Der Zimmerspringbrunnen

Der Zimmerspringbrunnen

Jens Sparschuh:

Gliederung
1. Inhaltsangabe
Personenkonstellation
2. Sprache
3. Erzählsituation
Erzählstruktur
4. Aussageabsicht
5. Einbindung in die Zeit
6. Autor
Zeittafel, Werkübersicht, biographischer Bezug
7. Rezensionen
Eigene Meinung
8. Happy End?
1. Inhaltsangabe/Personenkonstellation
Hinrich Lobek
ERSTES
1996 Ostberliner mittleren Alters, 1955 in Chemnitz – Karl-Marx-Stadt geboren, verheiratet mit Julia, dazu später
1997 War in der DDR als Sachbearbeiter bei der KWV (KWV ist die Kommunale Wohnungsverwaltung, seine Aufgabe bestand darin, Schadensmeldungen zu bearbeiten und sie zeitnah abzuwickeln (z. B. Schlafzimmerdecke mit Schimmel und durchgefaulte Küchendielen), was aber nie möglich war, dort versuchte er jedoch sein bestes)
1998 zu beginn ist er arbeitslos und lungert in der Wohnung rum, sie ist seine Heimat und Exil zugleich, gießt Blumen, sitzt im Hobbyzimmer rum (Laubsägearbeiten) und schreibt sein Protokollbuch (ähnlich tagebuch) VORLESEN
1999 JULIA (Beschreibung: Frau, arbeitet im Büro, Abteilungsleiter Hugelmann) hinrich ist eifersüchtig auf hugelmann, seine einzige enge Beziehung ist die mit Freitag, dem HUND (Von Robinson Cruosoe, kann auf lobek übertragen werden); freiwilliger gesellschaftlicher isolation
2000 alles in allen kann man sagen, er nimmt sein umfeld mit genauen blicken und ohne vorurteile wahr
2001 Schreibt Bewerbung, weil sein wochenhoroskop alles gute verheißt
ZWEITES
2002 Vorstellungsgespräch bei PANTA RHEIn (PANTA RHEIn kommt vom griechischen und heißt „alles fließt“)
2003 Ist in Baden-Württemberg (Schwarzwald)
2004 Übernachtet im Hotel
2005 Gespräch mit dem CHEF über angebliche vertretererfahrung
DRITTES
2006 ist wieder Daheim, hat seminare
2007 Seminare werden von STRÜVER durchgeführt, filzbach und nöstrich als gesprächsbeispiel, schließlich wird lobek vorgeholt und rockt die party
VIERTES
2008 Bereitet sich durch Vertreterbücher vor im Selbststudium, versucht wieder Kontakt mit Julia aufzubauen
2009 Streit mit Julia, weil Hasso den Nudeltopf runtergeschmissen hat, weil er hunger hatte (VORLESEN)
FÜNFTES
2010 Vertretergespräche mit Strüver bei alten KWV-Leuten, KUNDEN – diese sind mal betrunken und uninteressiert und beschimpfen S und H mit Idioten
2011 Kein Erfolg, erst am Schluss bei Gaby, bei der er einfach hineinstürmte und sich herrisch gab
SECHSTES
2012 Julia hat Hinrich verlassen und ist zu CONNY gezogen (alte Schulfreundin), „Nach-Julia-Ära“, Vorrat an Brunnen: 417 Stück, Freitag macht einen Brunnen JONA (Wal…) kaputt, weil er nichts zu trinken bekam, Lobek baut daraus ATLANTIS in Form der DDR aus Kupfer und nen Kuli in Form des Fernsehturmes
SIEBTES
2013 Lobek ist jetzt nur noch allein unterwegs, Strüver arbeitet für Briefwerbekampagne
2014 Lobek will an einem schlechten Tag sein Atlantis verkaufen, was riesiger Erfolg wird, gerade bei DDR-Anhängern, welchen Lobek mit Strüver (weiß nichts von Atlantis) feiert
2015 trauert aber um Julia
ACHTES
2016 Produktionsverzögerungen bei Atlantis
2017 Besuch bei SM-Manuela
2018 Chef ruft ihn an, er soll zum Vetriebsleiter Ost ernannt werden
2019 ist äußerlich und innerlich fertig (weger Arbeit, Julia, …)
2020 kommt gut mit Strüver aus, sind gute Freunde, von Lobek aus jedoch mit Abstand, denn er denkt, Uwe S. ist schwul. Strüver denkt, lobek wäre bei der Stasi gewesen (Treffen im Hobbyraum)
NEUNTES
2021 Spricht sich mit Freitag aus
2022 Schickt Julia Brief zu Weihnachten: „Countdown“ läuft
2023 Lobek will alles wieder ordnen
2024 Julia war kurz in der Wohnung
2025 Er geht los, will sie suchen
2026 Bahnhof, Penner
ZEHNTES
2027 Suche Suche Suche nach Julia
2. Sprache
Der Zimmerspringbrunnen ist ein satirischer Roman, der mit viel Ironie und ungewollt komisch, die deutsche Befindlichkeit aufs Korn nimmt. Das Werk ist in der Ich-Perspektive geschrieben und verwendet häufig Umgangssprache, Dialoge werden Teils sogar im Dialekt geschrieben (vgl S. 40).
Desweiteren ist er hypotaktisch aufgebaut, d.h. Lange, verschachtelte Satzgefüge (Aneinanderreihungen von Haupt- und Nebensätzen). Der Roman wird mit vielen Parenthesen (Einschüben) gespickt und mit Metaphern und Vergleichen anschaulich dargestellt die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Häufig werden auch Hyperbeln (Übertreibungen) und Emphasen (Betonungen ) zur Dramatisierung genutzt. (vgl. S. 7). Antithesen (vgl. S. 82 <Auf und Ab>) werden zur verdeutlichung und zur Spannungserhaltung verwendet.
Auffällig ist, das Lobek seinen Hund Freitag (was wiederum eine Anspielung auf Robinson Crusoe ist, dessen einsamer Begleiter Freitag ihn kaum von der Stelle wich) als Person ansieht und mit ihm kommuniziert (Personifikation). (vgl S. 60)
Zusätzlich ist er Stereotyp: abgewickelt und arbeitslos, durch Heimatverlust verunsichert, von berechtigten Existenzängsten gebeutelt und von Wahnvorstellungen des Mißtrauens geplagt, mit denen er – in bewährter Stasi-Manier (Protokollbucheinträge) – wiederum seine Frau Julia plagt, die aber sein spiel auf lange Sicht nicht mitspielt.
3. Erzählstruktur
Zeitgerüst:
Der Roman ist zeitraffend und chronolog geschrieben.
Die erzählte Zeit ist länger als die Erzählzeit (e>E)
Die erzählte Zeit beträgt ca 1 Jahr, zum lesen benötigt man wenige (4-5) Stunden.
4. Aussageabsicht
Will die meinung über lobek einerseits lustig darstellen, andererseits mitleidig Als Leser werden wir darum gebeten, über unsere Meinungen zum Mauerfall nachzudenken
Ich glaube nicht, dass man das so scharf trennen sollte: harte Kritik am Kapitalismus auf der einen, amüsante Satire auf der anderen Seite. Wenn man den Helden in einer dämlichen Situation erlebt und darüber lacht, dann macht man sich ja vielleicht auch Gedanken darüber, wie er in diese Situation gekommen ist. Das ist vielleicht mehr wert als eine “harte” Kapitalismuskritik, die überhaupt nicht viel kostet und letztlich nur appellativ ist.
5. Einbindung in die Zeit:
Der Roman spielt in den frühen Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands.
Hinrich als ehemaliger KWV Angestellter vertritt das typische Bild eines nostalgischen Ossis und sieht sich selbst als Opfer der Wiedervereinigung.
Untergang der DDR wird im Modell Atlantis, wie vorhin erklärt, umgesetzt.
einem Sozialisten, der sich zum Kapitalismus wenden muss, um wieder arbeiten zu können, und seiner Frau, die die 44 Jahre der DDR für verlorene Zeit hält. Dabei zieht Sparschuh die Meinung in Zweifel, dass der Mauerfall für alle Deutschen ein gutes Ereignis sei. Das Ergebnis ist ein humorvoller und zugleich trauriger Roman, der sechs Jahre nach der Wiedervereinigung diese nicht gedankenlos lobt. Als Leser werden wir darum gebeten, über unsere Meinungen nachzudenken. Und obwohl die Mischung von Witz und Melancholie etwas komisch wirkt, werden Sie lachen, weinen, und sogar über die Politik ein bisschen reflektieren.
Der Autor Jens Sparschuh
Zeittafel:
Jens Sparschuh
1 wurde am 14. Mai in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) geboren und wuchs ab 1960 in Berlin auf
1 studierte nach dem Abitur in Halle von 1973 bis 1978 Philosophie und Logik in Leningrad
2 promovierte 1983 zum Doktor der Philosophie
3 war von 1978 bis 1983 wissenschaftlicher Assistent an der Berliner Humboldt-Universität
4 veröffentlichte in der DDR u. a. Gedichte, Romane, Essays und Prosa in Zeitschriften, Zeitungen sowie Anthologien
Einige seiner Werke
1987 Roman „Der große Coup – Aus den geheimen Tage- und Nachtbüchern des Johann Peter Eckermann“
1989 Roman „KopfSprung – Aus den Memoiren des letzten deutschen Gedankenlesers“
Hörspiel „Ein Nebulo bist du“
1993 Roman „Der Schneemensch
1995 Roman „Der Zimmerspringbrunnen“ in französisch (1999), italienisch (2000), russisch (2004), (Die Theaterversion lief ca. zehn Jahre im Maxim-Gorki-Theater Berlin)
2003 Roman „Eins zu Eins“
2007 Roman „Schwarze Dame“
Preise
1988 Anna-Seghers-Preis
1990 Hörspielpreis der Kriegsblinden, Ernst-Reuter-Hörspielpreis
1996 Bremer Literaturpreis
Wie gewöhnlich hatte Julia („Juli“) gegen 7.15 Uhr unsere gemeinsame Wohnung verlassen. Ich war noch zum Fenster gegangen, hatte hinuntergewinkt, atemlos von meinem Hochstand aus ihr ruppig rasantes Ausparkmanöver beobachtet, es nur hilflos, getarnt durch die Gardine, mit aufzuckenden Schmerzgrimassen kommentierend – dann aber: sofort an die Arbeit!
Kurzbeschreibung
Hinrich Lobek, seit drei Jahren abgewickelter Angestellter der Ostberliner Kommunalen Wohnungsverwaltung, wittert Morgenluft. Das Wochenhoroskop von ‘Hallo Berlin’ mahnt zur Initiative. Beherzt bewirbt sich Lobek bei einer westdeutschen Firma für Zimmerspringbrunnen. Mutig schreibt er: “Langjährige Erfahrung im Vertreterbereich”. Und so beginnt der unaufhaltsame Aufstieg von Hinrich Lobek zum erfolgreichen Vertreter Ost für Zimmerspringbrunnen. Wie ein Schwejk der Vertreterbranche stolpert Lobek ahnungslos von Erfolg zu Erfolg. Mit diesem burlesken Vertreterroman ist Sparschuh das Kunststück gelungen, alle komischen und tragischen Aspekte der Ost-West-Spaltung aufzugreifen und ohne Larmoyanz durchzuspielen.

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