Die Stadt im Mittelalter

Die Stadt im Mittelalter
Die Entstehung:
Im Mittelalter entstanden stadtähnliche Siedlungen mit befestigten Marktplätzen im Schutz
von Burgen oder dort, wo sich die Handelswege kreuzten und die Händler Tauschplätze
einrichteten. Es ließen sich die Händler und Kaufleute nieder und bauten so diese Siedlungen zu großen Städten aus. Später kamen auch die Handwerker und ließen sich ebenfalls dort nieder.
In Deutschland waren Städte aber oft auch noch aus der Römerzeit bestehende Städte, aus
denen sich dann Bischofssitze entwickelten, so zum Beispiel: Köln, Trier, Aachen oder auch
Regensburg. Erst wenn Städte das Marktrecht erhielten, waren sie richtige Städte. Einige Städte wurden reich und mächtig, so dass sie der Kaiser selbst unter seinen Schutz nahm. Diese Städte nannten sich „Freie Reichsstädte“. Bekannte freie Reichsstädte waren Köln, Regensburg und Augsburg.
Städtebünde
Um ihre militärischen, politischen und Handelsinteressen zu erhalten gründeten viele Städte so genannte Städtebünde.
Der berühmteste Bund war die Hanse, hierzu zählte der größte Teil der norddeutschen Städte. Sie kontrollierten den Handel auf der Nord- und Ostsee. Sie schützen sich gegenseitig gegen Seeräuber und traten militärisch sogar gegen Dänemark an.
Diese Städtebünde dienten also vor allem zum Schutz.
Das Stadtbild
Alle mittelalterlichen Städte haben einige gemeinsame Merkmale.
Auffällig war der Mauerring, der die Stadt komplett umschloss und sie vor Feinden schützte.
Man konnte nur durch Stadttore in den Stadtmauern die Stadt betreten. Diese Stadttore
wurden bewacht und oftmals zum Schutz nachts geschlossen. Oft gab es vier Stadttore an den Hauptstraßen in die vier Himmelsrichtungen, Nord, Ost, Süd und West.
Innen bildete der Markt mit der Hauptkirche den Mittelpunkt. Große Städte hatten auch
mehrere Marktplätze für verschiedene Waren. Der Marktplatz war Mittelpunkt des Handels
innerhalb der Stadtmauern.
Die Geldwährung im 14. Jahrhundert war die Reichsmark.
Die Märkte dienten nicht nur dem Kauf und Verkauf, man traf auch Bekannte und tauschte
Nachrichten aus. Auf dem Markt waren die begehrtesten Produkte die die Fernhändler
mitbrachten. Stoffe, Bänder, Felle, Gewürze und Farbpulver.
Außerdem gab es Musikanten und Artisten, die auf den Märkten auftraten.
Häufig wurde am Markttag Recht gesprochen und ein Urteil öffentlich vollstreckt.
Am Marktplatz war der Pranger, aber Hinrichtungen fanden jenseits der Stadtmauer statt.
Außerdem gab es auf dem Markt einen Schreiber, bei ihm ließ man Verträge, Briefe usw.
schreiben. In der Nähe des Markts lagen die steinernen Häuser der Bürgermeister und Räte, das Rathaus und die Hauptkirche. Diese Häuser waren sehr prächtig und im Gegensatz standen dazu die engen Gassen mit Fachwerkhäusern, in denen die Handwerker und der ärmere Teil der Bevölkerung lebten.
Da in den Städten auch Landwirtschaft betrieben wurde, herrschte keine große Sauberkeit.
Die Straßen waren selten gepflastert und es gab keine Kanalisation.
Die 3 größten Probleme, die sich daraus ergaben waren die Wasserversorgung, die
Abfallbeseitigung und die Verschmutzung der Umwelt durch die einzelnen Gewerbe.
Die häusliche Wasserversorgung war jedem selber überlassen. Das Abwasser wurde in die
Gosse geschüttet. Der Hausmüll wurde einfach auf die Straße geschmissen.
Erst im Spätmittelalter entstanden öffentliche Grundwasserbrunnen, Trinkwasserleitungen,
Abwassergräben und eine geregelte Abfallbeseitigung.
In einem separaten Teil der Stadt, im Ghetto, lebten die Juden. Meistens hatten sie in Ihrem
Stadtteil eine Synagoge. Sie hatten nur wenige Rechte, durften die meisten Berufe nicht
ausüben, durften keinen Grund und Boden erwerben, wurden nicht in die Zünfte
aufgenommen und durften kein Amt in der Verwaltung der Stadt haben. So ergriffen viele den Beruf des Geldverleihers, der sie noch unbeliebter machte. So kam es immer wieder zu
Judenverfolgungen.
Häuser in der mittelalterlichen Stadt
Die Häuser in der mittelalterlichen Stadt waren Fachwerkhäuser. Das waren Häuser die in
Holzskelettbauweise errichtet wurden. Die Lücken zwischen den Holzbohlen wurden mit
Lehm geschlossen. Jedes Haus musste zum Nachbarhaus eine Feuermauer haben, damit sich Brände nicht ausbreiten konnten.
Die Fußböden bestanden meistens aus festgestampftem Lehm. Erst ab dem 14. Jahrhundert
verlegten die reicheren Familien Tonfließen auf ihren Böden.
In den Häusern der sozialen Unterschicht und des übrigen Volkes gab es eine offene
Feuerstelle ohne eigenen Kamin.
Die Häuser hatten nur kleine Fenster, die mit Fensterläden oder Leinwänden verschlossen
wurden. Die ersten Glasfenster gab es erst ab 1353, jedoch auch nur an öffentlichen
Gebäuden. Als Einrichtung gab es nur grob gezimmerte Möbel und das Bett war eine einfache Liegefläche aus Stroh und Fell.
Handwerkerhäuser waren den jeweiligen Berufen angepasst. So befanden sich die Wohn- und Arbeitsstätte beieinander. Verkauft wurde am Fenster auf den Fensterläden zur Straße hin. Dahinter lag meistens die Küche und im Obergeschoss waren die Schlafkammern.
Die Unterschicht war oft nur in einem einzigen Raum untergebracht.
Die Bürgerhäuser waren Werkstatt, Wohn-, Geschäft- und Speicherhaus gleichzeitig.
Es gab auch schon Gaststätten und Gasthäuser. Sie bestanden nur aus der Küche und einem Gastraum.
Der Stadtherr und die Erweiterung der Städte:
Der Grundherr des Gebietes war oft ein Bischof, Herzog oder Graf, bei Reichsstädten der
König. Er wurde zum Stadtherrn, den jede Stadt besaß und der viel Macht hatte.
Er konnte Marktgebühren und Zölle erheben und so für neue Einnahmequellen sorgen. Er
befestigte das Territorium der Stadt durch Wälle, Stadtmauern und Türme.
Zwischen 1100 und 1300 entstanden in Mitteleuropa über 3000 Städte, von denen die meisten von Adeligen gegründet wurden.
Im 13. und 14. Jahrhundert stieg die Zahl der Städte in Deutschland schon auf nahezu 3000
an. Die meisten Städte hatten allerdings weniger als 1000 Einwohner. Nur 12 Städte in
Deutschland hatten mehr als 10.000 Einwohner. Köln war die größte Stadt mit 30.000
Einwohnern. Um 1400 hatte Stuttgart etwa 4000 Einwohner.
Das Machtgefüge innerhalb der Stadt
Der Stadtherr jeder Stadt hatte Beauftragte, die die Rechtsprechung und Verwaltung ausübten. An der Spitze standen die Bürgermeister und Räte, die aus wenigen reichen Familien der Oberschicht kamen. Die Mehrzahl aller Bürger war von der politischen Mitwirkung ausgeschlossen.
Seit dem 12. Jahrhundert gelang es den Vertretern der Bürgerschaft, den Ratsherrn, die Macht an sich zu nehmen. Sie übernahmen die Rechte des Stadtherrn und konnten so also die Rechte der Stadt bestimmen. Die Marktgebühren, die Steuern, die Strafgewalt, die Verleihung des Bürgerrechts und die Gewerbeaufsicht fielen jetzt unter Ihre Befugnis. In einigen Städten gelang es ihnen dann bis zum Ende des 13. Jahrhunderts den Stadtherrn zu entmachten und selbst als Rat oder Bürgermeister die Macht auszuüben. Städte, die sich ganz von Ihrem Stadtherrn lösten, nannten sich „freie Städte“.
Erst im 13. und 14. Jahrhundert erlangten vor allem Händler und Handwerker mehr Einfluss
und damit Zugang zum Rat. Die übrigen Einwohner einschließlich aller Frauen blieben von
der politischen Mitwirkung ausgeschlossen.
Gesellschaftliche Schichtung
Die Gesellschaft war in verschiedene Stände aufgeteilt, denen man durch Geburt angehörte.
Zu den städtischen Oberschichten zählten der Stadtadel, die Großkaufleute, die reichen
Gewerbetreibenden sowie Grund- und Hausbesitzer.
Die Kirche hatte jedoch auch große Bedeutung in der Stadt. Sie bildete den Mittelpunkt der
Stadt. Es gab viele Kirchen und Klöster, so dass der Anteil der Geistlichen sehr groß war und
Ihre Bedeutung für die Gesellschaft hoch.
Zum Mittelstand gehörten die Gewerbe wie z.B. Bäcker, Metzger Schneider und andere
Handwerker und der Kleinhandel, sowie die städtischen Beamten.
Die Unterschicht bestand aus Angestellten, Dienstboten, Henker, Totengräber und
Gefangenenwärter. Eine weitere Randgruppe waren die Juden.
Die Besitzlosen hatten gar nichts zu sagen und waren auch nicht an der Stadtregierung
beteiligt. Alle Gruppen waren an ihrer Kleidung und an ihren Statussymbolen erkennbar. Eine bestimmt Kleidung war in vielen Fällen vorgeschrieben.
Handwerk und Zünfte
Die Handwerker und Händler in den Städten schlossen sich zu Zünften zusammen. Diese
waren gut organisiert. Sie garantierten Qualität und Preise. Wollten man in der Stadt einen
Betrieb eröffnen, musste man der entsprechenden Zunft angehören. So gelang es den Zünften die Zahl der Zulassungen zu begrenzen und die Konkurrenz einzuschränken.
Eine Zunft belegt oft einen ganzen Stadtteil entsprechend ihren Bedürfnissen. So befanden
sich die Häuser der Gerber und Färber oft an einem Flusslauf.
Die Zünfte besaßen auch eigene Zunfthäuser, in denen die Mitglieder zu Versammlungen
und Festen zusammenkamen. Oft besaßen die Zünfte auch einige Häuser als Produktionsstätten, die dann an Handwerker der Zunft verpachtet wurden.
Außerdem hatten die Zünfte in den Städten eine wichtige Stellung. Sie waren an der
Regierung beteiligt, wirkten in der Verteidigung mit, beteiligten sich an der Finanzierung und am Bau der Kirche, nahmen an Prozessionen teil und übernahmen soziale Aufgaben innerhalb der Zünfte.

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