Kastraten

Kastraten
In der Musik meint man mit einem Kastraten, einen Sänger, dem man
zum Erhalt seiner hellen Jungen-Stimme vor der Pubertät,
normalerweise mit 7 bis 8 Jahren, die Hoden entfernte.
Die Hoden stellen die für den Stimmbruch benötigten Hormone her.
Fehlen diese Hormone bleiben die Stimmbänder unverändert, der
Brustkorb und die Lunge wachsen jedoch wie bei einem normalen
Mann.
So erhält die Stimme eines Kastraten die Kraft eines normalen Mannes
bei einer Tonhöhe eines Kindes.
Die Anfänge der Kastration sind auf italienische Konservatorien
zurückzuführen.
Vor der Erfindung dieser Konservatorien legte man ungewollte Babys
vor die Türen einer Kirche.
In den Konservatorien erhielten die Waisenkinder eine musikalische
Ausbildung, um später in der Messe singen zu können.
Später wurden die Konservatorien zu einer Art Musikschule.
Mit einem Zitat aus dem ersten Brief des Apostels an die Korinther
verbot man den Frauen in der Kirche zu singen.
So kam es zu Problemen bei der Verteilung der Stimmen.
Da Frauen nicht singen durften, ließ man Jungen die Sopran- und Alt-
Stimmen singen.
Da die Zeit bis zum Stimmbruch aber nicht ausreichte, um aus den
Jungen gute Sänger zu machen, kastrierte man sie.
Obwohl die Kirche die Kastration ablehnte und es auch in ganz Italien
verboten war, sangen um 1600 schon Kastraten in der päpstlichen
Kapelle.
Man erfand Gründe, warum man die Jungen kastrieren musste, um
einer Strafe zu entgehen.
So zum Beispiel sagte man bei Farinelli, eigentlich Carlo Broschi, dass
er nach einem Sturz vom Pferd kastriert werden musste.
Die Kastraten sangen aber nicht nur in der Kirche.
So wurden Kastraten auf vielen Opernbühnen in ganz Europa
bevorzugt.
Das war auch der Grund, warum viele arme Familien ihre Söhne
kastrieren ließen.
Es ist jedoch ungewiss, wie viele Jungen diesen Eingriff nicht
überlebten.
Heiraten war Kastraten untersagt.
Bartolomeo Sorlisi schaffte es trotzdem zu heiraten, es gab aber immer
wieder Ärger mit der Kirche.
Caffarelli
Caffarelli, eigentlich Gaetano Majorano
wurde am 12. April 1710 in Bitonto bei Bari geboren.
Den ersten Musikunterricht erhielt Caffarelli bei einem nicht näher
bekannten Maestro Caffaro.
Im Alter von etwa neun Jahren ließ Caffarelli sich auf eigenen Wunsch
kastrieren und wurde in Neapel Schüler von Nicola Porpora.
Sein ersten Einsatz erhielt Caffarelli in Rom, wo er im Karneval 1726 in
der Oper Valdemaro von Domenico Sarro autrat. In den folgenden
Jahren eroberte Caffarelli die Bühnen, wobei er mehrmals gemeinsam
mit seinem großen Rivalen Farinelli auftrat. Nach dessen Abschied von
der Opernbühne war Caffarelli unangefochten der berühmteste Sänger
Italiens.
1738 folgte er einer Einladung an das von Georg Friedrich Händel
geleitete Haymarket Theater in London, wo er in den Uraufführungen
von Händels Opern Faramondo und Xerxes mitwirkte.
Er starb am 31. Januar 1783 in Neapel.
Farinelli
Farinelli, der mit bürgerlichem Namen Carlo Broschi hieß, wurde am
24. Januar 1705 in Andria geboren. Sein Vater, Salvatore Broschi und
seine Mutter Caterina Barrese lebten die meiste Zeit in Neapel, kamen
aber aus Andria.
Farinelli war das jüngste von drei Kindern. Sein Bruder Riccardo wurde
1698 und seine Schwester Dorotea 1701 geboren.
1707 zog die Familie Broschi nach Barletta.
Farinelli wurde von Bruder und Vater in musikalischen Grundlagen
ausgebildet.
Bereits im Alter von sechs Jahren zeigten sich bei Farinelli erstaunliche
stimmliche Fähigkeiten.
Kurz vor oder nach seiner Ankunft in Neapel 1714, fand Farinellis
Kastration statt.
In Spanien, das er ursprünglich nur für fünf Monate hatte besuchen
wollen, blieb er schließlich fast fünfundzwanzig Jahre (1737-1759).
Seine Stimme wurde von der Königin eingesetzt, um die Schwermut von
Philipp V. von Spanien zu heilen. Er war klug und bescheiden genug,
diese Macht nur diskret einzusetzen. Zehn Jahre lang musste er dem
König Nacht für Nacht stets die gleichen sechs Lieder vorsingen.
Er starb am 15. Juli 1782 in Bologna.
Moreschi
Alessandro wurde 1858 in Montecompatrio geboren.
Im Alter von 25 Jahren trat er dem Chor der sixtinischen Kapelle bei.
Aufgrund seiner besonderen Stimme wurde er auch als Solist des
Chores eingesetzt.
Ab 1898 leitete er den Chor als Dirigent. Obwohl Papst Pius X. im Jahr
1904 Kastraten im päpstlichen Chor verbot, durfte Moreschi bleiben.
Moreschi starb im Alter von 64 Jahren (1922) in Rom. Zu seiner Zeit war
er unbeachtet und kaum bekannt. Dennoch wurde er nach seinem Tod
durch insgesamt 17 Aufnahmen von 1902 und 1904 als letzter Kastrat
berühmt.
Porpora
Nicola Antonio Porpora wurde am 17. August 1686 in Neapel geboren
und starb am 3. März 1768 ebenfalls in Neapel.
Er war der Gesangslehrer von Caffarelli und Farinelli.
Der Legende nach war sein einziges Unterrichtsmaterial eine Seite mit
Tonleiterübungen.

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