Hausaufgabe: Textanalyse

Hausaufgabe: Textanalyse
In der Kurzgeschichte „Apotheke Vita Nova“ von Josef Reding geht es um die
stille Verantwortung gegenüber fremden Menschen.
Es gibt in der Geschichte lediglich eine Hauptperson, den Ex-Häftling
Munnicher. Weiterhin spielt ein Mädchen und der einarmige Apotheker eine
wesentliche Rolle. Munnicher fühlt sich unnützlich. Dies wird vom Autor
besonders in Zeile 10 verdeutlicht. („…zertretene, weggeworfene
Menschenpflanze Munnicher.“) Da er sich nach seiner Haft nicht wieder in die
Gesellschaft eingliedern konnte, wollte er sich das Leben nehmen. Es scheint,
als hätte die Inhaftierung ihm die Kraft und Lust am Leben genommen. Im Text
wird geschildert, dass seine blasse Haut nach Sonnenstrahlen schreit.
Außerdem stellt sich das Leben der Hauptperson nach der Entlassung aus der
Haft dunkel da. Er glaubt, dass für ihn erst die Sonne wieder aufgeht, wenn er
sich seinem Leben ein Ende gesetzt hat („Aber heute Nacht kommt die Sonne
ja.“ Zeile 23). Des Weiteren denkt er, dass er eine Art Wiedergeburt erleben
wird, wenn er das Gift nimmt („Dann kommt die große Helle von innen.“). Der
Apotheker, zu dem Munnicher kommt um das Gift zu kaufen, durchschaut
den Plan von ihm anhand des abgegriffenen Zettels, worauf der Name des
Giftes steht. Es scheint, als weiß er sofort, dass Munnicher diesen Zettel schon
oft in der Hand hielt. Dies lässt darauf schließen, dass Munnicher schon oft kurz
davor war sich das entsprechende Pflanzengift zu kaufen, der letztendliche
Schritt aber jedoch immer fehlte. Der Apotheker gibt ihm statt des verlangten
tödlichen Gifts lediglich eine harmlose Gurgellösung. Der Einarmige will damit
erzielen, dass sich Munnicher nach der Einnahme des vermeintlichen Giftes
noch einmal dazu aufrafft, seine Pläne zu überdenken. Es scheint als sei der
Apotheker der Überzeugung, dass wenn man schon einmal in einer
anscheinenden lebensbedrohlichen Situation war, man das Leben zu
schätzen lernt. Das Mädchen, welches in der Geschichte nur körperlich
auftritt, beeinflusst im Nachhinein einen wesentlichen Gedankengang von
Munnicher. Munnicher sieht das Mädchen während der Apotheker das
angebliche Gift von einem Regal holt. Es steht in einem angrenzenden Raum
und packt blaue Tütchen zusammen. Munnicher winkte dem Mädchen,
welches er auf circa 18 Jahre schätzt. Sie winkt ihm zurück. Munnicher soll nun
sein Gift bezahlen, jedoch will er noch einmal einen Blick auf das Mädchen
werfen. Die Sicht auf sie wird von dem Behinderten verdeckt. Einen kurzen
Augenblick denkt Munnicher darüber nach, ob er Hustenbonbons kaufen soll
um den alten Apotheker abzulenken, damit er das Mädchen noch einmal
sehen kann. Er entscheidet sich gegen die Bonbons, da er der Ansicht ist, er
würde sie eh nicht mehr brauchen. Munnicher denkt, dass er vor Antritt seiner
Haft sich getraut hätte, Bonbons zu verlangen, nur um ein hübsches Mädchen
zu sehen. Dies zeigt, dass die Haft Munnicher im Tiefsten verändert hat. Als er
das Gift einnimmt ist er verwundert, da es nicht ätzt, sondern eher pappig
schmeckt. Er schreibt sich selbst vor, wie es sich anfühlt, wie das Gift in seinem
Körper wirkt, obwohl er in Wirklichkeit nichts spürt. Dies lässt den Anschein
erwachen, dass Munnicher in diesem Augenblick fest entschlossen ist, dass er
sich sogar Schmerzen einbildet.
Nachdem Munnicher das Pflanzengift einnimmt, ärgert er sich stundenlang
darüber, dass er sich nicht vor Einnahme rasiert hat. Es gibt einen
Wendepunkt der Geschichte, als Munnicher im Spiegel umgekehrt den
Namen der Apotheke liest. Sie heißt „Vita Nova“, was soviel bedeutet wie
„neues Leben“. Ihm wird plötzlich klar, dass man sein eigenes Leben nicht so
schnell aufgeben soll. Nach dem Wendepunkt der Geschichte entscheidet
sich Munnicher dafür, Bonbons zu kaufen. Daraus kann man schließen, dass
Munnicher nicht mehr vor hat, sich sein Leben zu nehmen. Es scheint, als hätte
er neuen Lebensmut geschöpft.
Des Weiteren spielt die Zeit des Geschehens keine wesentliche Rolle. Der Ort
allerdings, nämlich die abgelegene Apotheke, deutet auf die Heimlichtuerei
von Munnicher. Es zeigt, dass er niemanden auf seinen geplanten Selbstmord
aufmerksam machen will. Weiterhin erzählt der Autor in einem Erzählungsstil,
bei dem er aus der Er-Form schreibt, allerdings gleichzeitig die Gedanken von
Munnicher lesen kann.
Ich glaube, dass der Autor uns mit seiner Geschichte lediglich sagen möchte,
dass man Menschen, die sich selbst schon längst aufgegeben haben nicht
aufgeben soll. Man soll jedem Menschen eine Chance geben, sich selbst
noch einmal zu fangen.

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