziel der Scientology ist es nun, dass diese
geistigen Wesen, den menschlichen Körper verlassen und ihren eigenen
Körper wiedererlangen. Diese Geschichten klingen wirklich wie schlechte
Science-Fiction-Romane und es ist kaum zu begreifen, warum es Menschen
gibt, die diesen Schwachsinn glauben. Dennoch zeigt die Tatsache, dass
Scientology es schafft, Menschen dazu zu bringen, dieses zu glauben, dass
sie sie vollkommen im Griff haben, dass Scientology mit ihrer Gehirnwäsche
so erfolgreich war, dass sie fähig sind ihre Mitglieder das tun zu lassen,
was sie für richtig halten. Da ist es auch kaum verwunderlich, dass in den
höheren Stufen der Erleuchtung, noch über OT3, angeblich auch
Selbstmordtraining betrieben wird, um auch den letzten eigenen Willen, den
Willen des Überlebens zu brechen.
3. Was bietet Scientology?
Scientology bietet, wie schon mehrfach erwähnt, konkrete Lösungen für die
Probleme der Menschen. So gibt es auf der ganzen Welt, mehrere sog.
Narconen-Organisationen, die die Drogenabhängigkeit bekämpfen. Laut
Scientology soll dies auch äußerst erfolgreich geschehen. Außerdem gibt es
auch noch Organisationen zur „Bekämpfung“ des Analphabetentums oder auch
ganz einfache Nachhilfeinstitute.
Was diese einzelnen Organisationen genau machen und inwieweit ihre Taten
auch aus unserer Perspektive als gut zu bezeichnen sind, kann ich nicht
sagen. Es gibt aber darüber hinaus eine Menge Literatur von Scientology,
die Lösungen zu allen möglichen Problemen der Menschheit aufzeigt. So gib
es u.a. Texte über Probleme am Arbeitsplatz, Studier-, Lernschwierigkeiten
und auch ein Leitfaden über die Erziehung von Kindern. Die meisten dieser
Texte sind so ausgelegt, dass man nicht auf Anhieb erkennen kann, dass sie
von Scientology sind. Die meisten Aspekte in diesen Texten entsprechen
auch unseren Vorstellungen, jedoch gibt es überall ein paar Punkte, die
für Scientology typisch sind. Am besten lassen sich diese Punkte an dem
Text „Wie erziehe ich meine Kinder“ erkennen.
3.1 Beispiel „Wie erziehe ich meine Kinder? “
Die Erziehung von Kindern in Scientology beschränkt sich eigentlich auf
einen Punkt, nämlich gehe mit ihnen so um, wie mit einem Erwachsenen. Für
Scientology sind Kinder „kleine Erwachsene, die ihre Probleme, ihre
Wünsche und Sehnsüchte selbst mit sich ausfechten“. Mit anderen Worten
basiert also die ganze Erziehung auf einer sehr liberalen anti-autoritären
Erziehung. So sollten einem Kind weder Vorschriften, noch Regeln gemacht
werden, er muß seine Erfahrungen selbst machen. Man soll ihm also so z.B.
nicht vorschreiben, irgend etwas nicht zu tun, weil er sich verletzen
könnte, sondern er muß diese Erfahrung selbst machen. Dies geht dann zum
Teil soweit, dass ein Jugendlicher, der z.B. offen Selbstmordgedanken
hegt, mit einem „Das liegt allein in deiner Verantwortung“ begegnet wird.
Ebenso sind Sachen, die man einem Kind schenkt dann auch sein Eigentum,
was bedeutet, dass man ihm bezüglich dieses Eigentums auch nichts mehr
vorschreiben darf und dass zum anderen falls das Kind dieses kaputt macht,
das allein in seiner Verantwortung liegt und dies die Eltern nicht zu
kümmern hat. Genau so muß man dem Kind das Recht gewähren, seinen Beitrag
zu leisten, was bedeutet, dass man ihm z.B. nicht das Rasenmähen
vorschreiben darf, sondern man ihn alleine auf die Idee kommen lassen muß,
dass er etwas zur Familie beitragen sollte. Da nun die ganze Verantwortung
für alles und jedes auf dem Kind liegt, so ist es unter Scientologen auch
üblich, dass ein Kind, sofern es Schreiben kann, auch selbständig sich zur
Schule o.ä. anmelden muß. Jeder einzelne Erziehungsschritt wird in diesem
Text dann noch z.B. mit einem „Wie würden sie sich als Erwachsener fühlen,
wenn ihnen einer etwas verbieten würde? “ erläutert. Wie schon oben
gesagt, basiert dies natürlich alles auf der Annahme, dass Kinder im
Grunde schon Erwachsene sind oder wie Scientology es ausdrückt, Erwachsene
und Kinder sind beide geistige Wesen.
Die Richtigkeit dieser Erziehungsmethoden ist natürlich äußerst
fragwürdig, jedoch erfüllt sie für Scientology mit Sicherheit ihren Zweck.
4. Scientology – eine gefährliche Sekte?
Nachdem ich mich nun unzählige Stunden im Internet aufgehalten habe,
Hunderte von Seiten teilweise oder ganz gelesen habe, mit Sicherheit an
die 1000 Blatt Druckerpapier verbraucht habe und nun auch dieses
13-seitige Referat geschrieben habe, so muß ich doch feststellen, dass
Scientology in Wirklichkeit noch viel gefährlicher ist als je angenommen
hätte. Jede andere Sekte ist im Gegensatz zu Scientology fast harmlos, da
man bei anderen Sekten entweder die Absichten meist rechtzeitig erkennen
kann oder ihr Einflußgebiet nur relativ klein ist. Scientology hingegen
ist nicht nur zum einen weltweit tätig, sondern auch häufig versteckt, so
dass man nicht erkennen kann, ob z.B. ein Nachhilfeinstitut von
Scientology ist oder nicht. Ein weiteres Problem liegt darin, dass neue
Scientology Mitglieder, oder diejenigen, die nur mal reinschauen möchten,
nicht damit begrüßt werden, dass sie Tausende von Mark zu bezahlen haben
oder wie in okkulten Sekten, dass z.B. alles darauf hinausläuft, einen
großen Dämonen zu beschwören. Scientology beginnt so z.B. mit einem
einfachen Psycho-Test, der dann offenbart, dass man in gewissen Bereichen
des Lebens Probleme hat. Hat man so z.B. Lernschwierigkeiten, so wird
darauf hingewiesen, dass einem Scientology dabei helfen kann und man
bietet dir vielleicht direkt etwas Fachliteratur an. Da man diese
Literatur dann meistens nicht auf Anhieb versteht, erklärt einem dann der
Scientology-Mitarbeiter, dass man dieses ebenfalls beheben könnte und
irgendwann kommt es dann auch zu den ersten Auditing-Stunden und schneller
als man glauben mag, ist man dann ein Scientology-Mitglied. Ist man sich
seiner selbst noch gewahr und hat die Gehirnwäsche keinen Erfolg gehabt,
kann man sich glücklich schätzen, aber ein Entkommen ist natürlich sehr
schwierig, insbesondere deswegen weil Scientology einen ja schließlich
weltweit verfolgen kann und dies auch tut.
Ein weiterer Aspekt, der Scientology so gefährlich macht, ist ihre enorme
Ausbreitung, die sie schon fast zu einer nicht aufhaltbaren Bewegung
werden läßt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Ausbreitung nicht in dem
Maße weiter fortschreitet, wie dies bisher geschah, denn ansonsten dauert
es wahrscheinlich nicht mehr allzu lange bis alle Regierungen der Welt von
Scientologen kontrolliert werden und was dann passiert male ich mir lieber
nicht aus. Inwieweit Scientology schon heute Einfluß auf die Regierungen
und staatlichen Organisationen hat, ist nicht bekannt, jedoch ist es
äußerst verwunderlich, dass die Entscheidung in den USA, die Scientology
als Kirche anerkannte, äußerst plötzlich geschah. Vielleicht hat
Scientology in den USA schon mehr Einfluß auf Staat und auch v.a.
Wirtschaft als wir denken. Man stelle sich nur mal vor, was geschehen
würde, wenn an der Spitze aller wichtigen Wirtschaftskonzerne eines Landes
Manager sitzen, die auch gleichzeitig Scientology angehören (Manager
bilden den größten Teil der Scientology-Mitglieder) – Scientology hätte
die totale Kontrolle über diesen Staat.
© by Sven Schreiter in 2001

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