Biografie: Mutter Teresa

Biografie: Mutter Teresa
Mutter Teresa, eigentlich Agnes Gonxha Bojaxhio, (1910-1997), aus Albanien stammende indische Ordensgründerin.
Agnes Gonxha Bojaxhio wurde am 27. August 1910 im albanischen Skopje (heute Makedonien) geboren. Als Tochter eines Bauunternehmers wuchs sie in wohlhabenden Verhältnissen auf. Mit 18 Jahren beschloss sie, Nonne zu werden, und reiste nach Irland, um dem Orden der Schwestern von Loreto beizutreten. Nach Studien in Dublin und Darjeeling legte sie 1937 ihr Ordensgelübde ab. Bereits im Mai 1931 hatte sie zu Ehren der heiligen Theresia von Ávila ihren Ordensnamen Teresa angenommen. Während ihrer Tätigkeit als Direktorin einer Missionsschule für Mädchen in Kalkutta beschloss sie, das Elend im Land zu bekämpfen. 1948 gab sie ihren Posten auf und widmete sich fortan getreu ihrem Lebensmotto „Ich bin nur ein kleines Kabel – Gott ist der Strom”, ganz der Sorge für die Sterbenden, Waisen und Kranken (vor allem für die Leprakranken).
1950 gründete Teresa in Kalkutta den Orden Missionaries of Charity (Missionarinnen der Nächstenliebe), der später vom Papst anerkannt wurde. 1962 wurde unter der Leitung von Mutter Teresa die Leprakolonie Shanti Nagar (Stadt des Friedens) eröffnet. 1965 unterstellte Papst Paul VI. den Orden seiner direkten Kontrolle. Inzwischen ist der Orden, dem auch ein Zweig für Männer angeschlossen ist, weltweit verbreitet und zählte 2003 mehr als 4 500 Mitglieder in über 700 Gemeinschaften. Dem Orden unterstehen in 133 Ländern mehr als 700 Waisenhäuser, Kliniken und Schulen. Neue Mitglieder müssen bei ihrer Aufnahme vier Gelübde ablegen, mit denen sie sich zu einem Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam sowie zum Leben im Dienst der Bedürftigen verpflichten.
Die äußerst konservativen Ansichten von Mutter Teresa fanden nicht immer die Zustimmung aller Fraktionen der katholischen Kirche. Liberale Kirchenvertreter kritisieren ihren vehementen Einsatz gegen Verhütungsmittel und Abtreibung. Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 hatte sie bereits den Schwangerschaftsabbruch als „die größte Bedrohung des Weltfriedens” angegriffen, 1995 hatte sie die Iren dazu aufgerufen, in einer Volksabstimmung über die Ehescheidung mit Nein zu stimmen. Irland war bis zu dieser Abstimmung das einzige europäische Land, in dem Scheidungen verboten waren. Ihre scharfe Ablehnung von liberalen und fortschrittlichen Strömungen in der Kirche, wie z. B. der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, und ihr freundschaftlicher Umgang mit Diktatoren, wie dem berüchtigten haïtianischen Herrscher Jean-Claude Duvalier, ließen sie ebenfalls in die Kritik geraten.
1971 erhielt sie den erstmals verliehenen Friedenspreis des Papstes, 1979 dann den Friedensnobelpreis. Im September 1996 verlieh ihr der amerikanische Kongress den Ehrenbürgertitel, eine Auszeichnung, die bis dahin nur wenigen Persönlichkeiten zuteil geworden ist. Im März 1997 gab sie alters- und krankheitsbedingt die Leitung der Missionaries of Charity an Schwester Nirmala ab. Ein halbes Jahr später, am 5. September 1997, starb die als „Engel der Armen” verehrte Teresa in Kalkutta, und am 13. September wurde sie mit einem Staatsakt im Mutterhaus des Ordens beigesetzt.
Auch nach ihrem Tod wuchs die Zahl der Mitglieder der Missionaries of Charity kontinuierlich. Nicht zuletzt aufgrund ihrer immensen internationalen Popularität wurde Mutter Teresa nur sechs Jahre nach ihrem Ableben am 19. Oktober 2003 von Papst Johannes Paul II. im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums selig gesprochen. Zu der Zeremonie, die auch weltweit im Fernsehen übertragen wurde, versammelten sich etwa 300 000 Menschen auf dem Petersplatz in Rom. Es war dies die größte Feierlichkeit zur Seligsprechung in der Geschichte der katholischen Kirche.

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