Apotheke Vita Nova

Ich sortierte gerade neue Medikamente in die Regale ein. Unter anderem Tabletten gegen Bauchweh und Kopfschmerzen. Es war ein Tag wie jeder andere. Wie immer verirrten sich nicht sehr viele in meine kleine abgelegene Apotheke. Doch dann kam ein Mann herein und hielt mir einen zerfledderten Zettel entgegen. Verschiedene Pflanzenschutzgifte waren aufgelistet. „Eins davon“, sagte der Mann. Ich schaute auf, um mir ein Bild von dem Herren zu machen. Er sah schlecht aus. Sein Gesicht war nicht nur blass, es war ausdruckslos und leer. Der scheint eine schwere Zeit hinter sich zu haben, der bräuchte andere Mittel als Pflanzengift, dachte ich mir. Der Kunde wurde unsicher, als ich ihn musterte. „Sind aber verschieden stark“, sagte ich und runzelte die Stirn. Er verlangte das Stärkste. Abgesehen davon, dass ich in meiner Apotheke sowieso keine Gifte verkaufte, wusste ich, dass dieser Mann etwas vor hatte was ich verhindern musste.
Ich stieg auf die Leiter, was jedesmal aufs Neue anstrengend war, wegen meines Alters und der einarmigen Folgen eines schweren Lebens. Ich kramte ein wenig im Regal herum, obwohl ich genau wusste wo sich das harmlose Gurgelmittel befand, welches ich dem Mann als Pflanzenschutzgift verkaufen wollte. Er wird morgen wiederkommen und sich beschweren, das wusste ich. Aber eines Tages würde er mir dankbar sein. Dann nahm ich das Mittel und stellte es auf die Theke. „Mit vier Liter Wasser verdünnen“,sagte ich um den Schein zu bewahren. Der Mann bezahlte und schaute vorsichtig an mir vorbei. Wahrscheinlich hatte er gerade meine Enkelin gesehen, die im Nebenraum Medikamente abwog. Dann ging er. „Du hast ihm nicht wirklich Gift gegeben, oder?“, fragte mich Anna. Ich nickte. „Meinst du er will sich etwas antun?“ „Er schien nicht so, als würde er es brauchen um seine Pflanzen zu pflegen.“, antwortete ich. Am nächsten Morgen kam der Mann tatsächlich zurück und beschwerte sich. „Was haben sie mir da für ein verdammtes Zeug angedreht“ Ich erklärte ihm was es wirklich für ein Mittel war. Ich fragte ob er noch etwas wünsche. „Hustenbonbons“, sagte er.

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