Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt,
schweizerischer Schriftsteller, geb. 5.1.1921 in Konolfingen/Bern, gest. 14.12.1990 in Neuchâtel. Sohn eines protestantischen Pfarrers studierte 1941-46 in Zürich und Bern Philosophie, Literatur- und Naturwissenschaften. Gegen seinen früheren Wunsch, Maler zu werden, entschloss er sich zu einem freien Schriftstellerleben, dessen Anfänge er mit Auftragsarbeiten für Funk, Presse und Kabarett finanzierte. Sein umfangreiches, z.T. verfilmtes OEuvre, für das bedeutende Auszeichnungen erhielt – so 1986 den Georg-Büchner- Preis -, umfaßt Dramen, Hörspiele, Erzählungen, Romane und Essays. Dürrenmatt lebte zuletzt verheiratet mit der Schauspielerin und Filmemacherin Charlotte Kerr, bei Neuchâtel. Dürrenmatt lehnte jede künstlerische, politische oder religiöse Fixierung ab; er bezeichnete es als seine Aufgabe, nicht Therapeut, sondern Diagnostiker, nicht Ideologie, sondern Opponent zu sein, dessen Literatur das Publikum zu Irritation und kritischer Refelexionen bewegen soll. Angeregt durch mythologische, profan- und religionsgeschichtliche sowie Naturwissenschaftliche Stoffen, geht es in seinen Werken um Recht und Unrecht, Macht und Gewalt, Ohnmacht und Gnade, Henker und Opfer.
Bilder einer labyrinthischen und apokalyptischen Welt – die auch seine Zeichnungen bestimmen – prägen viele Erzählungen (z.B. Die Stadt 1952). Die vielgelesenen Romane Der Richter und sein Henker(1952),der Verdacht(1953) und Das Versprechen(1958), ein „Requiem auf den Kriminalroman“, lassen wie der in den 50er Jahren begonnene Roman Justiz(1985) Dürrenmatts Vorliebe für das Genre Kriminalgeschichte erkennen. Von einer heiteren Seite zeigt sich Dürrematt im Roman Grieche sucht Griechin(1955). In Eyyays(z.B: in der Sammlung Theaterprobleme, 1955) behandelt Dürrenmatt so eigenwillig wie wirkungskräftig dramaturgische Probleme, aber auch zeitgeschichtliche und gesellschaftskritische Themen; auffällig ist die Verschränkung von fiktionaler Literatur, Stoff- und Werkanalyse und Autobiographie etwa in Der Mitmacher oder in
Stoffe |-|||(1981).
Der Dramatiker Dürrenmatt, der anAristophanes und J. N.Nestroy, F.Wedekind und Th.Wilder anknüpft und Elemente desEpischen wie desAbsurden Theaters benutzt, wurde zu einem „Klassiker der Moderne“: Neben der bedeutensten Theaterstücken Der Besuch der alten Dame(1956) undDie Physiker(1962) trugen dazu auch Romulus der Große(USA 1949, endgültige Fassung 1980), eine „ungeschichtliche historische Komödie“ über den Untergang des Weststroms, undDie Ehre des Herrn Mississippi(1952) bei. Die Komödie ist nach Dürrenmatt die adäquate Form für die vom Zufall bestimmte „Wurstelei“ unseres Jahrhunderts, dessen Signatur er im Tragikomischen und Grotesken sieht. Dürrenmatt zeichnet modellhaft die minotaurische moderne Welt als eine von großen Verbrechern und „Mitmachern“ beherrschte, vom Untergang bedrohte Wirklichkeit der Katastrophen, der nur noch der sich verweigernde, aber scheiternde „mutige Mensch“ gegenübersteht. Charakteristische Merkmale seiner Komödien sind der als Ausgangspunkt gewählte „Einfall“, frappierte Wendepunkt, Paradox, extreme Kontraste und karikierende Typisierung. Makabre Szenen und kabarettistische Gags, doppelbödige Ironie und bittere Satire kennzeichnen sein desillusionierenden „Komödien“, die mit der „schlimmstmöglichen Wendung“ enden.

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