Che Guevara

Che Guevara
Lebenslauf
14. Juni: Geburt von Ernesto Che Guevara in Rosario, Argentinien
1946-1953: Student an der Medizinischen Fakultät Buenos Aires
1954-1956: Tätigkeit in Mexiko als Arzt
1954 : Begegnung mit Fidel Castro; Eintritt in dessen Guerilla-Gruppe
August 1956: Gefängnishaft in Mexiko wegen Zugehörigkeit zur Abteilung Fidel Castros 1 25. November 1956: Fahrt auf der Jacht “Granma” nach Kuba; zusammen mit 82 Aufständischen
1956-1959: Teilnahme am revolutionären Befreiungskampf auf Kuba
5. Juni 1957: Ernennung zum Kommandeur der Vierten Kolonne
2.8.-31. Dezember 1958: Kampf um Santa Clara 2
1.Januar 1959: Befreiung von Santa Clara
2. Januar 1959: Besetzung der Festung La Cabana Havanna
9. Februar 1959: Che wird kubanischer Staatsbürger
2. Juni 1959: Heirat mit Aleida March.
26. November 1959: Ernennung zum Direktor der Nationalbank Kubas
23. Februar1961: Ernennung zum Minister für Industrie
16.Januar 1964: Unterzeichnung eines kubanisch-sowjetischen Protokolls über technische Hilfe 1. April 1965: Letztes Auftreten in der Öffentlichkeit Kubas.
15. März 1965: Che schreibt Abschiedsbriefe an die Eltern, an seine Kinder und an Fidel Castro 7. November 1966: Ankunft im Partisanenlager in Bolivien.
23. März 1967: Beginn der militärischen Aktionen der Nationalen Befreiungsarmee Boliviens.
8.Oktober1967: Gefecht in der Yuro-Niederung, der verwundete Che gerät in Gefangenschaft
9. Oktober 1967: Ermordung Che´s durch Ranger in der Siedlung Higuera
15. Oktober 1967: Fidel Castro bestätigt das Che Guevara in Bolivien den Tod gefunden hat
Die Eltern
Der Vater des CHE, Ernesto Guevara Lynch war das sechste von zwölf Kindern. Er hatte eine unbeschwerte, sorgenfreie Jugend und hatte daher keinen so ausgeprägten Abenteuersinn wie Che´s Urgroßvater, Juan Antonio Guevara, der 1848 wegen Widerstands gegen das argentinische Gewaltregime des Diktators Juan Manuel de Rosas außer Landes getrieben wurde und im darauffolgenden Winter in Sacramento erfolglos nach Gold schürfte. An der Universität Buenos Aires nahm Ernesto ein Architekturstudium auf. Aber er unterschied sich von seinen Altersgenossen durch Ungeniertheit und demokratisches Denken. Er verliebte sich in die hübsche Aristokratin Celia de la Serna, eine Urenkelin des letzten spanischen Vizekönigs von Südperu. Sie wuchs im Wohlstand auf, verlor aber schon früh beide Eltern. Sie hatte eine rebellische Einstellung. Als erste unter den Damen der Landeshauptstadt trug sie kurzgeschnittenes Haar, schrieb eigenhändig Schecks aus und steuerte selbst ihr Auto. Kurz nach ihrer Hochzeit brach Ernesto sein Studium ab. Er wollte unter keinen Umständen sein Leben hinter einem Pult oder Zeichentisch verbringen. Das junge Paar gibt das Geld der la Sernas mit vollen Händen aus, ihre Feste sind skandalumwittert. Doch das Vermögen war schnell geschrumpft, denn Ernesto mußte wie Celia sein Erbe mit elf Geschwistern teilen. In der nordargentinischen Mate-Provinz Misiones besaß Celia Ländereien. Dort siedelte sich das Paar an. Ernesto hoffte, durch den Mateanbau das bescheidene Vermögen zu vermehren, er träumte von einer anarchistischen Gemeinschaft, die er, fern von der Zivilisation, dort gründen wollte. Er finanzierte sein ,,freies Dorf” mit den Erlösen aus dem Mate-Handel. Doch über Festen, Jagdausflügen und Diskussionen, wie das Paradies auf Erden herbeizuführen sei, vergaß er die Mate-Bündel abzuschicken. Er entschuldigte sich mit einem Achselzucken: war er hier um zu feiern oder um zu arbeiten. Am 14.Juni 1928 kam ihr Sohn, Ernesto Guevara, der den Namen des Vaters erhielt, bei einer Frühentbindung zur Welt. Als Ernesto Guevara Lynch wenigstens das Geld verdient hatte, das ihm in der ersten Zeit verlorengegangen war, zogen sie nach San Isidro, einem Vorort von Buenos Aires.
Kindheit und Jugend
Am 2.Mai 1930 ging Celia mit dem bald zweijährigen Ernesto bei kaltem und stürmischem Wetter zum Schwimmen. Auf dem Heimweg stellte sich bei ihm eine Übelkeit ein, dies führte zu einem schweren Asthmaanfall, was zur Folge hatte, dass er sein Leben lang chronischen Asthmaattacken ausgesetzt war. Wegen des feuchten Klimas in San Isidro zogen seine Eltern mit ihm, auf Anraten des Hausarztes, in die trockene Luft des Kurortes Alta Gracia im Bergland der Provinz Córdoba. In Alta Gracia kamen zu Tete, wie Ernesto gerufen wurde, noch zwei Brüder und zwei Schwestern hinzu. Aber Tete blieb das Lieblingskind der Mutter, was ihm den Zorn seiner Geschwister einbrachte. Ernesto war schon mit sieben Jahren der Anführer einer Bande, die des öfteren die Jungen der besseren Bürgerschaft und reicher Kurgäste zu einem Fußballspiel herausforderten. Gewöhnlich gewann das Proletarier-Team Ernestos, während die Verlierer weinend und verspottet nach Hause liefen. Sein Vater brachte ihm schon früh das Schachspielen bei, es heisst, dass er als Jugendlicher
schon gegen den argentinischen Schachmeister ein Remis erreicht hätte. Später in Kuba wird er mit dem amerikanischen Schachweltmeister Bobby Fischer über Telefon einige Partien spielen. Er konnte aufgrund seiner Krankheit im vierten, fünften und sechsten Schuljahr kaum zur Schule kommen. Seine Geschwister schrieben ihm dann die Aufgaben ab und gaben sie ihm. Aber er wurde auch von seiner Mutter unterrichtet. In Schulzeugnissen wird Tete als rebellisch, waghalsig und kühn geschildert. Wegen widerspenstigen und respektlosen Betragens mußte er die Volksschule wechseln. Da es in Alta Gracia kein Gymnasium gab, wurde er 1941 beim Nationalkolleg ,,Dean Funes” in der etwa 40 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Córdoba angemeldet. Mit vierzehn schließlich, war er ein stämmiger und selbstbewußter Junge geworden. Er begeisterte sich für den Rugbysport, allerdings wurden dadurch seine Asthmaanfälle immer schlimmer. Aber er besaß eine ungeheure Willensstärke und so ging er bei einem solchem Anfall an den Spielfeldrand, inhalierte ein paar Minuten und spielte dann weiter. Er las viel. Dem Vater gehörte eine private Bibliothek von 3000 Bänden. Er interessierte sich am Anfang vor allem für Abenteuergeschichten, Jules Verne, Emilio Salgari, Jack London und ähnliches. Er hatte mit sechzehn nahezu alle Bücher des Vaters aus Geschichte, Poesie, Literatur und insbesondere Politik gelesen. Seine Mutter lehrte ihm die französische Sprache, die damals ein ,,Muss” für die Elite war. Er konnte schon nach kurzer Zeit französische Bücher im Original lesen. Er war aber, obwohl er so viel gelesen hatte, keineswegs ein Bücherwurm – mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Roberto erkundete er die Umgebung. Sein Vater ermunterte ihn auch dazu, weil er glaubte so werde in ihnen ein kräftiges Freiheitsgefühl heranwachsen. Im Februar 1946 gewann Juan Domingo Perón die Wahlen, und im gleichen Jahr sollte Ernesto zum Wehrdienst eingezogen werden. Er beantragte Aufschub. Jahre später, als er wieder antreten musste, nahm er vor den medizinischen Untersuchungen ein kaltes Bad und erwirkte dank des dann auftretenden Asthmaanfalles die Freistellung. Der Druck der Eltern auf den Erstgeborenen stieg. Ernesto kündigte also an Ingenieurwissenschaften zu studieren. Jedoch erkrankte seine Großmutter Ana in Buenos Aires schwer, und er versorgte sie bis in ihren Tod. Er, der sein Leben lang mit einer Krankheit konfrontiert war, entschied sich Medizin zu studieren. Er wollte sein eigenes Mittel gegen das Asthma sein. 1947 begann er ein Medizinstudium in Buenos Aires. Er war kein herausragender Student, aber auch kein schlechter. In dieser Zeit lernte er das erste Mal die Theorien von Karl Marx kennen. Er begann, die Launen des Asthmas durch körperliche Erschöpfungszustände in den Griff zu bekommen. Er lebte alles auf einmal: Fußball, Schwimmen, Rugby, Schachwettkämpfe, er wühlte sich durch den Dschungel der Romane und der Weltliteratur.
Erwachsenwerden, seine Reisen und die Entwicklung seiner revolutionären Ader
In dieser Zeit, zu Beginn der 50er Jahre, war Argentinien in zwei Lager gespalten, die einen, die den sogenannten Peronismus des Präsidenten befürworteten, und die anderen, das Proletariat, das mit Massendemonstrationen auf sich aufmerksam machte. Die Studenten fühlten sich in dieser Zeit eingeengt, denn im Zweiten Weltkrieg fand ein intensiver kultureller Austausch mit Europa statt. Dieser Austausch war nun zweitrangig geworden und die Jugend, erdrückt von einer nationalen, kleinkarierten Politik, träumte davon in die weite Welt zu fliehen. Ernesto entschied sich, in das Innere des Landes mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor auf Entdeckungsreise zu gehen. Er traf sich am Ende seiner Reise mit dem älteren der Brüder
Granado im Leprakrankenhaus Chanar bei Córdoba. Dort machte Ernesto seine ersten Erfahrungen mit Kranken. Für ihn verkörperten die Leprakranken die Verstoßenen aus der Bibel, die Armen, die Arbeiter. Er legte auf seiner Reise insgesamt 4.500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Zurück in Buenos Aires, nahm er alle möglichen Arbeiten an. Er erfand ein Insektizid und bestand seine Prüfungen ohne größere Schwierigkeiten, allerdings auch ohne Glanzleistungen. Er machte den Eindruck, als wäre er immer mit etwas anderem beschäftigt als mit dem Studium. Im Oktober 1950 lernte er María del María Carmen Ferreyra, ,,Chichina”, Tochter einer aristokratischen Familie aus Córdoba, kennen. Ihre Eltern besaßen ein eigenes kleines Dorf mit Tennisanlagen, einem Gestüt mit Polopferden und Unterkünften für die Landarbeiter. Sie hatten eine Liebesbeziehung und Ernesto übte sich in Ironie und provozierte ohne Respekt den Vater von María. Sein Aufzug stand im Gegensatz zu seiner intelligenten Konversation. Er war das lebende Beispiel für einen brillanten Herumtreiber. Ernesto steigerte sich in seinen Provokationen. Es reichte ihm nicht, mit einem Gürtel als Krawatte zu erscheinen, eines Abends ließ er eine flammende Rede gegen Winston Churchill los, dem Herr Ferreyra offene Bewunderung entgegenbrachte. Im Oktober 1951 traf Ernesto sich mit seinem Freund Alberto Granado in Córdoba. Sie wollten mit einem Motorrad mit einigen Unterbrechungen bis nach Nordamerika fahren. Nach einem Monat Vorbereitungen brachen sie auf. In acht Monaten durchquerten sie Chile, Bolivien und Peru, wo sie das Leprakrankenhaus San Pablo besuchten. Sie fuhren mit einem Floß auf dem Amazonas nach Kolumbien und Venezuela. In Venezuela trennten sich die Freunde. Alberto blieb in einer Leprastation, und Ernesto nahm eine Arbeit in einem Transportflugzeug an, das über Miami nach Buenos Aires flog. Wieder daheim in seinem kleinen Zimmer in der Straße Aráoz beendete er sein Studium. In den letzten drei Monaten legte er vierzehn Prüfungen ab. Für seine Familie erfüllte sich ein Traum der Mittelschicht: ihr Sohn wurde Arzt. Ernesto plante mit seinem Jugendfreund Carlos Ferrer seine dritte Reise durch Lateinamerika. Am 7. Juli 1953 nahmen sie den Zug nach Bolivien. Seine Eltern werden ihn erst in Havanna wiedersehen. Die Freunde kamen am 24. Juli in La Paz an. Bolivien stand in dieser Zeit kurz vor einem Bürgerkrieg. Sie reisten weiter nach Norden. Nach einem kurzen Aufenthalt in Peru fuhren sie weiter nach Ecuador, wo Armut wirklich Not bedeutete. Ernesto hielt sich nur mit dem Verzehr von Bananen über Wasser. Sie hatten kein Geld für die Weiterreise aber sie wollten auf keinen Fall umkehren. Ernesto reiste mit einem anderen Argentinier, Eduardo García, nach Guatemala wo gerade eine linke Revolution stattfand. In einem Hafen ergatterten beide Freikarten nach Mittelamerika. In San José, Costa Rica, knüpfte er erste Kontakt zu kubanischen Revolutionären. Sie erzählten ihm von ihrem Überfall auf die Kaserne Moncada und rühmten einen hervorragenden kubanischen Rechtsanwalt, der den Diktator Batista gezwungen hatte, ihn nach seiner Verhaftung freizulassen. Als er ihn, Fidel Castro, kennenlernte, akzeptierte er den Wunsch des anderen als seinen eigenen. Sie gaben ihm den Namen Che (Che bedeutet in Argentinien Kumpel). Er hatte auf seinen Reisen durch Lateinamerika die Macht des US-Dollars gespürt, die seinen Hass auf die USA verstärkte. Ende 1953, als die lateinamerikanische Politik noch nicht ganz von den USA dominiert wurde, herrschte ein Sammelsurium an Demokratien, Aufständen und Diktaturen. Während Europa seine Wirtschaft wieder aufbaute und die Vereinigten Staaten sich im Konsumrausch übten, engagierten sich immer mehr Jugendliche für demokratische und sozialistische Bedingungen. Denn Lateinamerika geriet immer mehr in die Abhängigkeit und Ausbeutung durch die USA, was zu einem nie dagewesenen Nationalismus auf dem ganzen Kontinent führte.
Es herrschte Aufruhr in Guatemala, wo Guevara noch neun Monate verbrachte. Die Präsidentschaft des Oberst Jacobo Arbenz brachte den lang ersehnten Demokratisierungsprozess in Gang. Die Regierung hatte eine Agrarreform beschlossen, die die Nutzung des brach liegenden Landes regeln sollte. Diese Maßnahme war allerdings nicht im Sinne der US- amerikanischen United Fruit, die riesige Bananenplantagen besaß. Das Land war ein Auffangbecken für Emigranten und politische Flüchtlinge des ganzen Kontinents. Am 20. Dezember 1953 wurden Che und García Hilda Gadea, einer exilierten Peruanerin vorgestellt. Sie hat die Herumtreiber, die keinen Peso besaßen und keine Übernachtungsmöglichkeit haben, aufgenommen. Sie war eine ernste junge Frau, die sich ganz und gar der Politik verschrieben hatte. Während der nächsten Monate war Hilda die moralische Stütze für Ernesto, der unter vielen Asthmaanfällen litt und sich erfolglos um die Anstellung im Krankenhaus als Arzt bemühte. Sie beide verband eine intellektuelle Übereinstimmung. Er machte ihr wiederholt einen Heiratsantrag, aber sie wollte sich damit nicht zufriedengeben und lehnte ab. Währenddessen hörte er von einem erneuten gescheiterten Überfall auf die Moncada-Kaserne. Ernesto nahm kleine Arbeiten an und in einem Krankenhaus forschte er unablässig über Allergien. Sein Hauptinteresse lag aber weiterhin in der Politik. Im März 1954 wurde die politische Situation in Guatemala explosiv. Che erlebte die verdeckte Invasion der USA von Honduras aus mit. Er trug sich in die Freiwilligenbrigade zur Verteidigung des Volkes ein und nahm Schießunterricht. Doch er war nur in einer Bereitschaftstruppe und kam nicht zum Einsatz. Es wurde klar, das die Regierung Arbenz nicht bereit war, zum Äußersten zu gehen, und eine ursprünglich geplante Volksmiliz kam nicht zustande. Die Umstände machten aus Che, der bis jetzt dem Kommunismus freundlich gesinnt war, zu einem überzeugten Unterstützer der Sowjetunion. Nachdem er von den Soldaten gesucht wurde, floh er mit vielen Kubanern nach Mexiko. Ende 1954 verdiente er sich sein Geld mit dem Verkauf von Kinder- und Touristenfotos. Im März wurde er von der Agencia Latina beauftragt, als Fotograf von den Panamerikanischen Spielen zu berichten. Er war wieder mit Hilda zusammen. Eine Gruppe von jungen Männern mit demokratischen Ideen stürmte die Kaserne in Santiago, der zweitgrößten Stadt Kubas, aus verzweifeltem Protest gegen die Diktatur. Der Rechtsanwalt Fidel Castro, knapp 29 Jahre alt, war einer der Anstifter und der Überlebenden. Fidel und seine Kameraden wurden gefangengenommen und viele wurden zu Tode gefoltert und erschossen. Fidel wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die Härte des Urteils ließ die Regierung immer mehr in ein schlechtes Licht fallen. Im Mai 1955 nahm der Druck auf Batista zu und er war gezwungen, Fidel freizulassen. Fidel und die anderen gingen als die moralischen Sieger hervor und wurden des Landes verwiesen. Ende Juni lernte Che Raúl Castro kennen. Der jüngere Bruder des Anführers ist auch durch den Überfall bekannt geworden. Fidel ging erst in die USA und dann nach Mexiko ins Exil. Raúl brachte Che zu einem Treffen der Beteiligten an dem Überfall auf die Kaserne. Fidel und Che trafen sich. Fidel bot ihm an, sich ihnen anzuschließen, doch Che zögerte noch etwas. Und versuchte diesen Schritt so weit wie möglich herauszuzögern. Er träumte von einer Reise nach Spanien. Doch seine Fluchtgedanken wurden durch Hildas Schwangerschaft unterbrochen, sie heirateten am 18. August 1955. Zu Beginn des Jahres 1956 schloß er sich Fidel aktiv an und begann mit körperlichen und militärischen Vorbereitungen gemeinsam mit den anderen Revolutionären im Inland Mexikos. Am 15. Februar kam seine Tochter Hildita zur Welt. Aber Ernesto war ein Vater, der für die Revolution lebte, und beschränkte sich auf Stippvisiten, um die Anfänge der Tochter
mitzuerleben. Im April ernannte Fidel ihn zum Personalchef. Seine Ehe, die zu sehr auf gleicher politischer Meinung basierte, zerfiel in diesen Monaten. Im Juni 1956 nahm die mexikanische Polizei die Mitglieder der Bewegung um Fidel Castro, als Zeichen der Freundschaft zum Diktator Batista, fest. Doch Fidels Unterstützung in Havanna war groß, und er kam aus dem Gefängnis frei. Fidel wartete auf Che, der am 31. Juli freikam. Danach nahmen sie das Training sofort wieder auf. Und dann war es soweit:
Die kubanische Revolution
Am 25. November 1956, Che war damals 28, stach ein kleines Boot mit dem Namen Granma in die Karibische See, mit dem Ziel Kuba. Das Boot war für 18 Mann gebaut worden, bei dieser Überfahrt waren aber 82 Guerilleros an Bord. Anführer dieser Truppe waren Fidel Castro und Che Guevara. Auf Kuba gelandet, sollten diese zu ihren kubanischen Guerillakumpanen in die Berge geführt werden. Doch als sie die kubanische Küste schon fast erreicht hatten, wurde das Boot so von der Brandung durchgeschüttelt, dass der Steuermann über Bord fiel! Bei der Rettungsaktion ging so viel Zeit verloren, daß das Boot schon wieder weit von der Küste weggetrieben wurde. Zu allem Überfluß haben sie auch noch all ihre Navigationsinstrumente verloren.
Im Morgengrauen des 30. November, die Granma war zu dieser Zeit immer noch im Wasser, griffen 300 Junge Guerilleros das Zollhaus und das Polizeipräsidium von Santiago de Cuba an. Das Zollhaus wurde in Brand gesteckt und das Präsidium vorläufig besetzt. Gleichzeitig griff eine Gruppe Fidelistas (Castro Anhänger) das Staatsgefängins an und befreite alle politischen Gefangenen. Wenige Tage nach diesem Schlag gegen die kubanische Staatsgewalt mussten sich die Rebellen aber wieder zurückziehen. Am 2. Dezember erreichte die Granma, mehr durch Zufall als durch planmäßige Navigation die kubanische Küste. Sie waren allerdings am total falschen Ort und zu spät, um an den Kämpfen in Santiago teilzunehmen. Vermutlich wurde das Boot von Flugzeugen entdeckt, denn als die Guerilleros an Land gingen kreuzten auch schon die ersten Boote der Seepolizei auf. Ein Bauer, der die Rebellen gesehen hatte lud sie auf dessen Hof zum Essen ein. Kaum hatten sie sich gesetzt fielen aber auch schon wieder Schüsse und sie mussten weiter landeinwärts eilen.
Am 5. Dezember schien schon alles verloren. Nahe Cabo Cruz gerieten die Rebellen in einen Hinterhalt der Truppen des Diktators. Erst Jahre später erfuhren die Männer, dass der Wegführer ein Verräter war. Die Guerillakämpfer gerieten in einen fürchterlichen Kugelhagel! Auch Che wurde dabei in der Brust und am Hals verwundet, der größte Teil der Männer starb. Wie durch ein Wunder konnten einige der Guerilleros entkommen und sammelten sich Tage später in den Bergen: Es waren nur noch 12 Mann mit 7 Gewehren. Unter den Männern befanden sich außer Che u. a. Fidel und Raúl Castro und Camilio Cienfuegos, welche später die Rebellion entscheiden sollten. In einem Lager begannen sie wieder mit dem Anwerben von Männern und dem Training. In den Radiostationen war, natürlich verschlüsselt, zu hören, dass Che und Castro in der Sierra Maestra angekommen waren. Viele Bauern kamen zum Lager und schlossen sich den Guerilleros an; langsam aber sicher wurde eine ganze Armee zusammengestellt. Nach mehrwöchiger Regeneration und Neuorientierung erzielten die Rebellen am 16. Januar 1957 den ersten Sieg; die Einnahme einer kleinen Kaserne am La Plata Fluss. Sie bestiegen einen 2000 Meter hohen Berg, dies bedeutete für den Asthmatiker die Hölle, da er kein Adrenalin mehr für seinen Inhalator hatte.
Die Rebellen hatten das Problem, Öffentlichkeit zu schaffen. Die offiziellen Medien erklärten Fidel für tot, wodurch die Guerilla in der Bevölkerung und im Ausland an Glaubhaftigkeit verlor. Am 17. Februar gab Castro in den Bergen dem Journalisten Herbert Matthews von der New York Times ein Interview. Matthews, der sich in Havanna befand, war von den konservativen Nordamerikanern kritisiert worden, da er aus seinen Sympathien für die Rebellen keinen Hehl machte. Fidel konnte also die Nachrichten weiterleiten, die die Revolution dringend brauchte. Er übertrieb die Anzahl der Kameraden um ein Vielfaches, gab sich euphorisch und provozierte das Weiße Haus, indem er sagte, dass alle Waffen, die die USA liefern, zur Unterdrückung des kubanischen Volkes eingesetzt werden. Nach vielen kleineren und großen Gefechten geschah am 13. März 1957 etwas, was den Krieg schon fast beendet hätte: ein Anschlag auf Batista. Dieser scheiterte zwar, doch die Männer um Castro wußten nun, daß sie nicht allein waren. Batista antwortete mit übertriebenem Gegenterror, jeder, der verdächtigt wurde, mit der Guerilla in Verbindung zu stehen, wurde gefoltert oder sogar getötet. Am 15. März erhielt die kleine Armee weitere Unterstützung von einigen kubanischen Emigranten. Im Mai bestand die Streitmacht wieder aus 80 Mann. Nicht viel im Vergleich zu der mit modernsten Waffen ausgerüsteten 60 000 Mann starken Regierungsarmee. Die Guerilla hatte zwar auch ein ganz schönes Waffenlager, aber viel zu wenig Munition. Che hatte da eine gute Idee; Er schickte hübsche Bauerntöchter zu den jungen Soldaten der Armee. Die Mädchen flirteten dann mit diesen und verlangten zum Abschied ein paar Patronen, in seltenen Fällen konnten sie sogar gleich die ganze Munition mitgehen lassen. Wie man an diesem Beispiel sieht, war es ein Krieg, der von Seiten der Rebellen mit Witz und Tollkühnheit geführt wurde. Die Taktik der Guerilleros war einfach, aber effektiv: Sie führte Überaschungsangriffe durch, legten Hinterhalte, schossen auf die Offiziere und den Vortrupp der gegnerischen Armee. Diese Methode demoralisierte das Batistaheer, da auf diese Weise diejenigen an der Spitze zuerst fielen. Aus der Rebellion wurde ein Befreiungskrieg. Die zunehmende Unterstützung durch die Bevölkerung gab den Kämpfern den nötigen moralischen Rückhalt. Mitte Juli 1957 ernannte Fidel Che zum Hauptmann und beauftragte ihn mit der Bildung einer neuen Kolonne, der vierten. Danach hatten die Rebellen ihr Gebiet in den Bergen so weit ausgedehnt, dass sie ihre eigenen Fabriken eröffnen konnten. In dieser Zeit waren die Guerilleros sehr undiszipliniert und hochmütig. Che griff in solchen Fällen immer hart durch. Einmal wurde ein Guerillero von ihm mit verbundenen Augen an einen Baum gebunden, Che erklärte ihm, er würde ihn jetzt erschießen. Che schoss dann aber nur zweimal in die Luft, denn die Angst sei Strafe genug. Trotz solcher Aktionen wurde Che nie als ein Chef betrachtet, er blieb immer ein guter Freund aller, der immer einen guten Rat auf Lager hatte. Im Laufe der monatelangen Kämpfe, bei denen Ches taktische Fähigkeiten immer mehr zum Tragen kamen, erhielt er den Rang eines Comandante, Major, den höchsten Rang der Guerilleros. Und so bekam er den goldenen Stern auf seine Baskenmütze geheftet. Nach mehreren Niederlagen der Batistaarmee in Oriente entschied Fidel Castro, neue Kampffronten zu errichten. Nun wurde in der Presse ausgiebig über die Rebellen unterrichtet und sie verfestigten die Revolution im östlichen Teil des Landes. Indem sie es zum ,,befreiten Gebiet” erklärten, spaltete
sich Kuba in zwei Rechtsgebiete. Che gründet mit seiner Einheit die Zeitschrift ,,El Cubano Libre” und den Radiosender ,,Radio Rebelde”, der täglich abends und nachts mit einer großen Reichweite ausstrahlte. Während Fidel mit seinen Kolonnen weiterkämpfte, war Che mehr für Errichtung von Fabriken, Krankenhäusern und Schulen für die fast ausschließlich aus Analphabeten bestehenden Bauern und Armen Kubas zuständig.
Fidel rief zu einem Streik der gesamten kubanischen Bevölkerung auf, der aber wegen einer schlechten Organisation der Arbeiterführer misslang. Nach ihrem politischen Sieg über den Streik startete die Diktatur eine massive Offensive in den Bergen. 10 000 Soldaten näherten sich von vier Seiten, zu Wasser und zu Land. Die Rebellen, die nicht mehr als 320 Mann zählten, standen vor einem taktischen Problem, das sie nur durch die Kunst des Guerillakampfes lösen konnten. Der Kampf dauerte zweieinhalb Monate und es schien sich nach vielen kleinen Siegen der Guerilla eine Demoralisierung in der Batistaarmee breitzumachen. Die 320 Rebellen nahmen 400 Soldaten gefangen und ließen Tausende Tote auf dem Kampfplatz zurück. Die meisten der gefangenen Soldaten wurden in das Rebellenheer eingegliedert.
Die Commandantes Guevara und Cienfuegos starteten die Operation ,,Die Invasion”! Ches Gruppe bestand aus 146 Männern, welche am 27. September 1958 aufbrachen, um bei Santa Clara mit Camilos Männern zusammenzutreffen, wo es zur entscheidenden Schlacht kam. Sie marschierten immer nur in der Nacht, um nicht in einen Hinterhalt zu kommen und sie hatten nur wenig Nahrung bei sich. Nach 40 Tagen und vor allem Nächten erreichten sie die Stadt. Nachdem die Kasernen, welche Santa Clara wie einen Ring umgaben, eingenommen waren, sank die Moral der Gegner ins Bodenlose. Che nahm das Elektrizitätswerk und einen wichtigen Radiosender ein, durch den es ihm möglich war, den Bewohnern der Stadt mitzuteilen, dass fast die ganze Stadt von den Rebellen erobert war. Die Bevölkerung unterstützte daraufhin die Guerilla, indem sie die Straßen blockierte und die Verschiebung der Batista-Truppen verhinderte. Batista schickte als Antwort einen gepanzerten Zug voller Waffen und Munition für seine Soldaten nach Santa Clara. Die Rebellen bewarfen den Zug mit Molotow-Cocktails, was den Zug für die Soldaten zu einer Flammenhölle werden ließ und die Soldaten ergaben sich. Das Militär zog sich langsam zurück und Ches Männer konnten die zentralgelegene Stadt einnehmen. Von dort konnten sie alle wichtigen Straßen- und Eisenbahnverbindungen besetzen. Auch die internationale Presse war inzwischen auf der Seite der Befreier, und so kam es am 1. Januar des Jahres 1959 zum Sturz Batistas und zum Sieg der Männer um Fidel und Che.
Im letzten Monat des Kampfes lernte Che eine junge Frau aus dem Untergrund kennen, Aleida March, sie kamen zusammen und trennten sich niemals.
Seit dem Missgeschick mit der Granma waren nun mehr als 2 Jahre vergangen, aus den Guerillaverbänden war eine revolutionäre Armee geworden, die es schaffte, die kubanische Hauptstadt Havanna ohne Kampfhandlungen zu erobern. Auch Batista sah ein, dass seine Zeit abgelaufen war und verließ mit seinen Leuten das Land. In der Nacht auf den 2. Januar 1959 sprach Castro in Santiago vor einer riesigen Menschenmenge über seine Ziele. Einen Tag später wurde im ganzen Land, als Schlußstrich unter die Batista-Ära, gestreikt. Alle Zeitungen der Welt verkündeten dieses Ereignis. Der Einzug nach Havanna wurde zum Triumphzug.
Die militärischen Aufgaben der Vorhut waren einfach. Mit seinem breiträndigen Hut und dem Bart eines Propheten fiel Camilio am Morgen des 3. Januar 1959 in Havanna ein. Das Volk war in einem wahren Taumel. Am Morgen danach erreichte Che die Hauptstadt, er durchstreifte die Hauptstadt dieses für ihn unbekannten Landes, des Landes, das er unter Einsatz seines Lebens lieben gelernt hatte. Die Ankunft von Fidel am 8. Januar war die Krönung.
Fidel gewann, weil das Batista-Regime zerbrechlich war, es hatte keine wirkliche Unterstützung außer von denen, die davon profitierten.
Nach dem Triumph
Als erstes rief Che seinen Vater an. Sein Akzent hatte schon so sehr den kubanischen angenommen, dass Guevara Lynch ihn im ersten Moment nicht erkannte. Der Sieg war ein Freudentaumel, alle waren zusammen, die Linken und die bürgerlichen Parteien, Arme und Reiche, Arbeiter und Studenten, alles bewegte sich im Rhythmus des Mambo-Tanzes. Che fuhr auf einem Panzer durch Havanna, neben sich Camilio und Fidel. Die Bevölkerung war auf den Straßen, um den Sieg zu feiern, außer sich vor Freude. Sie feierten auf den Panzern, als wenn es Wagen von Karnevalsumzügen wären. Cienfuegos hatte ein Flugzeug nach Buenos Aires geschickt, um Exilkubaner zu holen. Die Familie Guevara hatte ihren Sohn das letzte Mal beim Abschied auf dem Bahnsteig gesehen. Doch der Sieg war nicht nur angenehm für Che. Es kamen auch Hilda Gadea und die gemeinsame Tochter Hildita nach Havanna, und sie trennten sich endgültig voneinander.
Das Fest wurde auch von Zweifeln begleitet. Fidel, 32 Jahre alt, konnte wegen seines Alters nicht die Präsidentschaft übernehmen, hierzu bedurfte es einer Verfassungsreform, und so war er vorerst nur Oberbefehlshaber des Rebellenheeres.
In Havanna herrschten Ende der fünfziger Jahre Spiel und Prostitution, in der Meyer Lanski und Santos Trafficante, zwei Paten der Mafia regierten. Che wollte nun die Spieler, Verbrecher und Zuhälter ausweisen.
Die USA kontrollierten 75% des Handels. Sie besaßen 90% der Minen des Landes und 50% des Bodens. Die Mittelklasse erfreute sich eines Lebensstandards, der dem des großen Nachbarn im Norden vergleichbar war. Man fuhr in riesigen Buicks und Chevrolets spazieren, die man an blitzenden Parkuhren abstellte. Dafür waren 500 000 Kubaner arbeitslos – bei einer Bevölkerungszahl von 6,5 Millionen. Nur 4% der Zuckerrohrschneider auf dem Land konnten sich Fleisch leisten, nur 2% Eier. Fast ein Viertel der Bevölkerung waren Analphabeten.
Fidel Castro wurde dann im Februar zum Premierminister von Kuba ernannt. Er präsentierte sich als Nationalist und Reformist. Er reiste in die USA und traf sich dort mit dem Vizepräsidenten Richard Nixon, der zweifellos glaubte, ihn für sich gewinnen zu können. Aber am 17. Mai 1959 verabschiedete die neue Regierung eine Agrarreform, die den Großgrundbesitz von mehr als 400 Hektar verbot. Öffentliche Dienste wie Verkehr und Telefon wurden verstaatlicht, ebenso die Zuckerrohr – und Tabakplantagen, außerdem wurde das Gesundheits – und Erziehungswesen reformiert.
Am 2. Juni 1959 heiratete Ernesto Guevara Aleida. Auf einer Versammlung von Aktivisten fragte Fidel: ,,Gibt es einen Ökonomisten im Saal?”
Guevara hob die Hand, weil er verstanden hatte: ,,Gibt es einen Kommunisten im Saal?” ,,Gut, du wirst Präsident der Nationalbank.”19
Seine Verachtung für Geld zeigte Guevara, indem er die Geldscheine mit ,,Che” unterzeichnete. Che verstand nichts von Banken, doch Fidel brauchte einen Revolutionär, und es gab keine revolutionären Bankiers. Er war ein Bankier, der das Geld als Symbol der Ausbeutung verachtete: ,,Der Lohn ist ein altes Übel…, das durch den Kapitalismus entsteht… und auch nicht mit dem Sozialismus untergeht”, schrieb er 1962. ,,Das Problem wird erst dann ausgemerzt sein, wenn es kein Geld mehr gibt, wenn man am idealen Ziel angekommen ist: dem Kommunismus.”20
Täglich arbeitete er sechzehn Stunden in der Bank, und am Wochenende war er bei der Zuckerrohrernte dabei. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon die freiwillige Arbeit an Wochenenden eingeführt. Diese Initiative war eine seiner zentralen Ideen, der Erbauung eines neuen Vaterlandes. Zu diesem Zeitpunkt verdiente der Präsident der Nationalbank 125 Dollar im Monat.
Später verteilte die Regierung Auszeichnungen für freiwillige Arbeit. Che gab die Parole aus, dass der Arbeiter durch seine moralische Anerkennung, und nicht durch materiellen Anreiz entlohnt wird. Diese Überlegung war ein zentraler Gesichtspunkt in der Vorstellung vom ,,Neuen Menschen”.
Am 4. März 1960 traf die erste Ladung mit Waffen aus Belgien, die die Kubaner trotz des Drucks der Amerikaner einkaufen konnten, an Bord des französischen Frachters La Coubre im Hafen von Havanna ein. Doch das Schiff endete in einer gewaltigen Explosion im Hafen. Das Attentat, das vermutlich vom CIA durchgeführt wurde, hinterließ 130 Tote und hunderte von Verletzten. Auch Che war sofort im Hafen und half den Verwundeten. Am nächsten Tag verkündete Fidel auf einem Protestmarsch die neue Losung Kubas: ,,Patria o muerte. Venceremos!”21 (Vaterland oder Tod. Wir werden siegen!) An diesem Tag machte der Fotograf Alberto Korda das berühmte Foto des Che, das Jahre später zum Symbol für die gesamte Jugend der ganzen Welt wurde.
Die Meinungsverschiedenheiten mit den USA nahmen zu. Als Antwort auf die Verstaatlichungen senkten die Amerikaner radikal die Einfuhrquoten für den Zucker. Sie provozierten damit eine Annäherung der Kubaner an die Sowjetunion, die bereitwillig an die Stelle der USA trat. Am 19. Oktober verhängten die USA ein Handelsembargo gegen die Insel.
Che wurde Botschafter von Kuba und unternahm viele Reisen in die sozialistischen Länder, um Handelsbeziehungen aufzubauen. Er wurde überall begeistert gefeiert, und er unterschrieb in Moskau ein Handelsabkommen mit der Sowjetunion, damit die USA nicht dazu kamen, sie zu erpressen. Auf diesen Reisen ging auch ein Traum für ihn in Erfüllung: Er traf sein Idol Mao.
Sein erstes Kind mit Aleida wurde geboren, seine Tochter Aliusha.
Am 23. Februar 1961 wurde Ernesto Guevara zum Industrieminister ernannt. In dieser Zeit arbeitete er von morgens acht Uhr bis nachts um vier. Neben seinen Büroarbeiten im Ministerium schrieb er noch Artikel für Bücher und er verordnete sich noch wöchentlich siebzehn Stunden Mathematikunterricht zu geben.
Che rauchte zuviel, er hatte bei der Revolution angefangen Havannas zu rauchen, seine Mitarbeiter machten sich Sorgen um seine Gesundheit. Er versprach, nur noch eine pro Tag zu rauchen. Am nächsten Tag kam er mit einer Zigarre ins Ministerium, die fast einen Meter lang war.
Am Morgen des 15. Aprils 1961 bombardierten nordamerikanische Flugzeuge einige Flugstützpunkte in Kuba. Die USA, unter dem Präsidenten Kennedy, planten, einen Stützpunkt in Kuba zu errichten und bereiteten eine Invasion vor.
Die berühmte Invasion in Schweinebucht wurde am 17. April 1961 von 3000 freiwilligen, tapferen kubanischen Soldaten verhindert. Die Invasion scheiterte, bevor sie erst begonnen hatte. Bei den Kämpfen verlor Kuba 161 Kämpfer. Sie machten 1200 Gefangene, die gegen ein Lösegeld von 52 Millionen Dollar in Form von Lebensmitteln und Medikamenten freigelassen wurden.
Es ist ein Vorspiel von dem, was später in viel größerem Ausmaß in Vietnam geschehen wird: Die USA hatten den Faktor Mensch unterschätzt, der mit seinem Glauben an sein Vaterland die Kraft von vielen bekommt und die militärische Unterlegenheit ausgleicht.
Am 20. Mai 1962 wurde sein Sohn Camilio geboren.
Im Juni vereinbarte Fidel mit den Sowjets die Stationierung von Nuklearraketen in Kuba.
Am 14. Juni 1963 kommt seine dritte Tochter Celia, zur Welt.
Fidel unterzeichnete in Moskau ein Wirtschaftsabkommen mit dem Aufruf zur friedlichen Koexistenz.
Am 11. Dezember 1964 hielt Che eine heftige ,,Anti-Yankee”-Rede vor den ,,Vereinten Nationen” in New York. Indirekt verurteilte er auch die Politik des Kreml.
1965 verschwand Che. Die wildesten Gerüchte gingen in der Welt um. Manche wollten ihn im Vietnam gesehen haben, andere im Irrenhaus, einige glaubten, er sei tot. Erst am 3. Oktober übergab Fidel einen Abschiedsbrief Ches, den er im April geschrieben hatte. Er schrieb, dass er anderen Völkern beim Kampf gegen die Unterdrückung helfen wolle.
Er wollte eine Revolution im Kongo führen, die aber nach elf Monaten wegen der Verantwortungslosigkeit der afrikanischen Revolutionäre scheiterte, da sie lieber das süße Leben genießen wollten. Nach einer Reihe schwerer Anfälle von Asthma, Ruhr und Sumpffieber wog Che weniger als 50 Kilo. Er kehrte heimlich nach Kuba zurück, um sich zu erholen.
Bolivien: Seine letzte Schlacht
Im November 1966 landete Che Guevara, getarnt als Geschäftsmann aus Uruguay, mit Halbglatze, grauem Haarkranz, Hornbrille und gefälschten Papieren in La Paz, Bolivien, um den Kampf in der Guerilla zu beginnen. Der Einsatz in Bolivien begann damit, Verstecke anzulegen, in denen Munition, Verpflegung und Medikamente, darunter auch die gegen Che´s Asthma, deponiert wurden. Am 29. November sind es 12 Aufständische, die im Lager waren.
In den bolivianischen Anden wurde ein Lager, mit Guevara als Leiter, errichtet. Che machte mit seinen Männern Trainingsmärsche, die teilweise über 20 Tage dauerten und trainierte sie hart. Im Laufe des Dezembers wurde die Zahl der Bolivianer und Kubaner weiter erhöht, der Kontakt mit Kuba und La Paz war gut.
Im Januar kam jedoch der erste Rückschlag. Nach Che Guevaras Weigerung, die militärische Leitung des Unternehmens an die kommunistische Partei Boliviens abzutreten, kam es zum Bruch mit Monje, dem Parteichef. Die Eingliederung der bolivianischen Kämpfer gestaltete sich zudem recht schleppend. Die Zusammenarbeit mit der Agentin in La Paz, Tanja, klappte noch gut. Im Februar wurde zum abschließenden Test der Kampfkraft ein mehrtägiger Gewaltmarsch unternommen, bei dem ein junger Rebell ertrank. Ansonsten war Che relativ zufrieden mit der Truppe. Der März 1967 war sehr ereignisreich. Die Rebelleneinheit bestand aus 50 Personen: 29 Bolivianern, 16 Kubanern, 3 Peruanern, dem Argentinier Che und eben Tanja, der einzigen Frau. Die Guerilla wurde in einem Umkreis von 120 km von 2000 Mann umzingelt. Wenige Tage darauf kam es auch schon zu den ersten Kampfhandlungen zwischen den Rebellen und der Armee, dabei sind einige Soldaten getötet worden. Nach diesem Gefecht war dem Militär der Standort der Guerillaläger bekannt, deshalb musste Che früher, als er eigentlich wollte, in die bewegliche Taktik übergehen.
Der April brachte zwar einerseits beachtliche militärische Erfolge für die Guerilla, jedoch war die Isolierung der Truppe weiterhin vollständig. Der Kontakt zu der Zivilbevölkerung war absolut unzureichend. Genau dieser Kontakt ist aber für eine Revolution ausschlaggebend. Die Moral der Kämpfer war sehr gut, aber Che schätzte die zukünftige Unterstützung der Bauern viel zu optimistisch ein. Mai: Die Nachhut unter Joaquin verlor den Kontakt zur Hauptgruppe, da diese den Franzosen Debray zu einer Stadt begleiteten. Diese bestand somit, wegen der Verluste der Vormonate, nur noch aus 25 Männern. Die Verbindung mit Kuba und La Paz war abgerissen, was sehr schwer wog. Die bolivianische Armee zeigte auf militärischem Gebiet eklatante Schwächen, jedoch der Terror gegenüber der Landbevölkerung zeigte Wirkung: Sie teilte die Festnahme aller Bauern mit, die mit den “Terroristen” kollaborierten.
Juni: Es waren noch 24 Männer, die sich um Che scharten. Beteiligung der Bauern: Fehlanzeige! Ein Teufelskreis: Um Neuzugänge zu erreichen, müssen die Aktionen in bewohntere Gebiete verlegt werden. Dazu bräuchte Che Guevara aber mehr Männer. Zudem wuchsen die Legenden über die Guerillabewegung wie Schaum: Sie wurden bereits als unbesiegbare Supermänner angesehen, was aber nur an der Unfähigkeit der Gegner lag. Juli 1967: Weiterhin ungeklärt war der Verbleib der Nachhut von Joaquin, bei der auch Tanja war. Der Kontaktmangel war weiterhin das schlimmste Manko. Zwei Tote und ein Verwundeter bei den Guerilleros. Die Moral ist jedoch weiterhin sehr gut.
August: Ein schwerer Schlag war der Verlust aller Höhlen mit den Dokumenten und Medikamenten. Durch die fehlenden Medikamente brach Ches Asthma unkontrolliert aus, was bei den Männern zu einer Verschlechterung der Moral führte. Die Guerilleros Inti und Coco profilierten sich immer deutlicher als Revolutionäre.
September: Was eigentlich ein Monat der Erstarkung werden sollte, wurde, bedingt durch einen Hinterhalt, bei dem einige fielen, zum Desaster. Zudem wurde die Vernichtung der Nachhut am Vado del Yeso bekannt, bei dem nur Paco überlebte, und die Armee begann effektiver zu werden. Die Moral der verbliebenen Leute war, so schrieb Che, aber noch in Ordnung.
Oktober 1967: Es war am 8. Oktober 1967, als Che mit einer kleinen Gruppe zur Erkundung durch eine der zahlreichen bolivianischen Schluchten marschierte. Che hatte soeben seinen Männern befohlen, nur noch im Wasser weiter zulaufen, um keine Spuren zu hinterlassen, da fielen die ersten Schüsse. Es fielen Schüsse von links und von rechts, die Guerilleros waren also in der Schlucht gefangen. Die Rebellen schossen zurück, doch sie wussten nicht einmal, wo genau sich ihre Gegner befanden. Plötzlich schrie Che auf. Eine Kugel hatte seine Wade durchbohrt. Die Soldaten hatten gesehen, daß sie gewonnen hatten und kamen runter, dabei erschossen sie einige Rebellen. Guevara und zwei weitere Männer wurden von den Soldaten mitgenommen. Che schaffte es nur mit größter Mühe den Abhang hinauf. Die anderen wollten ihm helfen, doch er wehrte sich energisch dagegen. Er schleppte sich, die Waffe und sein Tagebuch umklammernd, den Hang hinauf. Che wurde von der Regierung festgenommen und vorübergehend in einem Schulhaus festgehalten, dort merkte er, daß das ganze Vorhaben von Anfang an aussichtslos war, da die Bauern keinerlei revolutionäre Ambitionen zeigten.
Nach 11 Monaten Guerillakampf wurde Che Guevara, zusammen mit den ehemaligen Bergarbeitern Willy und Chino, dem peruanischen Arbeiterführer, in der armseligen Ortschaft La Higuera, ca. 50 km von Vallegrande, ermordet: Am 9. Oktober bekam ein einfacher Soldat den Befehl, den 39 Jahre alten Che Guevara zu erschießen. Che erhielt nie eine Gerichtsverhandlung, er wurde nicht einmal vor ein Exekutionskommando gestellt, nein er wurde von einem einfachen Soldat “zum Wohle des Staates” erschossen. Anschließend wurden er nach Vallegrande gebracht, wo er der Öffentlichkeit präsentiert wurde, um die Welt vom Tod des Revolutionärs zu überzeugen. Nachdem man Ches Hände abgeschnitten hatte, wurde sein Leichnam an einem geheimen Ort verscharrt, um nicht sein Grab zu einer Wallfahrtstätte der internationalen Linken zu machen. Heute versammeln sich jedes Jahr die Einwohner von Vallegrande an Ches Todestag, um das Andenken an den Freiheitskämpfer zu ehren. Sie legen Blumen nieder, zünden Kerzen an und sprechen Gebete, in denen sie seinen Geist bitten, ihnen zu helfen. Die Männer, die den 8. Oktober überlebten, wurden noch in mehrere Kämpfe verwickelt, ehe es schließlich fünf Männern gelang, im März 1968 nach Chile zu entkommen. Es waren die 3 Kubaner Pombo, Benigno und Urbano, und die Bolivianer Inti und Dario. Colonel Quintanilla vom Ministerium für innere Angelegenheiten, der für das Abhacken von Che Guevaras Händen verantwortlich war, wurde ein paar Jahre später in Hamburg, wo er als Konsul tätig war, von einer Frau mit mehreren Schüssen aus einer automatischen. Waffe getötet.
Der bolivianische Generalstabschef Juan José Torres wurde 1976 in Argentinien entführt, später wurde seine Leiche dann in einem Vorort von Buenos Aires gefunden. Der Körper war von mehreren Kugeln durchsiebt worden. Der Kommandeur der 8. Division, Joaquin Zenteno, wurde ebenfalls 1976, in Paris von einem Guerillakommando liquidiert. Der Bauer Honorato Rojas, der die Guerilleros in den Hinterhalt von Vado del Yeso führte, wurde nur ein Jahr nach Ches Tod von der Guerilla getötet.
1997 wurden Gebeine aus dem Sammelgrab Nummer 9, ohne Schuhe, verstümmelt und ohne Hände, als die Knochen Che Guevaras identifiziert. Die markanten Merkmale, sein durch das Asthma etwas verformter Schädel und ein fehlender Backenzahn ließen keinen Zweifel. Noch am selben Tag wurden die Gebeine Ches nach Havanna transportiert. Die Bestattungszeremonie am 12. Juli 1997 war eher flüchtig und familiär.
Quellen
• Che Guevara: Leben Autor: Stephan Lahrem
• http://de.wikipedia.org/wiki/Che_Guevara
• http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/GuevaraChe/index.html
• http://www.cheguevarasite.de/

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