Arbeiterbewegung

Die deutsche Arbeiterbewegung im 19 Jahrhundert
Die Entwicklung der Wirtschaft verlief im 19. Jahrhundert in Europa sehr schnell. Als die
Industrialisierung weiter Fortschritt, gerieten die Arbeiter immer mehr ins Hintertreffen. Es
entstand eine Klassengesellschaft, in der die Unterschiede zwischen Arm und Reich sich
immer mehr vergrößerten. Aus diesem historischen Hintergrund entstand die
Arbeiterbewegung. Das war ein Zusammenschluss von Arbeitern, um eine Verbesserung ihrer sozialen Lage und Erkämpfung politischer Rechte zu erreichen. An ihrer Spitze setzten sich Persönlichkeiten wie Karl Marx oder Friedrich Engels für eine Sozialisierung der Arbeitswelt und einem Umbruch der Gesellschaft ein.
Die Entwicklungsgeschichte der Arbeit:
Die von James Watt erfundene Dampfmaschine und deren Weiterentwicklung und Nutzung in allen möglichen Industriebereichen, brachte den wirtschaftlichen Aufschwung. Es trat das
Zeitalter der Industrialisierung ein. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Die
ersten Fabriken entstanden, die Wirtschaft blühte auf und auch die Massenfertigung von
Gütern begann. Es entstand eine schicksalhafte Beziehung zwischen Mensch und Maschine.
Die von Dampfmaschinen betriebenen Schiffe machten den Transport schneller und auch
einfacher. Außerdem wurde 1835 in Deutschland, zwischen Nürnberg und Fürth die erste
dampfbetriebene Eisenbahn in Betrieb genommen. Die Welt der Wirtschaft hatte sich damit
sehr schnell und stark verändert, gleichzeitig änderte sich auch die Rolle der Arbeiter.
Da es zu einem großen Bevölkerungswachstum kam und es für die Menschen auf dem Land
nicht genug Arbeit gab, strömten sie vom Land in die Städte. Hier fanden sie Arbeit in den
Fabriken. In großen Betrieben mussten sich die Arbeiter dem Takt der Maschinen anpassen.
Da ein Überangebot von Arbeitskräften herrschte, konnten die Unternehmer Löhne zahlen,
die unter dem Existenzminimum lagen. Das zwang Frauen und Kinder zur Mitarbeit. Die
Kinder wurden in Bergwerke geschickt um Erz oder Kohle zu fördern.
Die meisten Arbeitsplätze waren gesundheitsgefährdend und unfallträchtig. Die Räume vieler Arbeitsstellen waren viel zu dunkel und schlecht beheizt. Die Luft war voll mit Abgasen und Staub. Es war zugig und schmutzig.
Die Wochenarbeitszeit betrug etwa 90 Stunden und eine strenge Fabrikordnung verbot
jegliche Pausen in der Arbeitszeit. Es wurde die ganze Woche gearbeitet.
Dies beeinträchtigte die Gesundheit der Arbeiter und verkürzte die Lebenserwartung der
Menschen.
Da die Arbeiter Wohnungen in Fabriknähe suchten, entstanden Mietskasernen oder Hütten, in denen die Menschen bei schlechten Gesundheitsbedingungen und hohen Mieten lebten.
Durch die Macht der Unternehmer und die Armut der Arbeiter wurde das Leben im 19.
Jahrhundert bestimmt. Durch diese Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen führte es zu einer Verelendung und Verarmung der erst neu entstandenen Arbeiterklassen, deswegen waren Unruhen eigentlich schon vorhersehbar.
Revolution
Es entstand ein Klassenkampf zwischen den Arbeitern und den Unternehmern.
Da es so viele Missstände und viel Armut gab, kam es zu einer Revolution im Jahre 1848.
Die Bürger richteten sich mit freiheitlichen Forderungen und Petitionen an die Regierungen
und an die Landesherren. Es kam aber auch zu blutigen Auseinandersetzungen und
Barrikadenkämpfen, durch diese Kämpfe wurden im März 1848 in Berlin 240 Menschen
durch das preußische Militär getötet. König Friedrich der IV war darüber so entsetzt, dass er
die Truppen zurückbeorderte und auch die Revolutionäre aufforderte einzugreifen.
Nur wenige Tage nach dem Waffenstillstand wurden in Preußen allgemeine Wahlen
ausgerufen, aus denen dann eine Nationalversammlung hervorging.
Warum und wofür im 19 Jahrhundert gestreikt wurde:
Im Jahre 1848/49, als Deutschlands Wirtschaft von einer ersten Welle von
Arbeitsniederlegungen erfasst wurde, lauteten die zentralen Forderungen: Mindestlohn,
Extrabezahlung bzw. Einschränkung der Überstundenarbeit, 10-stündiger Normalarbeitstag,
Arbeitsausschüsse und regelmäßige Betriebsversammlungen.
So intensiv wie zwischen 1869 und 1874 gestreikt wurde, wurde es noch nie in Deutschland.
Beteiligt waren über 1250 Arbeitskräfte, dazu kamen noch so ca. 200.000 bis 300.000
Ausständige, damit erreichte die Streitfrequenz damals eine Höhe, die zuvor noch nie in
Deutschland vorkam. In über 20 Städten Deutschlands kam es zwischen 1871 und 1873 zu
gewalttätigen Auftritten von aufgebrachten Volksmengen.
Grob konnte man zwischen 4 Kategorien von Streikforderungen unterscheiden:
1) Lohnforderungen
2) Arbeitszeitregelung
3) Abschwächung bzw. Humanisierung
4) Anerkennung demokratisch gewählter Vertreter als legitime Interessenvertretung der
Arbeiter
Bei den einzelnen Forderungskomplexen verhielten sich die Unternehmer meist kategorisch
ablehnend. Lohnforderungen wurden meist wegen einer fehlenden Notlage der Arbeiter oder der Zahlungsunfähigkeit der Betriebe zurückgewiesen. Außerdem waren sie nicht bereit die Arbeitszeit zu kürzen.
Arbeitervereine
Erste Arbeitervereine, die sich um die Linderung der größten Not und um die Vertretung der
Arbeiterinteressen bemühten, bildeten sich in Deutschland bereits kurz vor der Revolution.
Diese Arbeitervereine waren jedoch noch sehr schlecht organisiert, da bis dahin in
Deutschland ein Verbot bestand, politische Vereine zu gründen. Die Anregungen zur
Vereinsgründung kamen aus dem Ausland, wie zum Beispiel aus England oder Frankreich.
Es bildeten sich zwei durchaus unterschiedliche Strömungen der organisierten
Arbeiterbewegung. Die kommunistische Richtung stand unter der Führung von Karl Marx
und Friedrich Engels. Sie vertraten die Ansicht, die Arbeiterklasse würde durch das
Bürgertum unterdrückt werden. Also müssten die Reichen und der Adel durch die Arbeiter
entmachtet werden.
Anfang des Jahres 1848 veröffentlichten Marx und Engels das „Manifest der
kommunistischen Partei“ in London. Das war ein sehr bedeutendes Dokument der
Frühgeschichte der Arbeiterbewegung. Es enthielt ein Programm, eine Rechtfertigung und
einen Aufruf zum Widerstand. Die wohl bekannteste Stelle darin lautet:
„Proletariat aller Länder, vereinigt euch!“
Die andere Arbeiterbewegung, die Allgemeine deutsche Arbeiter-Verbrüderung, stand unter
der Führung von Stephan Born. Während Marx und Engels eine Revolution wollten, stand
Born mehr für soziale Reform. Er wollte gegenseitige Hilfe für die arbeitende Klasse.
Born war sogar Herausgeber einer Sozial-politischen Zeitschrift die sich „Das Volk“ nannte.
Mit dem Scheitern der Revolution von 1848/49 erlitt auch die deutsche Arbeiterbewegung
einen Rückschlag. Nur unpolitische und konfessionelle Arbeitervereine durften ihre Arbeit
fortsetzen.
Am 11. April 1848 trat in Berlin eine Arbeiterversammlung zusammen, dann gründete man
das „Central-Komité“, in der in regelmäßigen Abständen die Missstände der Arbeiter geprüft
werden sollten. Die Hauptanliegen waren mehr Lohn und eine Verkürzung der Arbeitszeit.
Man versuchte, die lokalen Arbeiterorganisationen zu retten, indem man sich von der Politik
fernhielt. Doch sie wurden verfolgt, unterdrückt und schließlich 1854 durch Beschluss des
Deutschen Bundes grundsätzlich verboten.
1859 regte sich die Arbeiterbewegung wieder. Örtliche Gewerkschaften bildeten sich zu
nationalen Organisationen. Die ersten Gewerkschaften organisierten sich nach Berufsgruppen, nicht wie heute nach Industriezweigen. Sie richteten Unterstützungskassen für akute Notlagen ein und vermittelten Arbeitsplätze neben ihren Hauptzielen, der Lohnerhöhung und der Arbeitszeitverkürzung.
Ein weiterer Vordenker der Arbeiterbewegung war Ferdinand Lassalle, er wurde 1863 in
Leipzig zum Präsidenten des neu gegründeten „Allgemein Deutschen Arbeiterverein“
(ADAV) gewählt. So hatte er eine wichtige Stellung. Das Motto der ADAV, das auch auf
ihrer Fahne stand, war
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Einigkeit macht stark“.
Zu diesem Arbeiterverein zählten zunächst nur etwa 1000 Mitglieder. Es war aber doch die
erste deutsche Partei, die spezifisch formulierte Arbeiterinteressen verkündete. Die Struktur
dieses Vereins war allerdings ganz auf Lassalle zugeschnitten, der diktatorische Vollmachten
besaß und die Vorsitzenden der einzelnen Gemeinden als seine Bevollmächtigten ernannte.
Dank dieser Entwicklung kam es dann 1868 zur Gründung von zentralen Gewerkschaften, die sich zu den wichtigsten Interessenverbänden für die Arbeiter entwickelten.
Wilhelm Liebknecht und August Bebel gründeten 1869 die Sozialdemokratische
Arbeiterpartei (SDAP). Liebknecht war ein guter Freund von Marx und Engels.
Obwohl diese beiden Parteien ADAV und SDAP ihre Forderungen verschieden durchsetzen
wollten, hatten sie dennoch die gleichen Ziele. Schließlich schlossen sie sich im Jahre 1875
zusammen.
Sie waren sozialreformerisch und nicht revolutionär ausgerichtet. Sie nannten sich die
„Sozialistische Arbeiterpartei Deutschland“, kurz SAD.
Mit 34.000 Mitgliedern war sie damals die stärkste Arbeiterpartei. 1877 schnitt sie bei den
Reichstagswahlen als 4. stärkste Partei ab. Der Reichskanzler Bismarck versuchte diese neue
politische Macht zu unterdrücken. Um der Arbeiterbewegung auch in ihren berechtigten
sozialen Forderungen zuvorzukommen, aber auch aus moralischen Gründen, erließ Bismarck in den folgenden Jahren Gesetze zur Kranken-, Unfall- und Alters- und
Invaliditätsversicherung. Trotz aller Unterdrückungsmaßnahmen zeigte sich in den achtziger
Jahren, dass die Arbeiter weiterhin die Sozialdemokraten als ihre politischen
Interessenvertreter ansahen.
1891 wurde die SAD neu gegründet als SPD. Ihre konkreten Ziele waren nicht nur mehr
soziale und politische Rechte, sondern sie wollten auch weniger Abhängigkeit von den
Unternehmern, Mitbestimmung, Streikrecht, gleiche Bildungschancen und gleiche politische
Rechte für Männer und Frauen. Die gesamte politische Macht sollte an die SPD gehen. Der
Privatbesitz an Produktionsmitteln sollte vergesellschaftet werden.
Neben der SAD waren die Gewerkschaften weiterhin aktiv. Zwar waren anfangs ihre
Verbände klein, aber nach der Wirtschaftskrise in den neunziger Jahren begann ihre große
Zeit. Durch den Abschluss von Tarifverträgen gewannen sie großen Einfluss in der Gestaltung der Arbeitsverhältnisse.
1895/96 wurden die Christlichen Gewerkschaften gegründet. Obwohl sie die Klassenstruktur
der Gesellschaft anerkannten, lehnten sie den marxistischen, gewalttätigen Klassenkampf ab, da sich dieser Kampf nicht mit dem christlichen Glauben vereinbaren lies. Die meisten
Mitglieder waren katholische Arbeiter. Es entstanden immer mehr Arbeitervereine im alltäglichen Leben wie zum Beispiel Arbeiterbildungsverein, Arbeiterturnverein, Arbeitergesangsvereine. So entstand eine eigene Arbeiterkultur, die den Arbeitern ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelte.
Abschließend kann man zusammenfassend sagen, dass es 3 verschiedene Gruppen von
Arbeiterbewegungen gab:
1. Gewerkschaften: Interessenvertretungen der Beschäftigten in den Betrieben.
2. Arbeiterparteien: Politische Organisationen, wie zum Beispiel sozialistische,
sozialdemokratische oder kommunistische Parteien.
3. Freizeit- und Bildungsvereine: z. B. Arbeiterbildungsvereine, Arbeiterturnvereine
Zu den wichtigsten Forderungen der frühen Arbeiterbewegung gehörten: Mindestlöhne,
Arbeitszeitregelung, Arbeitsschutz, Kündigungsschutz und die Absicherung bei Krankheit
und Arbeitslosigkeit.
Diese Forderungen wurden durch Verhandlungen, Öffentlichkeitsarbeit, aber auch durch
Streiks in vielen Jahren erkämpft.
Quellen: Internet: www.wikipedia.de
www.planet-wissen.de
www.dhm.de
Bücher: Illustrierte deutsche Geschichte von H.J. Friedrichs
Zeiten und Menschen G2
Deutschland im 19. Jahrhundert von Görtemaker
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