Die Jugend unter dem Hakenkreuz

Die Jugend unter dem Hakenkreuz
Die regierende Partei Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) bemühte
sich ganz besonders die deutsche Jugend für den Staat zu gewinnen. Sie organisierten die
Jugend in verschiedenen Altersgruppen und getrennt nach Jungen und Mädchen.
Die Jugendorganisationen wurden insgesamt als die Hitlerjugend (HJ) bezeichnet. Seine
Aufgaben waren „Schulung“, also Verbreitung des Nationalsozialismus, und „Ertüchtigung“,
also eine körperliche Ausbildung, sowie polizeiliche und militärische Hilfsdienste im Zweiten
Weltkrieg.
- Wie entstand die HJ?
Im März 1922 gründet NSDAP-Mitglied Adolf Lenk den „Jugendbund der NSDAP“ als erste
offizielle Jugendorganisation der Partei in München. Der Jugendbund war in 2 Altersgruppen
untergliedert, aber er wurde öffentlich und innerparteilich kaum als eigenständige
Organisation wahrgenommen.
Nach dem Verbot der NSDAP 1923 löste sich der Jugendbund bis auf verschiedene
Einzelgruppen auf und wurde danach nicht wieder gegründet.
Nach der Wiederzulassung der NSDAP versuchte man die Parteijugend wieder neu zu
organisieren. Kurt Gruber gelang es 1926 in Plauen im Vogtland kleinere Jugendgruppen zur
„Großdeutschen Jugendbewegung“ (GDJB) zusammenzuschließen, die sich zunächst auf
Sachsen beschränkte. Schließlich erreichte Gruber, dass die GDBJ als Parteijugend anerkannt wurde. Auf dem ersten Parteitag der NSDAP im Juli 1926 in Weimar wurde die GDJB in „Hitlerjugend, Bund deutscher Arbeiterjugend“ umbenannt. Gruber wurde zum
„Reichsführer“ der HJ ernannt. Die HJ war die einzige Jugendorganisation der NSDAP,
wurde bis 1932 der SA unterstellt. Die SA war die Sturmabteilung der NSDAP. Im März
1931 trat Gruber vom Amt des Reichsführers der HJ zurück. Die HJ-Zentrale wurde von
Plauen nach München verlegt. Andere Jugendgruppen wurden der HJ angegliedert. Baldur
von Schirach wurde im Oktober 1931 von Hitler zum „Reichsjugendführer“ der NSDAP
ernannt und führte nun auch die HJ.
Bis 1933 hatte die HJ 108.000 Mitglieder. Seit Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933 lief
eine gewaltige Werbekampagne, um die Jugendlichen zum Eintritt in die HJ zu bewegen.
1936 wurde aus der unbedeutenden Parteijugend ein staatlicher, vielfach untergliederter
Jugendverband. Nachdem 1933 alle politischen Parteien außer der NSDAP verboten worden waren, forderte der Reichsjugendführer Schirach, dass auch die HJ die einzige Jugendorganisation sein sollte.
Andere Jugendorganisationen waren zum Beispiel der Sportjugendverband, die
Gewerkschaftsjugend und die Sozialistische Arbeiterjugend.
Durch Verbot, Auflösung, Selbstauflösung, Übertritt und Übernahme aller Jugendverbände
wuchs die HJ bis 1935 auf knapp vier Millionen Mitglieder an. Nur katholische
Jugendorganisationen wurden zunächst nicht aufgelöst, erst 1938 wurden auch diese
endgültig verboten.
- Wie war die HJ organisiert?
Die Hitlerjugend war in verschiedene Altersgruppen, getrennt nach Jungen und Mädchen
organisiert:
– das Deutsche Jungvolk (10- bis 14-jährige Jungen), seine Mitglieder wurden Pimpfe genannt
– die eigentliche Hitlerjugend HJ(14- bis 18-jährige Jungen)
– der Jungmädelbund (10- bis 14-jährige Mädchen)
– der Bund Deutscher Mädel BDM (14- bis 17-jährige Mädchen)
– das BDM-Werk Glaube und Schönheit (17- bis 21-jährige Mädchen)
Darüber hinaus gab es in den späteren Jahren, vor allem während dem 2. Weltkrieg
verschiedene Sonderformationen: die Flieger-HJ, die Motor-HJ, die Marine-HJ, die
Nachrichten-HJ, die Reiter-HJ, die HJ-Feuerwehrscharen, die HJ-Bergfahrtengruppen, der
HJ-Streifendienst, die HJ-Feldschere, die BDM-Gesundheitsdienstmädel und die
Gebirgsjäger-HJ
Die regionale Einteilung der HJ war genauso aufgebaut wir die Struktur der NSDAP. Es
bestanden insgesamt 6 Obergebiete:
– Obergebiet Ost: Ostpreußen, Mark Brandenburg, Niederschlesien, Sudetenland,
Danzig-Westpreußen, Wartheland, Oberschlesien
– Obergebiet West: Westfalen West, Ruhr-Niederrhein, Köln-Aachen, Moselland,
Hessen-Nassau, Westmark, Düsseldorf, Westfalen-Süd
– Obergebiet Nord: Berlin, Pommern, Nordmark, Nordsee, Niedersachsen,
Mecklenburg, Hamburg, Osthannover
– Obergebiet Mitte: Kurhessen, Mittelland, Sachsen, Thüringen, Mittelelbe,
Mainfranken
– Obergebiet Süd: Franken, Hochland, Württemberg, Baden, Schwaben, Bayreuth,
Tirol-Vorarlberg
– Obergebiet Südost: Wien, Niederdonau, Oberdonau, Steiermark, Kärnten, Salzburg
Die Jungen der Hitlerjugend waren nach einer Rangordnung organisiert: Banne, Unterbanne,
Gefolgschaften, Scharen und Kameradschaften.
Jeder Bann hatte 5 Unterbanne, jeder Unterbanne 4 Gefolgschaften, jede Gefolgschaft 3
Scharen und jede Schar 3 Kameradschaften.
Bei den Mädchen war das System ähnlich aufgebaut und die Rangordnung nannte sich:
Obergau, Untergau, Mädelring, -gruppe, -schar und –schaft.
Die einzelnen Gruppen wurden durch Jugendliche geführt, die nur wenig älter waren als die
Gruppenmitglieder. Man folgte dem Motto:” Jugend soll durch Jugend geführt werden”. Die
jüngsten die über andere zu befehlen hatten, waren gerade mal 12 oder 13 Jahre alt. Sie
leiteten die Pimpfe als Jugendführer. Die meisten Führer waren nur ca. 2-6 Jahre älter als
deren Untergebenen. Das Ziel der HJ war es, die Jugend daran zu gewöhnen, dass immer
mindestens einer über einem steht. Oft jedoch verstanden die Jugendlichen dieses falsch und benützten ihre Macht, um Schwächere zu demütigen ganz nach dem Motto:” Wer oben ist darf treten”. Damit das aufhörte, wurden Führerschulen gebildet.
- Wie war die Erziehung und Ausbildung im NS-Staat organisiert?
Die Schulpflicht bestand vom 6. bis zum 14. Lebensjahr. Mit 10 Jahren konnte man dem
Deutschen Jungvolk beitreten. Außerdem wurde in diesem Alter entscheiden, ob eine höhere Schule besucht werden konnte. Diese Entscheidung konnte nochmals mit 12 Jahren getroffen werden. Im Alter von 14 Jahren wechselte man zur Hitlerjugend oder zum Bund deutscher Mädchen. Wer in der Volksschule geblieben war, konnte nun eine Handelsschulausbildung oder eine Handwerkliche Lehrzeit beginnen. Mit 18 Jahren wurden alle Jugendlichen von der HJ und vom BDM von der NSDAP übernommen. Schüler, die die höheren Schulen besucht hatten, konnten nach einem 12-monatigen Arbeitsdienst oder einem 2-jährigen Wehrdienst beim Militär studieren.
- Wer wurde in die HJ aufgenommen? / Wann musste man der HJ beitreten?
Der Dienst in der HJ begann mit dem Verlassen der Vorschule mit 10Jahren. Bevor man
aufgenommen wurde, musste man eine so genannte “Pimpfen-Probe” und eine ärztliche
Untersuchung, ähnlich einer Musterung beim Militär, über sich ergehen lassen.
1933 wurde ein „Staatsjugendtag“ eingeführt, an dem alle Mitglieder von Jungvolk und
Jungmädeln vom Schulunterricht befreit wurden. So wurden die Nichtmitglieder erfasst und
sozial unter Druck gesetzt, ebenfalls in die HJ einzutreten.
Wer der HJ nicht beitrat, zählte als Außenseiter. Beamte mussten ihre Kinder in die HJ
schicken.
Am 21. Dezember 1936 wurde das „Gesetz über die Hitler-Jugend“ erlassen. Damit wurde die
HJ für alle deutschen Jugendlichen ab dem 10. Lebensjahr zur Pflicht.
So wuchs sie bis 1938 auf sieben Millionen Jugendliche an.
Es wurden immer mehr Aufgaben für HJ-Gruppen zur Pflicht, z. B. ein „Landjahr“,
„Arbeitsjahr“ und ein „Pflichtjahr für Mädchen“.
Am 1. Dezember 1939 wurde die „Jugenddienstpflicht“ eingeführt: Nun konnte die
Mitgliedschaft in der HJ auch gegen den Willen der Eltern polizeilich erzwungen werden. Es
kamen nochmals 1,7 Millionen Jugendliche in die HJ.
Um jeden Jugendlichen zu erfassen, begann die Regierung Einwohnerkarten, polizeiliche
Melderegister und Schulunterlagen zu kontrollieren. Es wurden Erfassungslisten und
Jugendstammkarten in der HJ verteilt, mit dem sich jeder Jugendliche ausweisen musste.
- Was machten die Jugendlichen in der HJ (was waren ihre Aufgaben)?
Die eigentliche Aufgabe der Hitlerjugend war es die Kinder und Jugendlichen im Sinne des
Nationalsozialismus zu beeinflussen und zu erziehen und somit die Herrschaft der NSDAP
auf lange Sicht zu sichern.
Der Tagesablauf war streng militärisch organisiert, dazu gehörte Exerzieren, Sport,
Schießübungen, Fahnenappelle, Geländemärsche und Zeltlager. Es wurden auch Fahrten
durch Deutschland unternommen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.
Die Kinder sollten nicht zum kritischen oder selbstständigen Denken erzogen werden,
sondern im Vordergrund standen die militärische Disziplin und die sportliche Betätigung.
Außerdem wurden die Jugendlichen zu Hilfsdiensten herangezogen wie zum Beispiel: das
Sammeln und Sortieren von Geld- und Sachspenden, Regelmäßiges Einsammeln von
Altmetall und Altpapier.
Bei den Mädchen kam zu der sportlichen Betätigung auch noch die hauswirtschaftliche
Vorbereitung auf die künftige Mutterrolle.
Außer der körperlichen Erziehung kamen noch Unterricht in Rassenlehre und
Bevölkerungspolitik, deutsche Geschichte und politische Auslandskunde dazu.
Die HJ sollte für die Jugendlichen eine attraktive Organisation sein, die auf lange Sicht das
Elternhaus, die Schule und die Kirche ersetzen sollte, damit die Jugendlich komplett unter
dem Einfluss des Nationalsozialismus aufwuchsen und erzogen wurden.
Es wurde ein Reichsarbeitsdienst eingeführt, der für die Jungen ab 1935 und für die Mädchen ab 1939 Pflicht war. Hierbei wurden die Jugendlichen beim Bau von Straßen, Kanälen und Befestigungen (wie z. B. Beim Westwall) eingesetzt.
- Wie reagierte die katholische Kirche auf die HJ?
In den ländlichen katholischen Gebieten stieß die HJ auf Ablehnung und hatte nur wenige
Mitglieder. Die Kirche sprach sich verstärkt gegen die HJ aus. Lange Zeit widersetzt sich die
Kirche dem Auflösungsgebot von Jugendgruppen und führte ihre Jugendgruppen weiter. Sie
mussten sich aber auf rein religiöse und innerkirchliche Unternehmungen beschränken.
Bis dann 1939 das endgültige Verbot von kirchlichen Jugendgruppen durchgesetzt wurde.
- Die HJ während dem Krieg
Nachdem der 2. Weltkrieg begonnen hatte wurde bestimmt, dass alle Arbeiten der HJ der
Kriegsführung dienen sollten Zu ihren Aufgaben gehörten soziale und landwirtschaftliche Hilfsdienste, das Sammeln von Rohstoffen, der Luftschutz und die Kinderlandsverschickung. In erster Linie sollten die Jugendlichen erwachsene Arbeitskräfte, die in den Krieg gezogen waren, ersetzten. Die Kinderlandsverschickung wurde für die Kinder in kriegsgefährdeten Gebieten eingeführt, hierbei wurden Kinder aus diesen Gebieten in ländliche, vom Krieg verschonte Gebiete gebracht. Dort gab es Kinderheime, die vor dem Krieg für Ferienaufenthalte genutzt worden waren.
In den von Deutschen besetzten Gebieten übernahmen HJ-Gruppen Polizeiaufgaben.
Außerdem wurde eine Eliteeinheit aus 16- bis18- jährigen Hitlerjungen aufgestellt, die 1943
eine Panzerdivision verstärkten. In Wehrertüchtigungslagern wurden 20.000 Jugendliche als Freiwillige für den Endsieg angeworben.
Außerdem wurden seit 1943 HJ-Gruppen im Volkssturm eingesetzt als Flak –und
Marinehelfer. Andere Gruppen wurden im Juni 1944 an der Westfront gegen die Invasion der Alliierten eingesetzt, davon überlebten nur wenige Ausnahmen.
1945 wurden tausende HJ-Mitglieder in Berlin gegen sowjetische Panzertruppen als letzte
Reserve eingesetzt, auch hier überlebten nur wenige.
Während dem 2. Weltkrieg hatten einige Jugendliche keine Lust mehr auf die harte Arbeit
und die ständige Doppelbelastung. Einige von ihnen fingen an die Arbeit bzw. die Schule zu
schwänzen und kleine Einbrüche zu begehen. Hitler versuchte das Problem mit der
“Verordnung zum Schutz der Jugend” zu regeln, die er am 9.März 1940 einführte. Nach
dieser Verordnung durften Jugendliche unter 18.Jahren nach Einbruch der Dunkelheit sich
nicht mehr auf Strassen und Plätzen aufhalten. Weiterhin durften Minderjährige nach 21Uhr keine Kinovorstellungen oder Lokale besuchen und Jugendliche unter 16 Jahren in der
Öffentlichkeit nicht rauchen oder trinken.
- Auflösung der HJ
Nach Kriegsende wurde die Hitlerjugend mit allen Untergruppen aufgelöst und durch das
Kontrollratsgesetz vom 10. Oktober 1945 verboten.
Sie ist auch heute noch in Deutschland verboten und eine verfassungswidrige Organisation.
Quellen: Jugend im Dritten Reich von Arno Klönne
Geschichte der Hitlerjugend von Hannjoachim W. Koch
Internet: www.Wikipedia.de
www.historisches-Lexikon.de
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