Die Soziale Frage

Die Soziale Frage
Die Soziale Frage beschäftige sich mit den sozialen und politischen Problemen,
die entstanden durch die Veränderungen der allgemeinen Lebensbedingungen.
Diese Veränderungen im 19. Jahrhundert wurden durch die Industrialisierung
ausgelöst.
Sie führte dazu, dass bestimmte Schichten wie die Arbeiter benachteiligt wurden.
Die grundlegenden Veränderungen fand man in den Arbeitsbedingungen,
im traditionellen, sozialen Gefüge, in den Lebensgewohnheiten und im Alltag.
Totale Verarmung, Krankheiten wegen Mangel- und Fehlernährung, katastrophale,
hygienische Verhältnisse, Wohnungsnot, sich langsam auflösende
Familienstrukturen, psychische Probleme und häufig völlig fehlende
Schulausbildung werden mit dem Begriff „Soziale Frage“ umschrieben,
die das frühe 19.Jahrhundert prägte. (1830/1840)
Voraussetzungen
Die Voraussetzungen, die zur sozialen Frage führten, lagen vor allem in der
Industrialisierung. Diese wurde durch verschiedene Faktoren vorangetrieben.
Zunächst war da die Bauernbefreiung. Darunter verstand man die Aufhebung und
Abschaffung des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Bauern und Grundherren.
Der Bauer hatte also keine rechtliche Bindung, keine Rechte und Pflichten mehr
gegenüber dem Grundherrn.
Er konnte also auch heiraten, ohne die finanzielle Situation berücksichtigen zu
müssen. Dadurch kam es zur Bevölkerungsexplosion.
Die ländliche Gegend bot der wachsenden Bevölkerung nicht mehr genügend
Verdienstmöglichkeiten. Darum flüchteten die Menschen in die Städte, um dort
ihre Familien zu ernähren und Arbeit zu finden.
Da aber in kurzer Zeit so viele Menschen in die Städte strömten, kam es zu einem
deutlichen Überangebot an Arbeitskräften, so dass die Arbeiter in ihrer Not auch
schlecht bezahlte Arbeitsplätze unter schlechten Arbeitsbedingungen annehmen
mussten. Dies führte zu einem großen Konkurrenzkampf unter den Fabriken und
zu einer rapiden Absenkung des Lohnniveaus.
Die steigende Zahl der Bevölkerung führte jedoch auch zu einem höheren Bedarf
an Nahrungsmitteln, Kleidung und anderen lebensnotwendigen Dingen.
Die Zollschranken wurden abgeschafft, die deutschen Staaten schlossen sich zu
einer Zollvereinigung zusammen, sodass eine einheitliche deutsche
Wirtschaftspolitik möglich war. Die deutschen Produkte wurden untereinander
konkurrenzfähig.
Die Produktionstechniken in den Fabriken wurden durch neue Maschinen verändert
um eine erhöhte Produktivität zu erreichen.
Ein Bankensystem wurde aufgebaut.
Die Verkehrsbedingung wurden durch Ausbau der Eisenbahnen und des
Straßennetz besser.
Diese ganzen Faktoren trieben die Industrialisierung voran und somit auch die
Entstehung der „Sozialen Frage“.
Die soziale Lage der Arbeiter
Hier gab es verschiedene Missstände, die die Lage der Arbeiter so schlecht machte:
Arbeitsbedingungen:
Die Industrialisierung brachte eine große Veränderung der Arbeits- und Lebensbedingungen
mit sich.
In den Fabriken gab es früher selten mehr als 300 Beschäftige und trotzdem war die
Atmosphäre von einer ungewohnten Anonymität geprägt.
Die Arbeitsplätze waren gesundheitsgefährdend und unfallträchtige. Die Räume
vieler Arbeitsstellen waren viel zu dunkel und schlecht beheizt. Die Luft war voll mit
Abgasen und Staub. Es war zugig und schmutzig.
Die Wochenarbeitszeit betrug etwa 90 Stunden und eine strenge Fabrikordnung
verbot jegliche Pausen in der Arbeitszeit. Es wurde die ganze Woche gearbeitet.
Oft kam es wegen schlechter Körperhaltung zu arbeitsspezifischen Krankheiten.
Löhne:
Durch das Überangebot von Arbeitskräften waren die Löhne so niedrig, dass die
Arbeiter ihre Familien nicht ausreichend, oder nur durch die Mithilfe von Frau und
Kinder ernähren und mit dem Nötigsten versorgen konnten.
Die Armut bestimmte deshalb das Leben der durchschnittlichen Arbeiterfamilien in der
Normalzeit.
In einer Krisenzeit sank ihr Einkommen unter das Existenzminimum.
Frauen- und Kinderarbeit
Viele Familienväter konnten ihre Familien nicht mehr ausreichend versorgen, das war
der Anfang der Frauen- und Kinderarbeit.
Kinderarbeit gab es schon vor der Industrialisierung z.B. in der Landwirtschaft.
Ein großer Unterschied nach der Industrialisierung war, dass die Arbeitszeiten länger
wurden und dass die Kinder wegen der Arbeit in Fabriken, Hütten und Bergwerken
aus dem Familienverband gerissen wurden. So wurde ihnen die sozialen Bindung
schon früh geraubt.
Durch ungünstige Arbeitsbedingungen und schlechte, unausgewogene Ernährung
Kam es oft zu langen Krankheiten und schnellem Verfall (Alterung).
Frauen wurden gerne eingestellt, da ihre Löhne grundsätzlich viel niedriger
waren, als bei den Männern.
Da die meisten Frauen aus Arbeiterfamilien stammten, mussten sie bereits mit
14 oder 15 Jahren arbeiten, um ihre Familien finanzielle zu unterstützen.
Da sie nichts oder nur wenig gespart hatten, mussten sie auch nach der Heirat
weiterarbeiten. Die Kleinkinder wurden deshalb oft gegen ein geringes Entgeld von
Verwandten oder Bekannten betreut.
Die berufstätigen Frauen hatten eine Doppelbelastung, da sie neben ihrem Job noch
den Haushalt führen und ihre Kinder erziehen mussten.
Die Wohnverhältnisse:
Nach der Industrialisierung änderten sich die Wohnverhältnisse für die Arbeiter völlig.
Aus Zeitgründen mussten sich die Arbeiter Wohnungen in Fabriknähe suchen. So
entstanden Mietskasernen oder Hütten, in denen die Menschen bei schlechten
Gesundheitsbedingungen und hohen Mieten lebten. Die rasch steigenden Mieten in den
Ballungsräumen verhinderte meistens den Erwerb von eigenen Häusern und drängte
immer mehr Arbeiterfamilien in die Vororte der Industriezentren, die oft Slums glichen.
Ein großer Teil des Einkommens wurde in die Miete investiert, die aufgrund des großen
Wohnungsmangel sehr hoch war. Dadurch blieb nicht immer genug Geld für
Lebensmittel, oft herrschte Hunger.
Die Wohnungen bestanden oft nur aus einem Raum, der dann als Wohn-, Schlaf-, und
Arbeitsraum genutzt wurde. Oft teilten sich mehrere Personen ein Bett.
Viele Familien waren auch auf die Unterbringungen von Schlafleuten angewiesen.
Schlafleute waren Arbeiter, die sich eine eigene Wohnung nicht leisten konnten und
gegen ein Entgeld bei den Familien schliefen. Oft kam es vor, dass Familien bis zu 30
Schlafleuten beherbergten.
Da die Heizkosten sehr hoch waren, war die Küche der einzig richtig beheizte Raum.
Wegen mangelnder Hygiene und spärlich eingerichteten Wohnungen in mehrstöckigen
Mietskasernen, war die Abwehr und Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen sehr
schwer.
Die Wohnverhältnisse führten oft auch zu einem schlechten Familienleben.
Das Trucksystem:
Der Arbeiter bekam keinen festen Geldbetrag als Lohn, sondern er erhielt Waren als
Lohn oder eine Art Gutschrift, für die er die Waren beim Arbeitgeber kaufen musste.
Meistens waren die Waren unnütz (also keine Gebrauchsgegenstände), billige Produkt
von schlechter Qualität oder sehr teure Lebensmittel (Luxusartikel die sich der Arbeiter
normalerweise nicht gekauft hätte).
Der Arbeitgeber verdiente so zwei mal:
1 Mal musste er den Arbeiter nicht direkt mit Geld bezahlen und 2. konnte er seine
Produkte zu überhöhten Preisen loswerden.
Der Arbeiter befand sich in einer Zwangslage. Er konnte auf die Arbeit nicht verzichten
und stand so in völliger Abhängigkeit zum Arbeitgeber.
Politische Rechtlosigkeit:
Die Arbeiter hatten wenige Chancen für ihre Rechte zu kämpfen. Es herrschte
Dreiklassenwahlrecht:
Die, die am meisten verdienten und somit auch die höchsten Steuern zahlten, hatten am
meisten zu sagen.
Die Stimme eines Gutverdienenden zählte fast 200 mal so viel wie die eines
drittklassigen Wählers, also die Einkommensschwachen (Arbeiter).
Streik- und Koalitionsverbot
Außerdem herrscht Streik- und Koalitionsverbot. Also konnten die Arbeiter nicht wie
heute für ihre Recht durch Streiks kämpfen. Kam es doch zu irgendwelchen Unruhen,
dann war das durch das Verbot nicht Sache der Unternehmen (sich eventuelle mit den
Arbeitern einigen), sondern die Unternehmer riefen die Behörden, um mit Polizeigewalt
gegen die Streikenden einzuschreiten.
1869 wurde dieses Streikverbot aufgehoben, aber die Unternehmer stellten den Streik
dann als Unruhestiftung und Terror dar, sodass sie dann doch die Polizei holen konnten.
Die Unternehmer versuchten mit Drohungen Streiks zu unterbinden.
Soziale Unsicherheit:
Es gab für die Arbeiter nicht die geringste soziale Sicherheit.
Nur wenig hatten das Glück für einen sozial eingestellten Unternehmer zu arbeiten.
Die anderen hatten keinerlei Absicherung bei Krankheiten, Invalidität oder
Arbeitslosigkeit, eine finanzielle Vorsorge fürs Alter betrachteten Staat und
Unternehmer als Angelegenheit der Arbeiter.
Soziale Deklassierung:
Die Arbeiter wurden von Besitz- und Bildungsbügertum nicht als gleichwertige
Personen mit Würde und sozialen Rechten gesehen.
Waren sie Mitglied einer freien Gewerkschaft oder gar einer Arbeiterpartei, dann
galten sie ohnehin als „vaterlandslose Gesellen“.
Es gab verschiedene Meinungen, woraus die soziale Frage entstand:
Teile des Besitzbürgertums glaubten, dass fehlende Moral, Trunksucht und Faulheit
der Arbeiter Schuld an der Sozialen Frage waren.
Das Bildungsbügertum war der Meinung, das Problem läge im Klassenunterschied
zwischen den gehobenen Klassen und den Arbeiterklassen. Vor allem wurde die
rechtliche Stellung der Arbeiter, ihre Unterdrückung und ihre Nichtbeteiligung an
der Politik als Ursache angesehen.
Aus der Sicht der Arbeiter ging es weniger um die Ursachen, sondern mehr um die
Verbesserung der sozialen und rechtlichen Stellung.
Die Folge all dessen war, dass viele Arbeiterfamilien auswanderten, bevorzugt waren
hier Russland und die USA.

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