Biedermeier

Der Name „Biedermeier“

-urspr. Spottbezeichnung für einen braven, spießigen, biederen Menschen
-A. Kußmaul und L. Eichrodt erfanden die Figur Gottlieb Biedermeier erstmals in Gedichten
-Der Ausdruck bezieht sich zum einen auf Kultur und Kunst des Bürgertums und zum anderen auf die Literatur

Allgemein

-Künstler konzentrierten sich ausschließlich auf die Malerei
*alltagsgegenstände wie Möbel
*Märchenszenen
*unscheinbare Ereignisse
*Vorliebe für getreue Naturdarstellungen
*Miniaturmalerei (Portrait)
-Kunstgewerbliche Arbeiten fanden große Bedeutung wie bemalte, geschliffene Gläser oder Becher
-Baukunst war bereits im späten 18.Jahrhundert vorbereitet Wohnung war der wichtigste Bereich
-Möbel hatten klare, sanft geschwungene Linien und wurden durch geblümte, gestreifte Stoffe akzentuiert

Merkmale

Literatur und Kunst
-Biedermeier ist die bürgerlich gewordene Romantik
-Merkmale sind allg. europäisch, jedoch in Österreich (Metternich-Zeit) zu finden
-Nach Revolutionskriegen Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung, privatem Glück und inneren Frieden
-Abkapselung in Heim und in engen Kreisen
-Misstrauen gegen die Politik
-Konservative Grundhaltung
-Hingabe an eine Arbeit nicht wegen materiellen Vorteilen, sondern eines Selbstwillen Wohnung wird Mittelpunkt des Lebens
-Kaffeehäuser und Theater gewannen in den Städten an Bedeutung
-Ablenkung vom harten Alltag, tristen sozialen Lage und unsicheren politischen Situation
-Die Kunst gewann an Bedeutung
-In der Literatur wurde die Liebe zum Kleinen, Alltäglichem und zu den Vorgängen in der Natur deutlich
-Genaue und detaillierte Beschreibungen
-Man griff auf die Klassik zurück
-Dichter schauten melancholisch auf das Vergangene zurück
-Einzug in allen Gesellschaftsschichten
-Persönliche und private Interessen traten in den Vordergrund

Strömungen

-Kunst und Kultur gewann an großer Bedeutung
-Wohlhabende Bürgertum entwickelte sich zum wichtigsten Förderer
-Veranstaltungen wie Konzertabende, Diskussionsrunden
-Auch im Bereich der Musik gab es Veränderungen
-1812 wurde die Gesellschaft der Musikfreunde gegründet
-Später der „Singverein“ und die „Singakademie“
-Die Vertreter dieser Strömung wollten das politische Bewusstsein des Bürgertums erreichen

Historischer Hintergrund

-Politische Vorgänge in Frankreich hatten großen Einfluss auf die Geschehnisse in Deutschland
-Zeit zwischen 1815 – 1848 war geprägt vom Interessenkonflikt zwischen deutschen Fürsten und dem jungen Deutschland (Studenten, Professoren) -> Streben nach Freiheit und politischer Einheit
-1815 Gründung des deutschen Bundes und Gründung von Burschenschaften
-1819 Karlsbader Beschlüsse (Buch- und Pressezensur, Einsatz von Spitzeln und Überwachung von Universitäten etc.)
-1834 Gründung des Deutschen Zollvereins (wirtschaftliche Einheit)
-1848 Märzrevolution

Kunst

-Genre- (gemahlte Abbildung) und Landschaftsmalereien dominierten
-religiöse und historische Motive fehlen fast völlig
-Stil realistisch
-ähnelten oft einer fotografischen Abbildung
-Besonderheit waren sog. Zimmerbilder

Literatur

-Konflikt zwischen Wirklichkeit und Ideal
-heile poetische Welt
-kleine literarische Formen:
-Zähmung der Leidenschaften, Unterordnung unter das Schicksal, Schätzung des inneren Friedens, Interesse für Natur
-biedermeierliche Lebensgefühle kamen zum Ausdruck:
-Resignation, Weltschmerz, Schwermut, Stille, Verzweiflung und Entsagung zum Ausdruck
führten zu Hypochondrie und Selbstmord

Autoren und Werke

-Die Ahnfrau (1817), Der arme Spielmann (1848), Ein Bruderzwist in Habsburg (1848), Die Jüdin von Toledo (1872)– Franz Grillparzer
-Maler Nolten (1832) – Eduard Mörike
-Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt (1832) – Johann Nestroy
-Die Epigonen. Familienmemoiren in neun Büchern (1836) – Karl Leberecht Immermann
-Heidebilder (1841/42), Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen (1842) – Annette von Droste-Hülshoff
-Der Hochwald (1841), Bunte Steine (1853), Der Nachsommer (1857) – Adalbert Stifter
-Die schwarze Spinne (1842) – Jeremias Gotthelf
-Don Juan. Ein dramatisches Gedicht (1851) – Nikolaus Lenau

Biedermeier Musik

-Musik war wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens
-Die bedeutendsten Komponisten lebten und arbeiteten in Wien
-Durch die Hausmusik wurde die Musik auch in den privaten Bereich einbezogen
-Volksmusik erlebte in der Zeit einen neuen Aufschwung
-Lanner und Strauß komponierten die berühmten Walzermelodien

Gedichte

Schau, dort spaziert Herr Biedermeier,
Und seine Frau, den Sohn im Arm;
Sein Tritt ist sachte wie auf Eier,
Sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm

Eine Stelle aus einem der Gedichte von Grillparzer zeigt die typische Einstellung des Biedermeiers:

Eines nur ist Glück hienieden,
Eins: des Innern stiller Friedenszeiten
Und die schuldbefreite Brust!
Und die Größe ist gefährlich,
Und der Ruhm ein leeres Spiel;
Was er, gib und nichtige Schatten,
Was er nimmt, es ist so viel.

Grillparzer, Lenau und Morike litten in ihren letzten Lebensjahren an Hypochondrie
Stifter und Raimund gingen in den Freitod

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