Naturalismus

Naturalismus (1880-1900)
1.Naturalismus im Allgemeinen
Michael Georg Conrad:
“Ich fordere von der Literatur, dass sie ihren Schwerpunkt nicht mehr in der Erfindung
und Führung einer mehr oder weniger spannenden, den blöden Leser in Atem haltenden
Fabel, sondern in der Auswahl und logischen Folge der dem wirklichen Leben
entnommenen Szenen hat.”
– Naturalismus gibt Abschnitte der Wirklichkeit naturgetreu wieder
– Schließt an Realismus an, hat aber Bezug auf das Negative in der Wiedergabe
– Hält sich für die einzige Wissenschaft, die sich mit der Realität befasst
– Im Allgemeinen Bezeichnung für jegliche Art von Literatur, die ohne Stilisierung,
Überhöhung oder Beschönigung außersprachliche Mittel exakt die Wirklichkeit
abzubilden sucht
– Schildert den Menschen in seiner Abhängigkeit zum Milieu (Umgebung) und seinem
Erbanlagen
– Dauerte von 1880-1900
2.Historischer Hintergrund
– Fortschritte in den Naturwissenschaften
– Industrielle Revolution
– Vererbungslehre
– Bismarcks Sozialistengesetze 1878 und Sozialgesetzgebung 1883-89
3.Inhalt naturalistischer Werke
– zeitkritische Literatur
– das Hässliche, das Triebhafte und die Trostlosigkeit des Daseins in den Mittelpunkt
– wirtschaftliches und moralische Elend,
– die Situation in den Großstädten/ das Milieu der Fabriken und Kneipen
– Gesellschaftskritik/ Humanität und Toleranz
– Interesse am Sozialismus,
– Milieutheorie
4. Grundidee und Stil des Naturalismus
– möglichst genaue Wiedergabe der Natur
– Arno Holz: Kunst = Natur-x
– Wilhelm Bölsche: Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Poesie 1887
– Vollständige Beschreibung der Umwelt
– Bei Aufführungen: genaue Regieanweisungen
– Häufig Dialekt und Umgangssprache
5. Vertreter des Naturalismus
· Emile Zola: Experimentalroman, Nana
· Henrik Ibsen: Nora oder ein Puppenheim, Gespenster, Hedda Gabler
· Gerhardt Hauptmann: Bahnwärter Thiel, Die Weber, Der Biberpelz, Die Ratten
· Arno Holz: Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze
· Johannes Schlaf: Meister Oelze
· Arno Holz und Johannes Schlaf: Papa Hamlet
6.Gerhart Hauptmann
– lebte von 1862 – 1946
– deutscher Schriftsteller, Angehöriger der Bürgerschicht
– erhielt 1912 den Literaturnobelpreis
– das Drama „Die Weber“ ist eine literarische Aufarbeitung des Weberaufstandes von
1844 in Schlesien
– G. Hauptmanns Großvater war aktiv an diesem Aufstand beteiligt gewesen
 Hauptmann hörte schon als kleiner Junge vom Elend und der Not der schlesischen
Weber
– 1890: Studienreisen in die Weberdörfer  elende Situation unverändert
 literarische Verarbeitung in „Die Weber“
– andere bedeutende Werke:
 „Bahnwärter Thiel“ 1888 (episches Werk)
 „Vor Sonnenaufgang“ 1889 (Drama)
7. Bahnwärter Thiel (Inhalt)
siehe Folie
8. Merkmale des Naturalismus bei Bahnwärter Thiel
– Antiheld als Hauptfigur
– Milieuzugehörigkeit der Hauptpersonen, in der sie gefangen sind und die ihr Leben
bestimmt
– sehr genaue und detaillierte Beschreibung des Geschehens
– Darstellung des Alltäglichen, Niedrigen, Hässlichen (bewusste Betonung des Elends)
– Dominanz der Triebhaftigkeit
– Sekundstil
– Ziel der Novelle: Arbeiterelend soll in bürgerlichen Kreisen angeprangert werden

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